Swoboda

"Ich will eine breitere Auseinandersetzung über Europa in der SPÖ"

Interview | 13. Jänner 2012, 17:48
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    foto: standard/mayer

    Hannes Swobodas Chancen auf den SP-Chefsessel in Straßburg stehen sehr gut. Ziel: Die Europawahl 2014 will er gewinnen.

Der österreichische EU-Abgeordnete Hannes Swoboda dürfte zum einflussreichen Chef der SP-Fraktion aufsteigen

Das EU-Parlament bekommt mit Martin Schulz einen neuen Präsidenten. Nach ihm dürfte der Abgeordnete Hannes Swoboda zum einflussreichen Chef der SP-Fraktion aufsteigen. Mit ihm sprach Thomas Mayer.

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STANDARD: Warum wollen Sie Chef der 180 Abgeordneten der Fraktion der Sozialdemokraten im Europaparlament werden?

Swoboda: Weil ich glaube, dass es in einer der schwierigsten Zeiten wichtig ist, jemanden zu haben, der klare und auch realistische Vorstellungen von Europa hat, der sehr gut mit dem künftigen Präsidenten Martin Schulz zusammenarbeiten und mit ihm eine gemeinsame sozialdemokratische Strategie in Europa fahren kann.

STANDARD: Der wird dann wohl nicht mehr so scharf formulieren können wie bisher. Werden Sie eher moderat auftreten?

Swoboda: Schulz wird Präsident des Parlaments sein, deshalb legt er seinen roten Mantel nicht ab. Er wird das kombinieren. Aber die Speerspitze der sozialdemokratischen Anliegen werde natürlich ich sein. Und das kann ich auch leichter tun, weil ich nicht darauf spitze, die Zustimmung aller zu bekommen. Ich werde klar und scharf vorgehen. Sollte ich gewählt werden, bin ich auch ein Fraktionschef unmittelbar vor der nächsten Wahl.

STANDARD: Sie meinen die Europawahlen im Juni 2014.

Swoboda: Ja, diese Wahl können wir nur gewinnen, wenn wir klar sagen, was wir wollen. Wir müssen konstruktiv für Europa arbeiten, aber das Profil zuspitzen, sodass die Bürger verstehen, warum sie uns wählen sollen.

STANDARD: Sie wollen also das linke Profil schärfen?

Swoboda: Wobei es immer um Umsetzbarkeit geht. Ich habe nichts von linken Profilen, wenn es nicht überzeugend oder durchsetzbar erscheint.

STANDARD: Europas Sozialdemokraten stecken in einer tiefen Krise, sind kaum in Regierungen vertreten. Warum ist das so?

Swoboda: In einer Wirtschaftskrise suchen die Leute zunächst das Heil immer im Nationalen, im Konservativismus. Aber wenn die Leute sehen, wie enttäuschend die Konservativen und Liberalen die Krise managen, dann werden die Wähler offen sein für andere Lösungen. Das Entscheidende ist, dass wir für Europa insgesamt eine Konzeption liefern, nicht nur für Teile davon. Meine Aufgabe wird es sein, das deutlich zu machen.

STANDARD: Wie soll denn der Umschwung kommen?

Swoboda: Was derzeit gemacht wird, ist nur "rigeur", sparen, ein Strafgesetzbuch für Wirtschaftssünder. Das mobilisiert nicht die Wirtschaftskräfte, die wir haben. Ein Beispiel: 19 Topfirmen in Portugal haben gerade ihre Zentrale in die Niederlande verlegt. Das mag kurzfristig gut sein für die Niederlande, aber es ist keine Lösung. Wenn Portugal, Italien, Spanien und andere weiter den Bach runtergehen, dann ist das schlecht für uns alle. Wir müssen schauen, wo es in allen Ländern Potenziale gibt, damit wir uns wieder nach vorn bringen.

STANDARD: Warum gelingt es der SP nicht, die soziale Frage zum Kern europäischer Politik zu machen?

