Wien - Die Causa Oesterreichische Banknotendruckerei (OeBS) rund um
Provisionszahlungen hat sich in der Branche europaweit wie ein Lauffeuer
verbreitet. Wolfgang Duchatczek, der Vizegouverneur der
Oesterreichischen Nationalbank (OeNB; ihr gehört die Gelddruckerei) und
Aufsichtsratsvorsitzende der OeBS, hat am 4. November etliche
europäische Notenbanken von den Ende Oktober aufgeflogenen Unbilden
informiert. Und zwar per von ihm als Vizegouverneur unterzeichneten
Brief, laut dem er sich angesichts der "guten Geschäftsverbindungen
zwischen Ihrer geschätzten Institution und der OeBS" zur Erteilung von
Informationen "aus erster Hand verpflichtet fühlt".
In dem zweiseitigen Schreiben erklärte er den Geschäftspartnern, dass
bei einer internen Prüfung Ungereimtheiten aufgekommen seien, sowie
"Fälle, in denen die Regeln und Prinzipien des Unternehmens nicht
befolgt" worden seien - Hauptversammlung der Gesellschaft und
OeNB-Direktorium hätten daher drei OeBS-Manager suspendiert und
gekündigt. Sehr diskret zeigte sich der Notenbanker nicht: Er nannte
alle drei Namen samt Funktionen.
Schließlich stellte der Aufsichtsratschef noch die (interimistischen)
neuen OeBS-Chefs vor - und versicherte, dass selbige die "gut
etablierten Geschäftsverbindungen mit Ihrer geschätzten Institution
selbstverständlich ... fortsetzen" würden. Er, Duchatczek, stehe für
weitere Fragen oder Anliegen zur Verfügung.
Ob der oberste OeBS-Kontrollor die Kunden dann auch vom Fortgang der
Causa informiert hat, ist nicht überliefert. Seit der Anzeige der OeNB
ermittelt ja die Justiz wegen Verdachts auf Korruption und Bildung einer
kriminellen Vereinigung - gegen die Ex-Manager, aber auch gegen alle
(ehemaligen) OeBS-Aufsichtsratsmitglieder. Zu ihnen zählen etwa neben
Duchatczek selbst auch OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny und
Direktoriumsmitglied Peter Zöllner. Alle Beschuldigten bestreiten die
Vorwürfe, und es gilt die Unschuldsvermutung. (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 14.1/15.1.2012)