Front-National

Das rechte Schreckgespenst kehrt zurück

13. Jänner 2012, 19:32

Hundert Tage vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich halten sich die Spitzenkandidaten Nicolas Sarkozy und François Hollande bedeckt

In die Bresche springt die Rechtsextremistin Marine Le Pen.

*****

Es ist eine "drôle de campagne" , ein seltsamer Wahlkampf: Nur noch hundert Tage verbleiben bis zum ersten Durchgang der Präsidentschaftswahlen Ende April, doch die Kandidaten biegen mit angezogener Bremse auf die Schlussgerade ein. Nicolas Sarkozy tut, als ginge ihn das Ganze nichts an. Dabei erklärte seine Gattin Carla Bruni am Freitag frank und frei, sie werde an der Seite ihres Staatschefs kämpfen. Dieser hält sein Temperament auf einmal im Zaun und kopiert den sozialistischen Präsidenten François Mitterrand, der sich 1988 erst einen Monat vor dem Urnengang offiziell zur Wiederwahl stellte.

Der heutige sozialistische Kandidat François Hollande hält sich seinerseits zurück. Er vermeidet klare Aussagen zu Themen wie Rentenalter oder Steuerreform; nicht einmal zu eigenen Wahlversprechen wie der Einstellung von 60.000 Lehrern äußert er sich präzise. Der konservative Philosoph Luc Ferry bezeichnet Hollande deshalb als "Gummi-Kandidaten" .

Um sich trotzdem den Anschein eines Wahlkampfes zu geben, verlegen sich die Kandidaten aufs Verbalgefecht. Hollande erklärte vor Journalisten, Sarkozy halte sich selbst für einen "dreckige Typ" (sale mec). Die Rechtspartei UMP protestierte heftig, aber auch nicht zu heftig, nachdem Sarkozy früher schon einem Gewerkschafter zugeraunt hatte: "Hau ab, armer Trottel" .

Diese Woche meinte Parlamentspräsident Bernard Accoyer, die Rückkehr der Linken an die Macht hätte die gleichen Folgen "wie Krieg" . Die Linke reagierte sehr entrüstet, doch Sarkozy glättete die Wogen persönlich, indem er sich gegenüber Sozialistenchefin Martine Aubry von der Aussage distanzierte.

Der Grund für die betonte Zurückhaltung der beiden Wahlfavoriten ist taktischer Natur: Beide wollen der Gegenseite keine Angriffsfläche bieten - überzeugt, dass sie in der aktuellen Krisensituation nur verlieren können. In den Umfragen liegt Hollande mit 28 Prozent Sympathiestimmen vorn, doch sein Abstand auf den nach wie vor sehr unpopulären Staatschef (derzeit 26 Prozent) verringert sich. Das Präsidentenlager rechnet sich in der Stichwahl gegen den farblosen Sozialisten gute Chancen ist, fürchtet aber vor allem den ersten Wahlgang.

Rechtsaußen mit Potenzial

Der war schon 2002 dem Sozialisten Lionel Jospin zum Verhängnis geworden, als ihn Jean-Marie Le Pen überraschend aus der Wahl schlug. Jetzt wird Sarkozy von der Front-National-Kandidatin Marine Le Pen bedroht. Der Tochter des Parteigründers werden derzeit etwa 20 Prozent der Stimmen eingeräumt. Aber sie hat noch Potenzial: Laut einer inhaltlichen Meinungserhebung erklären 31 Prozent der Franzosen, mit den Thesen des Front National "einverstanden" zu sein. Und bei den düsteren Wirtschaftsprognosen - bald mehr als zehn Prozent Arbeitslose - dürften noch mehr Wähler zu den Rechtsextremen überlaufen.

Innenminister Claude Guéant versuchte der Gefahr von rechts außen beizukommen, indem er diese Woche stolz einen Rekord an Abschiebungen illegaler Einwanderer bekanntgab. Allzu weit nach rechts abdriften kann Sarkozy aber auch nicht: Der Mitte-Politiker François Bayrou ist seinerseits mit 13 Prozent im Aufwind und droht ihm im Zentrum die Stimmen wegzunehmen, die Sarkozy auf der Rechten zu gewinnen hofft. (Stefan Brändle aus Paris/ DER STANDARD, Printausgabe, 14.1.2012)

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Posting 1 bis 25 von 36
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Jülyet Ksantopulo
00
18.1.2012, 14:42

Es gibt nicht wenige in Frankreich, die sich - um Sarkozy eines auszuwischen - eine Stichwahl zwischen Hollande und Le Pen wünschen. Bayrou ist zu schwach und spielt, seimir uns ehrlich, keine Rolle.

Abelaard
04
14.1.2012, 18:01

es wäre ja vielleicht gar nicht schlecht wenn die le pen gewinnen würde, die etablierte politische kaste in europa müsste endlich einmal aufwachen und echte taten setzen bevor sie ein neuer jakobinersturm hinweg fegt

byron sully
31
14.1.2012, 15:44

das horrorszenario wäre freilich eine stichwahl sarkozy - le pen. weil man da als halbwegs zivilisierter mensch wohl gewzungen wäre, sarkozy zu wählen, um den rechtsradikalen supergau zu verhindern.

Europa geht pleite, wer geht mit?
 
