Situation im Kosovo "generell negativ"

10. Juni 2003, 11:45
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Premier Zivkovic fordert nach Ermordung einer serbischen Familie Errichtung eines "echten Protektorats"

Belgrad - Vier Jahre nach dem Abzug jugoslawischer Sicherheitskräfte aus dem Kosovo bewertet Belgrad die Situation in der von der UNO kontrollierten Provinz äußerst negativ. Vor der Sitzung des UNO-Sicherheitsrates am Dienstag hat sich der serbische Regierungschef Zoran Zivkovic für die "Errichtung eines echten Protektorats" im Kosovo eingesetzt. Er hat die UNO-Mission (UNMIK) aufgefordert, die neulich begonnene Übertragung bestimmter Befugnisse an die vorübergehenden Kosovo-Institutionen einzustellen und ein echtes Schutzgebiet zu errichten.

Die Situation in der Krisenprovinz verschärfte sich nach der brutalen Ermordung einer dreiköpfigen serbischen Familie am vergangenen Mittwoch in Obilic bei Pristina sowie der Ankündigung der verbliebenen serbischen Familien, die Ortschaft verlassen und nach Zentralserbien aussiedeln zu wollen. Nach mehrstündigen Gesprächen mit höchsten Belgrader Politikern hatten die Familienvertreter, die eine größere Sicherheit forderten, auf diesen Schritt verzichtet.

"Realitätssinn"

Der Botschafter Serbien-Montenegros bei den Vereinten Nationen, Dejan Sahovic, hat in Erwartung der Kosovo-Debatte die Ergebnisse der UNMIK als "generell negativ" bezeichnet. "Die Situation im Kosovo ist namentlich für die verbliebene serbische Bevölkerung eine außerordentlich schwierige. Der seitens der UNMIK geleitete politische Prozess bewegt sich nicht in eine gute Richtung", meinte Sahovic gegenüber dem Sender B-92.

Dass bezüglich Kosovo in Belgrad inzwischen mehr Realitätssinn herrscht, bezeugt auch die Äußerung des Verteidigungsministers Boris Tadic. Er hatte am Montag die eventuelle Realisierung einer Bestimmung der UNO-Resolution zum Kosovo (Nr. 1244) als "nicht real" bezeichnet, wonach in der Provinz bis zu 1.000 Angehörige der Streitkräfte Belgrads erneut stationiert werden sollen. Belgrad, das anlässlich der jüngsten Ermordung der serbischen Familien mit der Wut der Serben in Obilic konfrontiert war, gibt seine Ohnmacht zu, was die Schaffung eines sichereren Umfeldes angeht und beschuldigt dafür vor allem den scheidenden UNMIK-Chef Michael Steiner. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der serbische Premier Zoran Zivkovic.

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