Berlin - Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von
Unternehmen, Banken oder Staaten und sind damit äußerst
einflussreiche, aber auch umstrittene Akteure auf dem Finanzmarkt.
Dabei fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie
Brancheneinschätzungen. Die weltweit bedeutendsten Ratingagenturen
sind: Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.
Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Die
Skala beginnt beispielsweise bei Standard & Poor's und Fitch mit der
Bestnote AAA (Englisch: "Triple A"), bei Moody's mit Aaa. Es folgen
AA, A, BBB, BB, B, CCC, CC, C. Die meisten Stufen können mit Plus-
und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab BB+ beginnt der
spekulative Bereich, der auch "Ramsch" (englisch: Junk) genannt wird.
Die Skala reicht bis D, das bedeutet, dass ein Ausfall des
Schuldners, also die Pleite, eingetreten ist.
Eine mögliche Änderung des Ratings kündigen die Agenturen in aller
Regel über eine Veränderung des Ausblicks an. Dafür gibt es die
Stufen "positiv", "stabil" und "negativ".
Je schlechter die Ratingagenturen die Bonität eines Schuldners
beurteilen, desto teurer und schwieriger wird es für diesen, sich
Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls
ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur
Banken, sondern auch andere Investoren.
Die Agenturen sind allerdings umstritten. Sie wurden in der
Finanzkrise an den Pranger gestellt. Weil sie Ramschpapiere als
sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise
gegeben. In der Euro-Schuldenkrise gerieten sie wieder in die Kritik:
Politiker warfen ihnen vor, die Bonität hoch verschuldeter
Euro-Länder trotz milliardenschwerer Hilfspakete auf Ramschstatus
abgewertet und damit die Krise weiter verschärft zu haben. (APA)