04
14.1.2012, 14:09
Der Euro, von Frankreich als "Versailles 2.0" geplant,

hat sich zum Bumerang für Fr entwickelt. Die Franzmänner haben die Innovationskraft, Belastbarkeit und Verzichtsbereitschaft der Deutschen massiv unterschätzt und wurden von der deutschen Exportlawine überrollt. Das Ziel- eine "Einkreisung" Deutschlands auf wirtschaftliche Art- wurde eindeutig verfehlt. Jetzt kann sich Sarkozy von der Merkel Diktate gefallen lassen. Die Führungsmacht am Kontinent heißt jetzt Deutschland.
Kein Wunder, dass es in Fr gärt und aus den "Vorzeigeeuropäern" plötzlich wieder Nationalisten werden. Im Grunde waren sie es immer.

suedsee insulaner
 
00
14.1.2012, 13:42
Fremdsprachenkenntnisse?????

Wenn schon franz.zitieren,dann bitte aber richtig.
Da S. ja bekanntlich ein mann ist waere die richtige schreibweise " sal mec " und nicht " sale mec ".

Nelly Casali
00
14.1.2012, 14:51

"sale" ist m & f, monsieur!

chelene chirsch
00
14.1.2012, 14:20

es heisst auch "sale con" und nicht "sal con"... wie kommen sie darauf, das "e" fallenlassen zu können ?

siehe auch reuters, http://www.lepoint.fr/fil-info-... 22_240.php

Cuca Racha
 
00
14.1.2012, 11:26
Zustand Europas

Solange die angeblich demokratischen PolitikerInnen & Parteien Marionetten von Bankstern & SpekulantInnen sind, gewinnen die Naxxis.

Das ist katastrophal, aber anscheinend unabwendbar, ausser wir befreien uns vom Kapitalismus.

Alla riscossa!

obibiber
11
14.1.2012, 11:13
rubrik: heitere direkt-zitate :)

"Dieser hält sein Temperament auf einmal im Zaun"

relativitätstheologie
00
15.1.2012, 13:29

wer hier Rot vergab, dem ist Zaumzeug wohl ein Fremdwort

obibiber
00
15.1.2012, 19:53

...oder ein leseschwächen-besitzer...
...oder jemand, der den eigenen sekundären analphabetismus nicht im zaum halten konnte...

Hofer1002
00
14.1.2012, 11:09
Desto

länger sich die Rechten von einer Regierungsbeteiligung fernhalten desto mehr Stimmen bekommen sie bei den Wahlen.Und das ist Überall in Westeuropa so.Ursache dafür sind die völlig überforderten Politiker die derzeit Europa regieren.Fest im Würgegriff internationaler Konzerne und dem Finanzsektor wursteln sie sich von einer Wahl zur nächsten. Politiker die ganze Länder in den Bankrott getrieben haben geben noch lächelnd Interviews im TV und da wundert sich jemand das die Bürger Parteien wählen die laut Misstände aufzeigen und einfache Lösungen versprechen.Dass diese Parteien ihre Versprechern nicht halten werden ist klar. Aber wie es scheint gibt es keine wählbaren Alternativen mehr. Weit hat es Europa gebracht.

Liberaler Atheist
02
14.1.2012, 10:25
Es wird genauso enden...

...wie bei der Wahl 2002. Sarkozy ist heute zwar umstrittener als Chirac, aber der sozialistische Kandidat Hollands ist noch viel schwächer als damals Jospin. Da es ja gerade unter Arbeitern immer ein Potential für national-soziales Gedankengut gibt, könne es auf eine Stichwahl Sarkozy gegen Le Pen hinauslaufen.

andkos
00
14.1.2012, 11:32
genauso wird es kommen

die lepen wird hollande aus der stichwahl kicken und schlußendlich sind die leut doch ned so wahnsinnig, die ultrarechten zu wählen und sarkozy wird es wieder, so schrecklich das auch ist

Sand
01
14.1.2012, 10:23
Ich muss schon bitten

SchreckgespenstIN

dizzkutant
20
14.1.2012, 09:01
wer wird denn eigentlich die eu-sanktionen beschließen, ...

wenn europa in den kommenden jahren nach rechts driftet?

Johannes Benn
02
14.1.2012, 10:13
.

soweit ist es mit der demokratie gekommen, alles was nicht links ist verlangt sanktionen

Johannes Benn
1310
13.1.2012, 23:08
.

30 % prozent der franzosen sind mit dem FN einverstanden, man also davon ausgehen dass es etwa 50% der franzosen ohne migrationshintergrund sind. das sind gute zahlen. wenn dazu noch die stimmen der UMP nimmt die wohl auch mehrheitlich nicht gerade zuwanderungsfanatisch sind - so ergibt sich eine "breite gesellschaftliche allianz"

Der Zwersch
56
14.1.2012, 09:57

Feuchte Träume eines Rechtsknallers...

h 90
35
14.1.2012, 08:59

Das heisst das bereits 60 % der wirklichen Franzosen fuer FN sind. Es heisst aber auch, dass die wirklichen Franzosen die Politik nicht mehr bestimmen koennen.
Bei uns wollen die Gruenen Auslaenderwahlrecht.....

franz fröhlich
22
13.1.2012, 22:52
Würde mich wundern,

wenn Sarkozy in die Stichwahl kommt.
Der gehört - genauso wie Merkel - in die Geschichte entsorgt.
Sie haben (sich) genug geleistet.

Liberaler Atheist
00
14.1.2012, 10:26

Dafür ist Hollande zu schwach.

Blodtryck
45
14.1.2012, 00:47

Eine wie LePenn braucht Europa bzw. die EU im Moment (und überhaupt) aber noch weniger.

p c2
14
14.1.2012, 09:21

ganz im gegenteil.

wenn ich mir diesen korrupten und unfähigen haufen an bürokraten anschaue, dann wird's sogar allerhöchste eisenbahn

h 90
36
14.1.2012, 09:00

Wenn man sich die Alternativen ansieht ist LePen noch am vernuenftigsten.

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