Archäologie

Getreidesaft der Sumerer war womöglich doch kein Bier

13. Jänner 2012, 17:41
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    foto: m. nissen

    5.000 Jahre alte Tafel aus Mesopotamien mit Proto-Keilschrift. Als eines der ältesten Schriftzeugnisse der Erde enthält sie Berechnungen der zur Herstellung verschiedener Getreideprodukte - darunter verschiedener Sorten Bier - erforderlichen Ausgangsmaterialien.

Trotz Hymne auf die sumerische Biergöttin Ninkasi: Ein Wissenschaftshistoriker bezweifelt bisherige Theorien

Berlin/Wien - "Du bist es, die das Bierbrot im großen Ofen bäckt (...) Du bist es, die das Malz in einem Krug aufquellen lässt; die Wogen steigen, die Wogen fallen. (...) Ninkasi, du bist es, die das gefilterte aus dem Auffanggefäß holt, es ist wie der Ansturm des Tigris und des Euphrat." Diese poetischen Worte stammen aus einem 3.800 Jahre alten Text, der als die erste Hymne auf das Bier und die sumerische Biergöttin Ninkasi gilt.

Dass bereits im alten Mesopotamien Getreidesaft ein beliebtes Getränk war, ist durch archäologische Funde von Keilschrifttafeln und Überresten verschiedener Gefäße gut belegt. Was aber außer den beiden Basisingredienzien Gerste und Emmer - einer Weizenart - damals in den Tonkrügen gärte (wenn überhaupt), ist weitgehend unbekannt, macht der deutsche Wissenschaftshistoriker und Keilschriftexperte Peter Damerow nüchtern klar.

In seinem letzten Text, der dieser Tage im "Cuneiform Digital Library Journal" publiziert wurde, äußert der im November verstorbene Damerow große Zweifel, ob das in der Antike höchst populäre Gebräu überhaupt ein Bier gewesen sein könnte. Dadurch gerät aber auch die verbreitete Theorie ins Wanken, wonach die Braumeister Mesopotamiens gebackenes Fladenbrot aus Gerste oder Emmer in ihre Maische gebröckelt haben.

Sehr wenig rezepttauglich erschien Damerow jedenfalls in seinem Text, dass die Menge der Rohstoffe, die den Brauern von der zentralen Gemeingutverwaltung zugeteilt wurden, in einigen Fällen über Zeiträume von zehn Jahren unverändert blieb. Auch die "Hymne an Ninkasi", aus der eingangs zitiert wurde, liefert nach Damerows Auffassung keineswegs verlässliche Informationen über die Bestandteile und Abfolge des Brauvorgangs. Beispielsweise fehlt die Angabe, wie das Keimen des Getreides zum richtigen Zeitpunkt gestoppt wurde.

Entsprechend seien auch "erfolgreiche" Nachbrau-Experimente von Archäologen der Universität München mit Vorsicht zu genießen. Damerows skeptische Schlussfolgerung: "Angesichts der begrenzten Kenntnisse über die sumerischen Brauprozesse wissen wir nicht einmal sicher, ob das Endprodukt überhaupt Alkohol enthielt." Womöglich sei es dem osteuropäischen Brottrunk Kwas ähnlicher als einem Pils oder Weißbier. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.1.2012)

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Posting 1 bis 25 von 46
1 2
Zinsenfeger
04
15.1.2012, 18:10
so ein Spielverderber!...

NONE
20
17.1.2012, 15:59

Naja - es ist aber wichtiger herauszufinden ob eine Behauptung korrekt war oder nicht.

Jetzt heisst es für die Verfechter der alten Biertheorie das sie ihre Argumente überdenken müssen.

O5
11
15.1.2012, 14:45

Vielleicht ist die Hochkultur zugrundegegangen weil sie sich dummgesoffen haben? Dasselbe Phänomen kann man ja in vielen europäischen Ländern beobachten.

Sitacui
04
15.1.2012, 11:39

Um solche Diskussionen in der Zukunft überflüssig zu machen, sollte man jetzt eine Lebensmittel-Sammlung im ewigen Eis anlegen. Hätte man schon sollen, als es noch die kleinen grünen und blauen Bensdorp-Schokoladen und das echte Fanta gab. Unsere Kinder wissen schon nicht mehr, was wir gegessen haben.

ulli52
 
00
25.3.2012, 06:09
jetzt fällts mir wieder ein,

wenn man genug bensdorpschleifen gesammelt hatte, bekam man gratis etliche schokoladen und so weiter...

NONE
00
17.1.2012, 16:00

Stimmt... jetzt fällt mir auf...

