"Warum haben wir sie nicht retten können?"

14. Jänner 2012, 18:30
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    foto: apa/ schlager

    Gedenkraum im Psychiatrischen Krankenhaus Baumgartner Höhe mit Gehirnpräparaten von Euthanasie-Opfern der Nationalsozialisten.

     

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    foto: standard / robert newald

    Melitta Breznik, geb. 1961 in der Steiermark, ist Ärztin und Schriftstellerin. Sie lebt und arbeitet als Fachärztin für Psychiatrie in der Schweiz. Von ihr erschienen Romane und Erzählungen, zuletzt "Nordlicht" (Verlag Luchterhand, 2009).

     

Gedanken zur Euthanasie im Dritten Reich: Die Ärztin und Schriftstellerin Melitta Breznik stellt sich persönliche Fragen zum Ausmaß von Schuld und Scham nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Erkenntnis, Enkelin einer Euthanasiepatientin zu sein, trifft mich mit einem Schlag an der Gedenkveranstaltung für die Opfer der Euthanasie im Dritten Reich beim Kongress der Deutschen Fachgesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) Ende 2010. Der Präsident der DGPPN entschuldigt sich im Namen der Nachfolgegesellschaft bei den Betroffenen, Angehörigen und Nachkommen, für das Leid, das den Opfern von Zwangssterilisationen und Euthanasie zugefügt worden war.

Vor Jahren habe ich in der eigenen Familie recherchiert und ein Buch mit dem Titel Das Umstellformat, ein Bericht über den Tod meiner Großmutter in der Psychiatrie im Dritten Reich verfasst. Während der Entschuldigungsrede wird etwas in mir angesprochen, das ich in der Form nicht wahrgenommen habe und das mich wütend und traurig macht. Ja es war so, meine Großmutter war schizophren und Opfer der "wilden Euthanasie". Ja, die Psychiater haben sie auf dem Gewissen. Und jetzt diese Entschuldigung. Ich bin Psychiaterin und Psychotherapeutin, und ich klage meinen Berufsstand an. Ich sitze in der zweiten Reihe des gut besetzten Hörsaals im Internationalen Kongresszentrum in Berlin und bin mit einem Mal die Enkelin meiner ermordeten Großmutter. Über sie war in der Familie immer geschwiegen worden. Es existierte nicht einmal ein Foto von ihr. Das bekam ich zum ersten Mal zu Gesicht, als ich gemeinsam mit meiner Mutter ihre Krankengeschichte im Dokumentationszentrum für Euthanasie im Dritten Reich in Hadamar aufschlug. Ich schäme mich beim Hören der Entschuldigung für meine Tränen, denn ich kann meine Traurigkeit und Wut nicht zuordnen. Ich fühle mich betroffen als Enkelin eines Opfers und als Nachfolgerin der Täter. Ich versuche die Gefühle zu benennen, die von mir Besitz ergreifen: Wut, Trauer, Scham.

Die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen im Zusammenhang mit den Zerstörungen, die der Krieg in familiären und gesellschaftlichen Lebensbereichen hinterlassen hat, beschäftigt mich als Psychiaterin und als Privatperson schon lange. Ich unternehme den Versuch, die eigenen Gefühle mit Bildern und Leitsätzen aus meiner eigenen Vergangenheit mit jenen der Familiengeschichte in Verbindung zu bringen, um so der Trauer, der Wut und der Scham, die von der letzten und vorletzten Generation weitergegeben wurden, einen Namen, ein konkretes Antlitz zu geben.

