Nouriel Roubini

Amerikas Schwierigkeiten

Kommentar der anderen | 13. Jänner 2012, 20:47

Trotz günstiger Daten wird das Wirtschaftswachstum in den USA 2012 relativ schwach bleiben. Warum ist den guten Nachrichten nicht zu trauen?

Die gesamtwirtschaftlichen Indikatoren für die USA waren in den vergangenen Jahren besser als erwartet. Die Zahl der Neueinstellungen ist gestiegen, die produzierende Industrie und das Dienstleistungsgewerbe haben sich leicht besser entwickelt, selbst die Wohnungswirtschaft zeigt ein paar Lebenszeichen, und das Konsumwachstum war relativ widerstandsfähig.

Trotz günstiger Daten wird das Wirtschaftswachstum in den USA 2012 relativ schwach bleiben. Warum ist den zuletzt guten Wirtschaftsnachrichten nicht zu trauen?

Erstens leiden die US-Verbraucher nach wie vor unter der Einkommens- und Vermögensentwicklung und werden durch Schulden eingeschränkt. Die bescheidene Verbesserung beim verfügbaren Einkommen beruht primär auf Steuersenkungen und Transferleistungen; dies ist nicht nachhaltig: Irgendwann müssen die Transferleistungen gesenkt und die Steuern erhöht werden, um das Haushaltsdefizit zu reduzieren. Die jüngsten Konsumdaten lassen bereits eine Abschwächung erkennen.

Zugleich ist der Anstieg bei den US-Beschäftigungszahlen noch immer zu schwach, um sichtbare Auswirkungen auf die Gesamtarbeitslosenquote und die Arbeitseinkommen zu haben. Die USA müssen auf kontinuierlicher Basis monatlich mindestens 150.000 Jobs schaffen, nur um die Arbeitslosenquote zu stabilisieren. Gut 40 Prozent der Arbeitslosen sind lange Zeit arbeitslos, was deren Chancen, eine vernünftige Arbeit zu finden, reduziert. Und die Unternehmen suchen weiter nach Wegen, um die Beschäftigungskosten zu senken.

Die steigende Ungleichheit bei den Einkommen wird das Konsumwachstum ebenfalls begrenzen, weil sich Einkommensanteile von jenen mit höherer marginaler Konsumquote (Arbeiter und weniger Wohlhabende) zu jenen mit höherer marginaler Sparquote (Unternehmen und wohlhabende Haushalte) verlagern.

Zudem wird der jüngste Anstieg der Investitionsausgaben zu Ende gehen, weil Steuererleichterungen auslaufen, die Unternehmen die Entwicklung bei den derzeit drohenden sogenannten "Tail Risks" (unwahrscheinlichen Ereignissen mit extrem starken Auswirkungen) aussitzen und die unzureichende Endnachfrage die Auslastungsquoten niedrig hält. Und die meisten Anlageinvestitionen werden weiter arbeitssparenden Technologien gelten, was erneut impliziert, dass die Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze begrenzt bleiben wird.

Angesichts der blutleeren Zunahme bei der Binnennachfrage besteht Amerikas einzige Chance, sich seiner potenziellen Wachstumsrate anzunähern, in der Verringerung seines hohen Handelsdefizits. Doch von den Nettoexporten wird 2012 eine Bremswirkung für das Wachstum ausgehen, und zwar aus mehreren Gründen:

Der Dollar müsste sich weiter abschwächen, was aber unwahrscheinlich ist, weil viele andere Notenbanken dem Beispiel der Federal Reserve gefolgt sind und eine zusätzliche "quantitative Lockerung" betreiben. Angesichts all dieser großen und kleinen Risiken haben Unternehmen, Verbraucher und Anleger einen starken Anreiz, abzuwarten und stillzuhalten. Das Problem ist natürlich, dass, wenn genug Leute abwarten und nichts tun, sie genau jene Risiken verstärken, die sie zu vermeiden suchen. (©Project Syndicate, 2012. Aus dem Englischen von Jan Doolan, DER STANDARD, Print-Ausgabe; 14.1/15.1.2012)

Person Nouriel Roubini ist Chairman von Roubini Global Economics (www.roubini.com) und Professor an der Stern School of Business der New York University.