Swoboda: Wir wollen nicht die Sozialversicherung harmonisieren. Aber es gibt Fragen wie jene, ob man die zweite und dritte Säule der Pensionsversicherung stärken soll, wie das in Europa geschehen ist. Man hätte da besser bei der ersten Säule bleiben sollen. Oder die Finanztransaktionssteuer, um Geld aufzubringen, mit dem man zur Beseitigung der Armut positiv mobilisieren kann. Die Sozialdemokratie hat diese Kombination zwischen Wirtschaft und Sozialpolitik in Europa bisher viel zu wenig herausgestellt.

STANDARD: Brächte Ihre Wahl auch einen Vorteil für Österreich?

Swoboda: Es wäre sicher eine Anerkennung, dass Österreich gute Leute hat. Das wäre auch bei Othmar Karas der Fall, der als Vizepräsident kandidiert. Das könnte die Beschäftigung mit Europa in Österreich vielleicht ein bisschen positiv beeinflussen.

STANDARD: Haben Sie Besonderes vor mit Blick auf Österreich?

Swoboda: Meine Präsenz im Sinne des Kämpfens für sozialdemokratische Anliegen und für die europäische Idee in Österreich, das wird sicher stärker werden.

STANDARD: Gilt das auch für die SPÖ, wird die sich wieder stärker mit Europa beschäftigen?

Swoboda: Ich glaube schon. Nicht so sehr in Auseinandersetzungen an der Parteispitze, sondern in Auseinandersetzungen in der Breite der Partei, das muss mehr organisiert werden.

STANDARD: Ist das der Höhepunkt Ihrer politischen Laufbahn, werden Sie 2014 wieder zur Wahl antreten?

Swoboda: Ich will nicht vom Höhepunkt reden, aber es ist sicherlich ein Abschluss meiner offiziellen politischen Karriere. Ich werde mit Rat und Tat zur Verfügung stehen, aber kandidieren werde ich 2014 nicht mehr.

STANDARD: Was sind die wichtigsten politischen Vorhaben in den kommenden Monaten neben der Krisenbewältigung?

Swoboda: Die Budgetverhandlungen und die Agrarreform, das sind sicherlich wichtige Dinge. Aber das Entscheidende wird sein, wie können wir die Wettbewerbsfähigkeit in der Union erhöhen und Strukturreformen in schwachen Regionen durchführen. Wir werden mit dem EU-Budget nie wirkliche Konjunkturpolitik machen können. Aber wir können Strukturreformen durchführen. Bei Forschung und Entwicklung müssen wir unbedingt die Vernetzung weiter verstärken. Wir reden zwar viel davon, aber die Vernetzung ist nicht stark genug. Ohne diese und ohne wirtschaftliche Stärke im Hintergrund werden wir keine gemeinsame Außenpolitik in Europa haben können, dann werden uns China und Indien, Brasilien überholen. Das muss man auch vermitteln, gerade in einer sozialdemokratischen Perspektive. Wir wollen ein sozialeres Europa, aber das kann nur funktionieren, wenn wir die entsprechende Wettbewerbsfähigkeit haben. Wir können nicht gegen die Globalisierung kämpfen, wir müssen in der Globalisierung Wettbewerbsfähigkeit haben.

STANDARD: Was kommt bis 2020 auf Österreich zu?

Swoboda: Eine der entscheidenden Fragen ist: Können wir die Wettbewerbsfähigkeit, die wir haben, halten und damit den Wohlstand? Mit sozialer Stabilität, auch durch die Sozialpartner, haben wir es immer wieder geschafft, Probleme zu lösen, wo andere zu Konfrontationen gekommen sind. Wenn wir diese unsere Fähigkeit mit Innovationskraft, mit mehr Offenheit verbinden, dann wird uns das gelingen.

STANDARD: Also noch mehr Internationalisierung?

