In Zukunft wird es immer regnen

13. Jänner 2012, 17:42
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Forced Entertainment mit "Tomorrow's Parties"

Wien - "In Zukunft wird es immer regnen", heißt es an einer Stelle im Erzähltheater Tomorrow'sParties der Gruppe Forced Entertainment. Das wäre zwar sehr betrüblich, aber nicht das Schlimmste, was sich die aus Sheffield stammenden Performer für die Zukunft unseres Planeten ausgedacht haben. Es könnte auch sein, dass es dann keine Tiere mehr gibt oder kein Essen, oder die Welt wird insgesamt zu einem großen Themenpark mit dem Motto Mittelalter.

Es könnte uns aber auch eine Zukunft ohne Landesgrenzen bevorstehen, ohne Kriege oder gar ohne Rassen und Geschlechter, oder aber es wird in dieser Zeit gar nur mehr fünf Menschen geben, die auf den Kontinenten verteilt für sich leben.

Solche Gedanken über außerordentliche Zukunftsszenarien, für die üblicherweise das Science-Fiction-Kino möglichst glaubhafte Bilder kreiert, werden von den beiden Darstellern nur an- bzw. ausgesprochen.

Claire Marshall und Robin Arthur spinnen die Zukunftsvisionen als beschauliches Erzähltheater fort, in dem eine Idee auf die andere antwortet. Das Weiterführen der Gedanken kommt somit einem Dialog gleich, in dem einseitige Fantasien (etwa zu Ungunsten von Männern bzw. Frauen) gleich von neuen Fantasien verdrängt werden. Oder tendenziell hoffnungslose Visionen von erfreulicheren aufgefangen werden. In dieser aus Improvisationen entstandenen Dramaturgie drückt sich die geradezu kindliche Freude an der Unendlichkeit solcher Zukunftsvorstellungen aus. Die Fülle an selbst ersonnenen Möglichkeiten breitet sich wie eine Gute-Nacht-Geschichte für Erwachsene über das Publikum im Brut-Theater.

Keine Endzeitstimmung

Mag die Welt auch in zwölf Monaten untergehen, Forced Entertainment spielt da nicht mit. Denn bezeichnenderweise evoziert der kleine Theaterabend keinerlei Endzeitstimmung. Er implementiert seine Ideen locker in einem Gedankensog, der das spielerische Element des anarchischen Erfindungsreichtums hervorhebt, herausgearbeitet und interpretiert durch die jeweilige Modulation der Sätze ("In the future there will be ... or there will be ...").

Damit fokussiert Forced Entertainment ganz den Sprechakt, den hier eine einfache Bühne einfasst: Claire Marshall und Robin Arthur stehen auf zwei alten, verwitterten Holzpaletten; rückwärtig begrenzt eine Kette aus bunten Glühbirnen im Halbkreis den Raum. Dieser behauptet einen Ort zwischen Party und Billigbühne, in dessen Zentrum zwei Menschen, frontal zum Publikum gerichtet, mit lediglich beiläufigen Gesten sich auf die einfachste Form des Erzähltheaters besinnen.

Damit werden Forced Entertainment ihrem guten Ruf als Hochpräzisionsarbeiter erneut gerecht. Die Gruppe, zuletzt etwa für ihre live vokalisierte Graphic Novel Void Story (Tanzquartier sowie Steirischen Herbst) gerühmt, hält auch nach fast schon dreißig Jahren (gegründet 1984) ihren Kurs. Das stete Niveau sollte man ihnen hoch anrechnen.   (Margarete Affenzeller/ DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.1.2012)

 

14. 1., 20 Uhr

  • Claire Marshall und Robin Arthur fantasieren, wie es in der Zukunft hier auf Erden sein könnte.
    foto: hugo glendinning

    Claire Marshall und Robin Arthur fantasieren, wie es in der Zukunft hier auf Erden sein könnte.

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