Bensdorp hab ich schon lange nicht mehr gesehen :(

Und auch der Almdudler schmeckt nicht mehr so wie ich das in Erinnerung hatte. Ich mag zwar Süsses, aber der Almdudler schmeckt so eigenartig komisch, ich könnte schwören das die an der Rezeptur etwas verändert haben.

Roter Baron
12
15.1.2012, 10:24
ist doch egal, der fusel hat ihnen offensichtlich geschmeckt

roman g
 
04
15.1.2012, 04:39
"Womöglich sei es dem osteuropäischen Brottrunk Kwas ähnlicher als einem Pils oder Weißbier."

Klar konnte dieses gebräu mit einem (per definition) untergärigen (d.h. kalt(!) gegärten), hellen, klaren und gehopften pils ganz sicher nichts zu tun haben. Um zu dieser tollen erkenntnis zu gelangen braucht man kein keilschriftexperte zu sein.

Jedoch tät mich interessieren, inwieweit man den trunk mit einem lambic vergleichen könnte.

Bagaude
01
14.1.2012, 19:08

Dann ist ja die Metahistorie "Vom Jagen und Sammeln zum Saufen und Gammeln" ja vielleicht doch falsch. Dabei hatte ich mich schon so daran gewöhnt, die Sumerer sympathisch zu finden.

Zarathustra
00
15.1.2012, 01:14

Naja, wenn man Josef H. Reichholf ("Warum die Menschen sesshaft wurden") war Saufen (Bier) der Hauptgrund für die Sesshaftigkeit.

Bagaude
00
16.1.2012, 10:22

Reichholfs Theorie war bislang schon alles andere als unumstritten, und sollte das mit dem mangelnden Alkoholgehalt des Bieres stimmen, dann fällt sie vollständig.

MagnaMater
00
13.4.2012, 20:46

Ich muss allerdings beim selber sauerteig-machen feststellen: wasser+roggenmehl anrühren und dann eine woche kühl stehen lassen ergibt (wenn's nicht inzwischen schimmlig wird) fast immer alkohol.

MagnaMater
00
13.4.2012, 21:17

leut, die sowas schreiben, backen nicht selber brote und kochen auch sonst nicht mit rohgetreide. Alkohol passiert beim getreidebrei herstellen einfach, und wenn man noch angematzte früchte rein gibt, doppelt so schnell. Sogar eine harmlose gerstlsuppe kippt nach fünf tag im kühlschrank um.
Seßhaftigkeit ist keine voraussetzung für wildgetreideernten und alkoholherstellung: regenwasser und ein mit lehm abgedichteter oder sauber abgeschabter haut ausgelegter korb reicht völlig, um einen getreidebrei zum gären zu bringen, man braucht nur eine woche am selben ort; wenn's genug wild in der gegend gibt, muss man obendrein nicht täglich weiter ziehen, da kann man monate lang bleiben. Ob leichter getreidealk jetzt bier heisst, ist haarspalterei.

ma-cher
 
06
14.1.2012, 14:57
Die Vergangenheit war womöglich doch anders,

als sie in den jeweiligen Gegenwarten interpretiert wurde.

Bagaude
10
14.1.2012, 19:04

Saussure, Derrida, Foucault oder White?

ma-cher
 
02
14.1.2012, 20:15
Alltagserfahrung

RegallageR
00
21.1.2012, 12:40

den kenn ich gar nicht
:p

Bagaude
30
14.1.2012, 23:55

Hmmm, ob ich das jetzt glauben soll, dass Sie ganz von alleine, so völlig ohne Anstoß und Vorwissen darauf gekommen sind? ;-) Aber naja, macht nichts - in der Sache stimme ich Ihnen ja vollinhaltlich zu.

Lord Jim
02
22.1.2012, 02:15

wie um himmels wollen sollte man diesem gedanken zustimmen ohne seine entsprechung in der eigenen erfahrung wiedergefunden zu haben?nach welchem kriterium urteilen Sie über gelesenes - zeitliche nähe, anzahl der vokale, coolness?

ma-cher
 
04
15.1.2012, 14:36
Niemand von uns erfindet Neues,

aber der eine oder andere Satz darf einem Menschen jenseits der 40 auch von selbst einfallen.

pox vobiscum
12
14.1.2012, 08:43

Es war sicher Whisky.

komajo
00
14.1.2012, 06:26
Vielleicht

haben sie Kwas getrunken.

Nick Tameer
02
14.1.2012, 10:04

Vielleicht haben die alten Sumerer, wie gewisse Indianer, wenig vertragen und konnten sich schon mit schwachen Getränken berauschen.

Clemens Hafner
04
14.1.2012, 00:11
Spießer.

gauxx
137
13.1.2012, 22:45

Ein Getränk, für das es eine Göttin und eine Hymne gab, soll alkoholfrei gewesen sein?

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