Einige Abgründe der Seele

13. Jänner 2012, 18:12

Bei den vielen einschlägigen Abgründen ist das gar nicht leicht - Beginnen wir mit dem Abgrund Fellner

Heute einmal ein Blick in die Abgründe der menschlichen Seele. Bei den vielen einschlägigen Abgründen ist das gar nicht leicht. Beginnen wir mit dem Abgrund Fellner. In dessen "Österreich" war Mittwoch auf Seite 1 in Balkenlettern zu lesen: Afrikanerin zersägt ihren "Besitzer". Darüber: Er kaufte sie um 3.000 Euro. Darunter die Präzisierung: Grauenhafter Mord in Wien. Ein Früh-Rentner (56) wurde von seiner jungen Ehefrau (36) totgeprügelt und angezündet.

Was jetzt? Zersägt, totgeprügelt und/oder angezündet? Genaueres dazu wurde im Blattinneren zum Thema des Tages erhoben, und da kam endlich die Wahrheit an den Tag. Afrikanerin zersägt diesen (Pfeil nach links) Straßenbahner. Untertitel: Frau prügelte den Ehemann tot. Für "Österreich" war das nicht nur das bizarre Ende einer bizarren Ehe, sondern eine Geschichte, die viel Stoff für Thriller-Drehbücher birgt, die sich auch mit den Abgründen der menschlichen Seele beschäftigen. Damit kennt man sich im redaktionellen Abgrund journalistischer Seelen aus, weshalb es an wesentlichen Details nicht fehlte. Das Opfer Harald K. Der 56-jährige Ex-Mitarbeiter der Wiener Linien war seit einem Jahr in Frühpension.

Was uns das Blatt mit diesem Blick in die Abgründe der menschlichen Seele sagen wollte, war offenbar, dass man den Kampf gegen die Frühpensionen nicht Afrikanerinnen anvertrauen, sondern der Regierung überlassen sollte. Dass das Zersägen von Straßenbahnern nicht der richtige Weg ist, dürfte auch der Afrikanerin eingeleuchtet haben, wenn man der ausgewogenen Berichterstattung von "Österreich" glaubt: Mit einer Säge wollte sie die Unterschenkel abtrennen, schaffte es aber nicht - eine Unentschlossenheit, die kein gutes Licht auf die Einstellung der Täterin zur freien journalistischen Berufsausübung wirft, wo doch die Wahrheit nun einmal im Titel steht: Afrikanerin zersägt.

Aber doppelt hält besser. Harald K. wurde totgeprügelt. Die mutmaßliche Täterin, die zu diesem Zeitpunkt auf der Flucht war: seine Ehefrau Sarah, die danach versuchte, den Mord auf bestialische Weise zu vertuschen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Vielleicht verfügen Afrikanerinnen über die Gabe der Bilokation, anders wäre es schwer zu erklären, wie sie ihren Mann totprügelt, zu diesem Zeitpunkt auf der Flucht ist, und ihre Tat danach auf bestialische Weise zu vertuschen versucht. Daher nur logisch: Es gilt die Unschuldsvermutung. Auch für den zersägten Straßenbahner. Denn am Schluss wurde die wiederholte Tatsachenfeststellung, er kaufte sie um 3.000 Euro, als das ärgste Gerücht deklariert. Das könnte sich noch klären. Schon jetzt klar ist: Für "Österreich" gilt die Unschuldsvermutung eher nicht.

Seelisch Abgründe müssen sich am 6. September 2009 auch in einem gewissen Günther L. aufgetan haben, wenn man dem "Kurier" vom Donnerstag glaubt. Ausgerechnet im stillen Gebet vor einem Marterl neben einer Kirche, in der gerade die Messe gelesen wurde, schlug für Günther L. das letzte Stündlein. Die Bildsäule Nummer zwei im Kreuzgang der Pfarre Weinhaus in Wien-Währing stürzte um und erschlug den 45-Jährigen.

Büßen sollten dafür vor Gericht der Pfarrer und der gesamte Pfarrgemeinderat. Aber der HERR ist dabei, ein Wunder zu organisieren, im Interesse von Pfarrer und Pfarrgemeinderat, aber ein wenig zu Lasten des im stillen Gebet Erschlagenen. In der Verhandlung am Mittwoch (dieser Woche) gab es eine überraschende Wende. Und niemand wäre davon überraschter als Günther L. Jetzt hätte er erfahren können, dass er, anders als im "Kurier" ergreifend geschildert, vor mehr als zwei Jahren gar nicht im stillen Gebet von einem baufälligen Marterl erschlagen wurde, sondern dass sein letztes Stündlein ganz anders verlief: Ein als Zeuge befragter Polizeijurist, der nach dem Unglück am 6. September 2009 die Erhebungen geleitet hatte, ließ mit Hinweisen auf einen möglichen Selbstmord aufhorchen. Er berichtete, dass der Mann Kratzer an den Händen hatte und massiv an dem Marterl gezerrt haben müsse. Also kein stilles Gebet, sondern im Gegenteil, Selbstmord durch Marterlumstürzen zum Zwecke der Erdrückung? Aus christlicher Sicht ein doppelter Gräuel und somit ein besonders tiefer Blick in die Abgründe der menschlichen Seele. Wenigstens hat er sich nicht selbst zersägt.

Damit wären die elf Beschuldigten (Verteidigung Herbert Eichenseder, Peter Philipp) aus dem Schneider. Aber noch hat das stille Gebet des "Kurier" eine Chance: Es wurde vorerst vertagt. (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 14./15.1.2012)

Der Ex-Wiener Linien Mitarbeiter Harald K. ging laut Artikel mit 55 in Frühpension.

Da Österreich im EU Vergleich einen erschreckend hohen Anteil an Frühpensionierungen hat, dürften offensichtlich der Durchschnitt der Österreicher dieser Altersgruppe viel kranker sein als der Durchschnitt der Europäer dieser Altersgruppe.

Daher würde mich interessieren, welche Krankheit das im Artikel genannte Opfer hatte um mit 55 in Pension zu gehen und ob diese Krankheit einen Bezug zur im Artikel genannten Tat hatte.

"Frühpension bringt Straßenbahner um."

Diabetes.

Danke für die Info!

rotes Stricherl?

da hat offensichtlich jemand was dagegen, dass ich mich für die Info bedanke... ;-)

Danke für die amüsante Seelenwanderung

durch den Blätterwald...!

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ad Marterl"umsturz":

allein für das vorbringen eines solchen "hinweises" würde in den USA dem winkeladvokaten die lizenz entzogen. aber hier bringen die herren Juristen ja alles (in ihren kranken hirnen) denkmögliche als beweisantrag vor.

und die meisten richter finden das auch noch lustig und sind froh, in dubio pro reo entscheiden zu können.

es wird zeit, dass sich nicht nur der europarat diesen schurkenstaat zur brust nimmt! - EULEX vom Kosovo nach Österreich!

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