Anlässlich dieser Entschuldigung bei den Opfern der Psychiatrie wird mir bewusst, in welchem Ausmaß Schuld und Scham nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die deutsche und österreichische Nachkriegsgesellschaft geprägt haben. Die Trauer wurde verdrängt, die Wut war nicht zulässig. Trost und Ablenkung fanden die Menschen in Form einer materiellen Überdeterminierung, welche die Beziehungsgestaltung in den Familien bestimmte. Wozu die Beschäftigung mit den Themen des letzten Krieges in unseren Breiten nach bereits geleisteter Aufarbeitung in Anbetracht des aktuellen Leids in einer Welt, in der Katastrophen und Kriegsgräuel den Alltag bestimmen? 60 Prozent der heute auf diesem Erdball lebenden Kinder haben einmal in ihrem Leben bereits Kontakt mit bewaffneten Auseinandersetzungen gehabt. Die Forschung auf dem Hintergrund des Friedens seit 1945 über das Thema der Weitergabe von Kriegstraumata auf die nächste und übernächste Generation hat in den letzten Jahren im psychotherapeutischen Fachdiskurs wichtige Publikationen hervorgebracht. Vielleicht können deren Ergebnisse zur Friedensentwicklung und -erhaltung in anderen Weltgegenden langfristig beitragen?

Liegt im Mechanismus der Weitergabe von Traumata in Form von nicht immer klar zu definierenden Gefühlen die Unzerstörbarkeit des "Bösen", das sich fortpflanzt, wenn die Nachkommen der Opfer aber auch jene der Täter diese Energie nicht umzuwandeln verstehen? In meiner beruflichen Tätigkeit in einer psychosomatischen Klinik in Deutschland bin ich vermehrt auf diese komplexen Zusammenhänge in den Biografien der Nachkommen gestoßen. Ich war verblüfft über die Langzeitwirkungen in Form unbewusster Antriebe, welche die Lebensläufe der nächsten Generationen prägen können, wenn verschwiegene oder offen tradierte Täter- oder Opfergeschichten als Altlasten die "Melodien" in den Familien bestimmen.

Bezogen auf die Situation meiner in der Euthanasie ermordeten Großmutter taucht das Gefühl von Schuld ihrer Kinder und Angehörigen, also meiner Elterngeneration, in Form einer ständig wiederholten Formulierung auf. "Warum haben wir sie nicht vor dem Tod retten können?" Das Gefühl der Schuld ist von Dauer, und selbst bei allem vernünftigen Darüberreden und selbst mit der späten Erkenntnis, durch nachträgliche Einsicht in die damalige Krankenakte, alles damals Mögliche unternommen zu haben.

Schweigen der Nachkriegszeit

Wenn man das Gefühl der Scham betrachtet, liegt hier vielleicht eine weitergegebene Scham in Bezug auf die Tatsache vor, eine psychisch kranke Familienangehörige zu haben? Noch dazu eine Person, die an Schizophrenie litt, was sie im Dritten Reich als "lebensunwertes Leben" abqualifizierte. Betrachtet man die Scham auf mich als Enkelin bezogen, kommt hier zum Tragen, dass eine Anlage zur Geisteskrankheit in mir steckt. Muss ich mich meiner Großmutter schämen? Mir wurde klar, dass diese Gefühle von meinen Eltern übernommen worden waren. Sie sind in einer indoktrinierten Gesellschaft aufgewachsen, deren Haltung geprägt war von Ausgrenzungs- und Vernichtungsbestrebungen auch von psychisch Kranken.

Wenn ich nicht "zufällig" die Ausbildung zur Psychiaterin gewählt hätte, wäre Großmutters Schicksal unter dem Familienschweigen begraben worden? Was Großmutter nach ihrem Tod widerfuhr, ist beispielhaft für das Schweigen der Nachkriegszeit. Hier verbindet sich auf besondere Weise das Thema Schuld und Scham in den Familien. Warum hat sich so lange keine Lobby für die Forderung um Wiedergutmachung für diese Opfer gebildet? Hat sich das Gefühl, kein Recht darauf zu haben, weil es sich um "minderwertiges Leben" handelte, auch in die nächste Generation weitervererbt? Wen anklagen? Was passiert mit der Energie der Trauer und Wut, die sich in der zweiten Generation als umgekehrte Fortführung an die Schuld und Scham von damals anschließt?

