Sarkozy und Hollande setzen auf eine Blitzkampagne gegen Ende des Wahlkampfes
Fast wehmütig denken Frankreichs Politiker an Jean-Marie Le Pen. Der Rechtsextremist war zwar ein Schreckgespenst, mit dem die Bürger den etablierten Parteien und Politikern gerne Angst einjagten, aber der Rohling trug zu dick auf, um jemals wirklich Wahlchancen zu haben. Da er nicht einmal ein Wirtschaftsprogramm hatte, das diesen Namen verdiente, wollten ihn die Franzosen auch nie wirklich im Élysée-Palast - selbst 2002, als ihn die Wähler zum Schrecken aller in die Stichwahl schickten: Schließlich wählten sie Jacques Chirac brav mit mehr als 82 Prozent wieder.
Tochter Marine Le Pen gibt sich gemäßigter, salonfähiger - und ist damit weit gefährlicher als Papa, der Polterer. Die neue Präsidentschaftskandidatin des Familienunternehmens Front National bezifferte diese Woche sogar den ökonomischen Teil ihres Wahlprogramms, was der "Alte" nie geschafft hatte.
Dagegen wollen oder können Amtsinhaber Nicolas Sarkozy und sein sozialistischer Herausforderer François Hollande hundert Tage vor den Präsidentschaftswahlen nicht angeben, wie sie ihre Wahlversprechen finanzieren. Beide setzen auf eine Blitzkampagne gegen Ende des Wahlkampfes. Mit dieser Taktik hoffen sie die Gegner im Sprint zu überrennen. Erst langsam scheint ihnen aufzugehen, dass sie selbst überholt werden könnten - von einem Schreckgespenst, das langsam reale Konturen annimmt. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.1.2012)