Das multimodale Interview

29. Juli 2004, 15:05
3 Postings

Der Wiener Personalberater Peter W. Eblinger hat eine neue Variante im Recruitingprozess entwickelt: Künftig wird er einige seiner "Kandidaten" nach der Methode des österreichischen Psychologen Heinz Schuler interviewen

Ausschlaggebend war eigentlich ein Post Graduate Lehrgang an der Wirtschaftsuniversität in Wien. Peter W. Eblinger, Geschäftsführender Gesellschafter der gleichnamigen Personalberatung, wollte seine Kontakte zu Managern vertiefen und "einfach etwas Neues dazulernen". Nach vier Semestern hatte Eblinger seine Master-Thesis über das Thema "Multimodales Interview" fertig und neue Erkenntnisse für seine eigene Personalberatung gewonnen.

Konkret hat er damit eine neue Interviewmethode als Know-how in seine Firma eingebracht. "In Zeiten wie diesen muss man zeigen, wie schnell und effizient man bei der Suche nach Kandidaten sein kann", erklärt er. Die Methode, die künftig bei Eblinger & Partner angewandt werden wird, ist die des österreichischen Psychologen Heinz Schuler und beruht auf einer Mischung zwischen strukturellem Interview und Assessment Center: "Bei dieser Methode stehen Bewerber stärker ,im Schaufenster' als bisher."

Vorteile für beide

So wird etwa seine Selbstpräsentation hinsichtlich dreier formaler Aspekte wie Ausdruck, Selbstvertrauen und Lebhaftigkeit und inhaltlicher Aspekte wie Einstellung zur Arbeit und realistische Selbstwahrnehmung beurteilt. Danach werden Fragen zur Berufswahl, zu den Interessen, zur Organisationswahl und zur Bewerbung gestellt. Es folgen biografiebezogene und situative Fragen, die sich auf erfolgskritische Anforderungen der neuen Aufgabe beziehen.

Alles in allem dauert eine derartige Interviewmethode rund zwei Stunden. "Es wird daher wirklich noch mehr vorbereitet, analysiert und gescort", so Eblinger. Der Vorteil für den Bewerber ist die intensivere Auseinandersetzung mit seiner Person. Für den Personalberater ergeben sich bessere Beurteilungsmöglichkeiten und damit eine höhere prognostische Validität.

Eblinger will diese Interviewmethode künftig vor allem bei Einzelprojekten einsetzen: "In erster Linie dort, wo talentierte Berufseinsteiger gesucht werden, denn dort gibt es mangels Berufserfahrung weniger zu beurteilen", so der Experte. Und er fügt hinzu: "Man muss auch bei den Interviewmethoden flexibel sein und nicht in der Routine erstarren." (DER STANDARD, Printausgabe, 7./8./9.6.2003, red)

  • "Im Zuge des multimodalen Interviews setzt sich der Bewerber intensiver mit seiner Person auseinander - der Personalberater hat bessere Beurteilungs- möglichkeiten", erklärt Peter W. Eblinger
    foto: eblinger

    "Im Zuge des multimodalen Interviews setzt sich der Bewerber intensiver mit seiner Person auseinander - der Personalberater hat bessere Beurteilungs- möglichkeiten", erklärt Peter W. Eblinger

Share if you care.