Swoboda: Ja, noch mehr Internationalisierung, was aber nicht im Widerspruch steht zu einem gewissen regionalen Selbstbewusstsein. Mir fällt das oft auf, wenn ich unterwegs bin. Was da an hoch spezialisierten Österreichern unterwegs ist, die in ihrem Gebiet sehr erfolgreich sind - aber an ihrer Sprache, an ihren Umgangsformen sieht man sofort, das sind Österreicher, stark verankert in ihren Ländern. Internationalisierung und eigene Identität, das hat Österreich erfolgreich gemacht. So kann man ein sehr erfolgreicher Teil der Europäischen Union werden. (Langfassung des in DER STANDARD, Printausgabe, 14.1.2012 erschienenen Interviews)

Hannes Swoboda (65), promovierter Ökonom und Jurist, war SP-Klubchef im Wiener Landtag, dann Planungsstadtrat, ist seit 1996 EU-Abgeordneter in Straßburg, Außen- und Sicherheitspolitiker.

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aiuto
02
21.1.2012, 21:15
eine breite Diskussion über die EU wäre in der SPÖ höchst wichtig,

... denn da gibt's nur einige halbgebildete Politiker, die sich überhaupt dafür interessieren und dann nach Brüssel fahren.... und die haben aber gar kein Interesse daran, dass sich mehr Leute in der SPÖ mit der EU auseinandersetzen, denn die wären ja dann ihre eigenen Konkurrenten in der Paretei.
So schaut's aus.... !

eufreak
00
20.1.2012, 05:20

ich finde eu gut. ich versteh das system nur nicht ganz. weil, einmal ist alles so wie hier und dann wieder ist alles ganz anders. und wenn ich denk, was meine freundin, die aus deutschland kommt, alles mitgemacht hat, nur weil sie einmal einen aushilfsjob annehmen wollte. kein mensch hat sich mehr ausgekannt. e-card oder nicht e-card, auf's arbeitsamt haben sie sie geschickt.

komisch, hab ich mir gedacht. ich mein, wegen ein paar wochen arbeit. na ja. egal.

Filippos B€zahlnixos
00
17.1.2012, 09:45
In dieser furchtbaren Wirtschaftskrise suchen wir jetzt unser Heil im Sozialismus

und totalen Internationalismus, nur der kann uns noch retten.

fmi
01
17.1.2012, 08:25
da hat er viel Arbeit

da Niemand versteht, warum sie wählen. Die schwarzen sind rot genug und das konservative Lager ist stärker, weil die Rechtsparteien an Zustimmung gewinnen.

fmi
00
17.1.2012, 08:19
Zufall

Europa der Großkonzerne meldet sich indirekt zu Wort.

Moondancer
11
16.1.2012, 17:00
...wer Swoboda kennt, weiß, er kann rechnen..

Swoboda kann definitiv rechnen..und das ist es, was wir brauchen. Ein Wirtschafter, der seine sozialen Wurzeln nicht vergessen hat.

Gerda Soros
11
14.1.2012, 17:09
Offene Meinungen - aber oft hirnlos

über Merkel wegen des anfänglichen Zögerns, sofort die griechischen Schulden zu übernehmen: dilettantisch. Mit jemandem wie Swoboda hätten die Griechen wirklich ihre Freude, da müssten sie überhaupt keine Strukturveränderungen vornehmen, kein Defizit abbauen.
Den Beitritt der Türkei wollte Swoboda als Signal an den Islam. Soll China beitreten als Signal für den Konfuzianismus?

aiuto
00
21.1.2012, 21:18
Swoboda ist, und das muß man ihm bescheinigen,

eigentlich der Einzige in der SPÖ, der sich mit der EU vorurteilsfrei auseinandersetzt und nach aussen auch gehört wird.

Tipiks
00
14.1.2012, 16:44
Altpolitiker

Das übliche Bla-Bla der Altpolitiker, blind für die Realität. Jüngere EU-Abgeordnete finden da schon deutlichere Worte in der heutigen Presse: http://goo.gl/nWcO9 Das klingt schon eher nach kämpferischer Sozialdemokratie.

