Hörporträt: "Ilse Aichinger. Schriftstellerin"
Kann Verspätung ein Geschenk sein? Im Falle dieses den 90. Geburtstag
Ilse Aichingers um mehrere Wochen reizend verfehlenden großen
Hörporträts: Ja! Und ja! Mit dieser Produktion, die in Zusammenarbeit
mit dem Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur entstanden ist,
liegt die mutmaßlich eindringlichste Einführung in das Leben und das
Werk der großen Schriftstellerin vor.
Geschickt hat der Regisseur Harald
Klewer eine abwechslungsreiche Abfolge von O-Tönen, Aussagen und
Lesungen Ilse Aichingers, Gesprächen mit Michael Krüger und Peter Handke
und Auszügen aus ihren poetischen, wie sie selber sagt: die Realität
ertastenden Erzähltexten und Hörwerken komponiert. Letztere liest die
Theaterschauspielerin Corinna Kirchhoff. Und sie ist eine großartige
Wahl. Kirchhoff ist in zarter vokaler Zurückhaltung eindringlich,
textergeben und in ihrem antivirtuosen Dienen subtil. So subtil wie
Aichinger selbst, wenn sie über ihr Kennenlernen und ihre Ehe mit Günter
Eich spricht. Hinzu kommt die schöne Ausstattung mit wenig bekannten
privaten Aufnahmen.
"Meine Sprache ist etwas," so Ilse Aichinger, "das
ich fast persönlich nehme, weil sie so auf mich gestoßen ist, mich von
allen Berufs-, Zukunfts- und sonstigen Plänen verdrängt hat und mir
eigentlich nur die Wahl gelassen hat, sie anzunehmen oder nicht." Eine
mehr als schöne Hommage. (Alexander Kluy / DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.1.2012)
"Ilse Aichinger. Schriftstellerin". € 19,10 / 77 min. speak low,
Berlin 2011