Notenbank

Vizechef verbreitete Infos zu Causa Gelddrucker

Renate Graber, 13. Jänner 2012, 21:15

Wien - Die Causa Oesterreichische Banknotendruckerei (OeBS) rund um Provisionszahlungen hat sich in der Branche europaweit wie ein Lauffeuer verbreitet. Wolfgang Duchatczek, der Vizegouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB; ihr gehört die Gelddruckerei) und Aufsichtsratsvorsitzende der OeBS, hat am 4. November etliche europäische Notenbanken von den Ende Oktober aufgeflogenen Unbilden informiert. Und zwar per von ihm als Vizegouverneur unterzeichneten Brief, laut dem er sich angesichts der "guten Geschäftsverbindungen zwischen Ihrer geschätzten Institution und der OeBS" zur Erteilung von Informationen "aus erster Hand verpflichtet fühlt".

In dem zweiseitigen Schreiben erklärte er den Geschäftspartnern, dass bei einer internen Prüfung Ungereimtheiten aufgekommen seien, sowie "Fälle, in denen die Regeln und Prinzipien des Unternehmens nicht befolgt" worden seien - Hauptversammlung der Gesellschaft und OeNB-Direktorium hätten daher drei OeBS-Manager suspendiert und gekündigt. Sehr diskret zeigte sich der Notenbanker nicht: Er nannte alle drei Namen samt Funktionen.

Schließlich stellte der Aufsichtsratschef noch die (interimistischen) neuen OeBS-Chefs vor - und versicherte, dass selbige die "gut etablierten Geschäftsverbindungen mit Ihrer geschätzten Institution selbstverständlich ... fortsetzen" würden. Er, Duchatczek, stehe für weitere Fragen oder Anliegen zur Verfügung.

Ob der oberste OeBS-Kontrollor die Kunden dann auch vom Fortgang der Causa informiert hat, ist nicht überliefert. Seit der Anzeige der OeNB ermittelt ja die Justiz wegen Verdachts auf Korruption und Bildung einer kriminellen Vereinigung - gegen die Ex-Manager, aber auch gegen alle (ehemaligen) OeBS-Aufsichtsratsmitglieder. Zu ihnen zählen etwa neben Duchatczek selbst auch OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny und Direktoriumsmitglied Peter Zöllner. Alle Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe, und es gilt die Unschuldsvermutung. (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 14.1/15.1.2012)

Peter Langhammer
02
14.1.2012, 16:09
vorbildliche, professionelle kundeninformation

die absicht dieses beitrags von frau graber kann ich nicht nachvollziehen. sie selbst läßt ihn auch nur erahnen.

schnelle und volle information von kunden - gerade im krisenfall - hat oberste priorität für manager. und natürlich sollen die namen nicht verschwiegen werden - die kunden wissen sowieso, bei wem sie bestellt haben.

MacErik
00
15.1.2012, 09:59

Gut, dass Frau Graber Journalistin und nicht Managerin geworden ist. (Oder deswegen???)

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