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12 Postings
peace & love
14
15.1.2012, 13:10
wo steht das mit den ...

... 42 millionen essensmarkenempfängern, wenn wir schon von 'schwierigkeiten ' sprechen?

Peter_23
11
15.1.2012, 17:30
Ende Dezember 2011 waren es schon 46 Millionen, siehe http://www.bls.gov/news.rele... empsit.pdf

Die USA sind ziemlich am Sand und haben sich mit ihren Schuldgeldsystem selber ruiniert.

Nicht nur wegen der 46 Millionen Essensmarkenbezieher und den schon rund 86 Millionen "Not in Labor Force" (da sind die eigentlichen Arbeitslosen).

Die USA sollten möglichst schnell einen neuen Angriffskrieg starten. Gegen Iran, Irak oder China oder gleich gegen alle. Vielleicht hilft das den US-$ auf ein paar weitere Jahre. Sonst schaut's für die USA nicht gut aus.

QUANTUM
30
14.1.2012, 07:30

mit einem wort: nixtun. ahmm, wann waren österr. politker schon mal busy?

oblomow II
02
14.1.2012, 11:54
österreich?

usa!

Thomas Geißler
00
13.1.2012, 21:16
"quantitative Lockerung"

Täusch' ich mich oder ist das einfach eine schöne Umschreibung dafür, dass man die Geldmenge drastisch erhöht?

Dr. Viktor Frankenstein
01
15.1.2012, 12:47
"quantitative Lockerung"

Ja, woertliche Uebersetzung von "quantitative easing", d.h. Geld drucken um die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

peace & love
00
15.1.2012, 14:19
'Geld drucken um die Wirtschaft wieder anzukurbeln'

verzeihen Sie meine naivität, aber ... wie soll das funktionieren ?

Peter_23
00
15.1.2012, 17:34
Es funktioniert gar nicht

Das sehen Sie unter anderem daran, dass seit 2008 an dieser Krise herumgedoktert wird und genau das Gegenteil von Ende-der-Krise eintritt: Alle 2 Wochen muss mal der US-$, mal der Euro mal irgendwas anderes "gerettet" werden.

Geld drucken um Wirtschaft anzukurbeln hat noch nie (in der Geschichte) funktioniert. Aber es ist die Beste Methode um die Währung zusammenzuhauen.

Daher, vielleicht nichtmal so schlecht (wenn man mittelfristig auf den Währungszusammenbruch spekuliert) PS: Die Welt geht deswegen nicht unter.

Mike Davis
 
00
15.1.2012, 17:08

Es ist eine vernünftige Maßnahme, wenn man am Zero lower bound angekommen ist und sonst keine Alternativen hat: Im Fall der USA kauft die FED direkt im großen Stil US Staatsanleihen, was die Zinsen drückt und Geld für Investitionen durch den Staat freimacht, der damit den Ausfall der Privaten ausgleichen kann.

Das Risiko ist natürlich Inflation, aber erstens ist das nicht eingetreten, eben weil die Wirtschaft noch nicht wieder angesprungen ist, zweitens ist Inflation ohnehin eine gewünschte Maßnahme, um die fatale Kapitalakkumulation zu bekämpfen, die an der Basis der Krise steht.

Im Euroraum verweigert die EZB diese Maßnahme aus mehreren Gründen, u.a. deshalb, weil der Zwang der Schuldenkrise für Strukturmaßnahmen genützt werden soll.

peace & love
00
15.1.2012, 17:59
wie würden Sie mir dann DAS HIER erklären?

Es gibt keinerlei Mittel um den finalen Zusammenbruch eines Booms zu verhindern, der durch Kreditausweitung herbeigeführt wurde. Die Alternative ist nur ob die Krise früher kommt als Resultat freiwilliger Aufgabe weiterer Kreditausweitung oder ob sie später kommt als endgültige und totale Katastrophe des betroffenen Währungssystems.

L v. Mises

inness robins
00
14.1.2012, 07:26
Fiat Money

nein, das geschöpfte Geld will er wieder vernichten.

Reich sein muss sich lohnen!
10
15.1.2012, 09:51
Theoretisch

Praktisch wurden mit dem neuen Geld aber Staatsanleihen gekauft - und Staatsschulden werden nicht zurückgezahlt sondern umgeschuldet.

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