Filippos B€zahlnixos
00
17.1.2012, 09:57

Das übliche Bla-Bla der Altpolitiker....."Wir müssen schauen, wo es in allen Ländern Potenziale gibt, damit wir uns wieder nach vorn bringen."... da kommen die bald darauf, anlässlich des 10. Geburtstag des "Sorgenkind €uro"

Publius C. Pulcher
02
14.1.2012, 16:30

Wie war das mit "Freiheit, Gleichheit, Solidarität"

Das neue Motto lautet: "Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit" ?

byron sully
01
14.1.2012, 15:58

die europäische sozialdemokratie ist genauso wie die österreichische brav, ziellos und zu sehr auf kompromiß gegenüber den konservativen aus. grad in zeiten, in denen der kapitalismus derart brutal agiert, wäre hier gegenwind nötig. den gibt es von dieser seite her nicht (diese kritik gilt grad in bezug auf wirtschafts-/sozialpolitik allerdings genauso für die grünen - mit dem unterschied, daß die grünen wenigstens in sachen gesellschaftspolitik oder menschenrechte klare positionen vertreten).

denke nichzt, daß swoboda (obwohl er einer der noch anständigsten leute in der heutigen spö ist) da was ändern wird.

Pauli Feuerstein
04
14.1.2012, 15:40
Wenn der Swoboda ihr "Boss" wird,

muessen die EU Sozen ziemlich am Sand sein!

zimbo
 
00
15.1.2012, 16:00
Halt die Obermetastase.

manniat
00
14.1.2012, 14:49

Ich finde das Interview gar nicht schlecht - nur eines stört mich und zwar wenn er von Wettbewerb in der EU spricht. Ich persönlich würde Kooperation bevorzugen. Vielleicht würde dann auch endlich dieses kleinkarrierte nationale Denken ein Ende finden.

Filippos B€zahlnixos
00
17.1.2012, 09:52

ja, "Kooperation", ein sozialistisches Kartell gegen Wettbewerb und Konkurrenzfähigkeit.

al pinski
 
05
14.1.2012, 14:05
"Europa in der SPÖ"?

In der heutigen SPÖ ist außer jede Menge Liesing so gut wie gar nix.

die naive
00
14.1.2012, 15:09

apropo - 2013 laufen die Leasing-Verträge für Schienen etc in Wien ab. Wird sicher - finanziell - auch noch "lustig".

Jepedaia Springfield
43
14.1.2012, 13:00
wir brauchen weniger EU und mehr Verstand in Österreich!

mehr EU schadet nur.

nipes
02
14.1.2012, 14:44
Mehr Verstand geht nicht...

woher nehmen, wenn nicht stehlen...
gottseidank hat die EU mehr Hirn als unsere Politik

Graf Robert von Donnerstag-Dachsenstein
10
14.1.2012, 13:42

Was soll das heißen? Die Wahlergebnisse in den Nationalstaaten und beim EU-Parlament müssten anders ausschauen, das ist alles.

ciao4zampe
 
00
14.1.2012, 10:57
@ arbeitstitel:

"Ich will eine breitere Auseinandersetzung über Europa in der SPÖ"
o-ton swoboda.

...und immer immer wieder
die denkwürdige assoziation zu anderen hehren wünschen. schon vor 2 jahren geäussert.

cit:
"immerhin weiss man in der spö ganz genau
was jetzt zu tun ist."
o-ton dorfer (donnerstalk)
http://www.youtube.com/watch?v=RB-9yhgqeZs

viel freude :-)

José Atento
38
14.1.2012, 10:50
Die Sozialisten sind am Ende

Es gibt kein Geld mehr, das man verteilen könnte, wenn man nicht noch mehr von den Bürgern stiehlt.

Es geht nur mehr darum, wie sie ihre eingenen Pfründe absichern können. Da ist der Mister S. der richtige Mann.

Filippos B€zahlnixos
00
17.1.2012, 09:53

mit den €urobonds ginge das noch 5-7 Jahre so weiter...

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