Wohin führt uns der Umgang mit knapper werdenden Ressourcen in der heutigen Zeit? Überblicken Politiker und Ethiker die Folgen moderner medizinischer Forschung? Haben wir aus der Geschichte gelernt? Die Grenzüberschreitungen in der Medizin sind nicht spezifisch für die Zeit des Nationalsozialismus, sondern lediglich eine extreme Manifestation von Potenzialen, die in der modernen Medizin und ihrer Forschung generell angelegt sind.

Die Abtreibungen von Kindern mit Trisomie 21, als Folge genetischer Diagnostik, wird uns im nächsten Jahrhundert nur mehr aus den Büchern Kenntnis über mongoloide Kinder vermitteln. Können wir uns diese "pflege- und kostenintensiven" Menschen nicht mehr leisten? Ist das herzliche Lachen eines Menschen mit geistiger Behinderung in Zukunft unerwünscht?

Gedanken zur sogenannten "Erbgesundheitspflege" hatten die Psychiater und Juristen bereits vor 1933 beschäftigt. Das Klima für derartige Schriften war in den ökonomisch schwierigen Zeiten nach dem Ersten Weltkrieg bereit für solche Ideen. Sind diese geschichtlichen Zusammenhänge und die Gefahr der Verknappung der Mittel Ärzten von heute bewusst? Wir befinden uns in der westlichen Welt in einem Zeitalter der abnehmenden Prosperität. Eine "Zwei-Klassen-Medizin" hat sich in den letzten Jahren bereits entwickelt.

Zur Erhöhung der ökonomischen Ressourcen hat sich seit einiger Zeit die Ausbeutung des Menschen auf einem von ihm selbst gutgeheißenen Plan vollzogen, in dem das Individuum freiwillig Arbeitsleistungen erbringt, die ein gesundes Leben verunmöglichen, ihm aber die Teilhabe am Luxus sichern. Die Einteilung der Arbeits- und Freizeit in Kleinzeiteinheiten, die Verwischung der Grenze zwischen Freizeit und Arbeit und die Kontrolle durch die digitalen Kommunikationsmittel werden durch scheinbar hohe Einkommen belohnt, die viele dafür gebrauchen, sich noch mehr elektronische Kontrollgeräte anzuschaffen. Warum lassen viele das mit sich machen und sind noch stolz darauf? Selbst in den Spitälern und Praxen herrscht die digitale Kontrolle, die es immer mehr verunmöglicht, sich dem zuzuwenden, der uns eigentlich braucht, dem Patienten. Angeblich ist der Arzt selbst das beste Medikament, das jedoch immer seltener eingesetzt wird. Warum gehen die Ärzte und Patienten nicht schon längst auf die Straße?

Die schleichende Akzeptanz von Strömungen, die, provokativ ausgedrückt, "dem Zeitgeist" verhaftet sind, ist etwas, das die Humanmedizin immer vor Herausforderungen gestellt hat. Vor allem die Psychiatrie bewegte sich mit der Behandlung ihres per se "auffälligen" Krankengutes als unbeobachtete Ordnungshüterin jener Gesellschaft, in der sie gerade angesiedelt war. Im Dritten Reich wurden Ärzte verpflichtet "Erbkranke" gegenüber den Behörden anzuzeigen. Wäre den Behörden nicht ein Fehler unterlaufen, würde ich nicht als Enkelin einer "Erbkranken" im Hörsaal sitzen und diese Entschuldigung entgegennehmen.

Und doch. Worte der Entschuldigung können versöhnen, sie können etwas öffentlich machen und Genugtuung verschaffen, und sie haben mir die Auseinandersetzung mit meinen eigenen Gefühlen ermöglicht. Und sie haben mich über die Gefahren nachdenken lassen, mit denen sich der Berufsstand der Ärzte zu allen Zeiten auseinandersetzen muss. Ich frage mich, ob in der Gesundheitspolitik nicht bereits etwas unbeobachtet von allen Beteiligten außer Kontrolle geraten ist.

Ende 2011 wurde eine Internetplattform zum Gedenken an die Opfer der Euthanasie eingerichtet: www.gedenkort-t4.eu.

Ja es war so, meine Großmutter war schizophren und Opfer der "wilden Euthanasie". Ja, die Psychiater haben sie auf dem Gewissen. Und jetzt diese Entschuldigung.  (Melitta Breznik  / DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.1.2012)

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Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 178
1 2 3 4 5
dwarfdarf
00
18.1.2012, 11:01
Ausstellung

Derzeit läuft eine sehenswerte Ausstellung zum Thema "NS-Euthanasie im Burgenland" an der Bibliothek für Zeitgeschichte am Campus/Altes AKH.

theWatcher14
30
16.1.2012, 12:45
Sehr bezeichnend...

...sind immer die Postings in denen beteuert wird, man könne nichts dafür, man war damals noch nicht geboren. Ist ja technisch nicht unrichtig, allerdings ist es diese Einstellung, die unserem Land ein Übermass an rechtsradikalen Einwohnern beschert.
Ich bin Jahrgang 61 und somit sicher nicht persönlich verantwortlich. Allerdings sehe ich hier eine Art Kollektivschuld, da mein Volk, meine Leute diese Verbrechen begangen oder zumindest gefördert haben. Ich stehe zu dieser Schuld, denn nur so bin ich in der Lage eine neue Entwicklung in diese Richtung zu erkennen und ggf zu bekämpfen.

urban_overload
11
16.1.2012, 22:03
"kollektivschuld"

seien'S mir nicht böse, aber das ist schon ein bisserl gar viel blödsinn. wenn SIE sich schuldig fühlen wollen - bitte, nur zu. es hindert sie keiner daran. aber verlangen sie es nicht von anderen.

und nein, ich bin kein rechtsrechtes nazischwein. ich finde es überaus grausam, was damals passiert ist und finde auch, dass dies nicht vergessen werden darf. weiters finde ich, dass in den schulen viel mehr aufklärung zu diesem thema stattfinden sollte (in meiner AHS wurde das thema sehr lange und intensiv durchgenommen, aber da waren wir, denke ich, eine ausnahme).

ganz klar spreche ich mich jedoch gegen die von ihnen propagierte sippenhaftung aus.

theWatcher14
20
17.1.2012, 10:37
urban

Sie können sich aussprechen wogegen Sie wollen. Ich habe meiner Einstellung zu diesen Dingen Ausdruck verliehen, was Sie davon halten interessiert mich nicht mal peripher.

Helmut Hromadnik21
 
02
15.1.2012, 19:10
........."Euthanasie-Opfer: "Warum haben wir sie nicht retten können"........

Ein ganzes volk war damals auf eine ideologie ausgerichtet, deren oberste instanz der f§hrer war. Es lässt sich etwa vergleichen mit den verhältnissen, wie sie heute in nordkorea herrschen. Ich habe diese zeit als kind miterlebt. Es gab zwar wenige menschen, die gegner des systems waren, aber aus furcht um das eigene leben schwiegen.
Ich habe miterlebt, wie auf der spitze des christbaums eines freundes ein ha§enkreuz prangte.
Um eine solche ideologie am leben zu erhalten, sind unbedingt feindbilder nötig. In Ö waren dies die ju*en.
Heutzutage ist wieder mit großem erfolg eine ideologie am enstehen, deren feindbilder die ausländer sind. Die menschen wünschen sich eine fü§re*gestalt, von der sie sich die lösung aller probleme erwarten.

planetplay
00
16.1.2012, 15:45
dazu möchte ich sagen

dass faschistoide geisteshaltungen kein österreichisches spezifikum sind.

grundsätzlich gebe ich ihnen recht, es bedarf eines entwickelten bewusstseins und einer gewissen lebenserfahrung, um menschenverachtenden wesenszügen, die in uns allen von geburt an vorhanden sind, entgegenzutreten.

das ist unsere verantwortung, damit sich die geschichte nicht wiederholt. deshalb ist es so wichtig, eben keinen schlussstrich unter die vergangenheit zu ziehen.

Helmut Hromadnik21
 
01
15.1.2012, 21:22

Ich habe leider vergessen (eigentlich unverzeihlich!) die märtyrer zu erwähnen, die ihr leben gaben, weil sie sich selbst treu blieben: franz jägerstetter, die geschwister scholl, kommunisten und andere gruppen im widerstand.

Helmut Hromadnik21
 
00
15.1.2012, 21:12
.......... In Ö waren dies die ju*en.".......

KORREKTUR:....." im tausendjährigen reich waren dies die j*den"......

tignosa
00
15.1.2012, 23:37
Sie können ruhig "Juden" schreiben, das ist kein Schimpfwort (mehr, zu der von Ihnen beschriebenen wars wohl eins)

aber sie waren nicht die einzigen Feindbilder. Menschen mit Behinderungen zählten zB auch dazu.

Helmut Hromadnik21
 
02
16.1.2012, 08:14

Sie haben recht, NUR, ich bin vorsichtig geworden, nachdem eine anzahl postings von mir nicht erschien, wo ich bestimmte wörter ausgeschrieben hatte.
Ich nehme an, dass es beim standard ein programm gibt, das nach gewissen schlüsselwörtern sucht. Werden solche gefunden, dann wird der text von einem zensor angesehen. Wenn dem zensor der text nicht passt, erscheint das posting nicht. Da es nicht immer der gleiche zensor ist, kommt ein posting manchmal durch und manchmal nicht.

theWatcher14
00
16.1.2012, 12:29
hromadnik

Ja, leider ist es so, derStandard stellt sich damit in ein sehr problematisches Eck.

planetplay
00
16.1.2012, 15:55
das denke ich auch

man muss postings nicht zensieren, weil besonders unqualifizierte meinungen sich selbst disqualifizieren.

Mob Barley
00
15.1.2012, 18:16

Aus der jetzigen Zeit heraus lässt sich's leicht anprangern u großmaulen.

Ich denke der kleinste Teil der damaligen Bevölkerung waren überzeugte Nazis - die Meisten waren, ebenso wie die Meisten es heute sind, hoch unpolitisch.
Und beim Fall des Aufmuckens war man sehr schnell einen Kopf kürzer - da überlegt man sichs bald mal, ob man nicht einfach mitschwimmt.

Wenn es so ein totalitäres System nochmals schaffen würde sich zu etablieren, wäre ein große Zahl der ganzen Plauderer die auf die ältere Generation mit dem Finger zeigt, genauso stumm dabei - ganz besonders in Österreich!

theWatcher14
00
16.1.2012, 12:32
Barley

Ja und nein. Daß nur der kleinste Teil der Bevölkerung Nazis waren ist Unsinn. Selbst heute haben wir in diesem Land einen enormen Nazianteil.
Aber es stimmt natürlich, daß man in einem totalitären System sehr, sehr mutig sein muss, um dagegen anzugehen.

Mob Barley
00
18.1.2012, 21:13

Ich sehs ein wenig anders:
Nazi zu sein bedeutet Nationalsozialist zu sein.
Ich bezweifle dass die große Masse sich mit der Ideologie wirklich befasst hat. Sie war - ebenso wie heute - hochgradig unpolitisch u desinteressiert.
Auch "Mein Kampf" hatte eigentlich kaum wer gelesen, auch wenn es in vielen Haushalten rumgelegen ist.
Hauptsächlich funktionierte das alles über die "niederen" Instinkte der Menschen.
... ebenso wie sehr vieles auch heute noch über diese Schiene läuft.

Erwin Wolfram
00
15.1.2012, 17:56
...

... weil es heute noch genauso zugeht und sich die Taeter in den Medien damit ruehmen und die Gerichte sie freisprechen?

lorenzarthur91
00
15.1.2012, 17:51
ich finde es

eigentilch ziemlich bizarr, dass sich in unserer gesellschaft, die doch sonst so (zumindest in intellektuellen kontexten) sensibel mit sprache umgeht, der begriff "Drittes Reich" für "Nazi-Diktatur" erhlaten hat. ich mein das ist circa so, als würden wir von dessen bewohnern noch als "arier" sprechen. auch der begriff "euthanasie" ist bedenklich, hieß er doch zunächst nur "sterbehilfe" und wurde von den nazis verwendet, um dem t4-programm einen euphemistischen titel zu geben.

FabulousX
01
15.1.2012, 17:46
Haben wir uns schuldig zu fühlen?

Nein, niemand von uns hatte irgendwas mit der Zeit zu tun oder Einfluss auf die damaligen Ereignisse.

Der einzige Grund, warum man den Nationalsozialismus weiter thematisieren sollte, ist als abschreckendes Beispiel für jetztige und kommende Generationen um anderen Menschen möglicherweise so ein Schicksal zu ersparen.

CyberCop
22
15.1.2012, 17:08
"Warum haben wir sie nicht retten können?"

vielleicht weil wir damals noch nicht gelebt haben?

Luis.M
00
15.1.2012, 17:44

Diese Frage bezieht sich auch nicht auf "uns", sondern diese Frage haben sich die Kinder und andere Angehörige der im Artikel beschriebenen Großmutter gestellt. Und diese Kinder und Angehörigen haben damals, als die Großmutter ermordet wurde, gelebt. Die Frage, warum sie sie nicht retten konnten, hat die Hinterbliebenen natürlich ein Leben lang beschäftigt und ist mit Schuldgefühlen verbunden. Um diese Schuldgefühle und ihre Folgen geht es hier, nicht darum, dass sich jemand, der zu dieser Zeit noch gar nicht geboren war, pauschal schuldig fühlen soll.

salzamt1
01
15.1.2012, 16:30
ich habe den Eindruck, dass viele den Artikel nicht richtig gelesen haben und sich jetzt aufpudeln

sie schreibt nirgends, dass sie sich schuldig fühle. sie schreibt allerdings, dass Kollegen vor ihrer Zeit gemordet haben. Es ist aber wieder einmal typisch, dass man sich darüber aufregt, sobald jemand mit der Aufarbeitung der NS- Verbrechen beginnt. Die können ohnehin nicht "bewältigt" werden, wichtig ist es, zu einem verantwortungsvollen Umgang zu finden und die Wiederholung zu vermeiden. Typisch ist auch: Die Opfergruppe der so genannten "Euthanasieopfer" rang lange Zeit um Anerkennung, die erst vor kurzem gekommen ist. Das Gedankengut der "Eugenik" mit all seinen Konsequenzen ist nach wie vor weit verbreitet. Siehe auch Spätabtreibungen bei zu erwartender Behinderung. Dass sie diesen Bogen spannt, daran ist NICHTS verwerflich.

Max Carlo
14
15.1.2012, 15:50

Der Hang zum Faschismus ist leider bei den Österreichern eine seltsame Eigenart. Gerade die Österreicher haben sich bei den schlimmsten Verbrechen während dieser Zeit überproportional hervor getan.

Helmut Hromadnik21
 
01
15.1.2012, 21:41

Und nach 1945 waren die mehrheit plötzlich gegen hitler und völlig unschuldig, denn h*tler hatte österreich ja überfallen!

Ähnlich in der DDR ! zu honeckers zeiten waren die meisten brave ko**unisten. Nach der wende, sah es plötzlich ganz anders aus! Rechtsradikale treiben ihr unwesen. MERKEL die ehemalige FDJ (freie deutsche jugend) funktionärin, gehört heute zu den erzkonservativen und hat neben dem konservativen sarkozy das sagen in der angeblich demokratischen EU!

h 90
00
16.1.2012, 02:59

Ja die die zuerst am lautesten HEIL oder Freundschaft (oder was auch immer man im Bauern- u. Arbeiterparadies so geschrien hat) schreien, sind danach die aktivsten Widerstandskaempfer gewesen und fallen sofort wieder auf die Butterseite des politischen Lebens.

Mob Barley
01
15.1.2012, 17:35

Selber-Denken u Auflehnung hat bei uns einfach keine Tradition.
Weil wir an sich ein duckmäuserisches Volk sind dass einen Hang zum vorauselenden Gehorsam hat.

Und wenn wir dann mal die Stärke vom Großen Bruder im Rücken haben ...

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