Um mit ihrer Güterbahn RCH nicht unter die Räder zu kommen, suchen die ÖBB Partner. Einer soll Ungarns Máv AG sein
Wien - Partnersuche für den angeschlagenen Güterverkehr oder Beginn des
Abverkaufs im Absatzbereich? Wenn es um die ÖBB geht, variieren die
Einschätzungen der Beobachter je nach politischer Farbenlehre. Faktum
ist: Die Bundesbahn sucht Partner für ihre auf Sanierungskurs fahrende
Gütersparte Rail Cargo Austria (RCA). Zu diesem Zweck hat sie Anfang
November die VCP Capital Partners Unternehmensberatungs AG engagiert.
Die Berater rund um den früheren Vizechef der Investmentbank CA-IB,
Heinrich Pecina, sollen Partner für die defizitäre RCA-Tochter in
Ungarn, RCH (ehemals MávCargo), suchen, betont man in hohen ÖBB-Kreisen.
Die Suche nach einem strategischen Partner für die RCH-Mutter RCA, wie
sie laut gut informierten Quellen in ÖBB-Eigentümerkreisen in einem
Aufwaschen angestrebt wird, sei definitiv nicht Auftrag von VCP.
Allerdings hat die ÖBB-Holding ihre - insbesondere im
Schienengüterverkehr in Österreich notorisch unter Wasser fahrende -
Gütersparte RCA von der Schweizer Investbank UBS bewerten lassen. Das
Ergebnis: RCA sei bestenfalls für strategische Investoren attraktiv, die
an Marktanteilen interessiert sind. Als Investment seien die Schulden
aber zu hoch und operativ ebenso wenig zu verdienen wie die
Investitionen.
Die Wahl des Beraters - VCP wurde dem Vernehmen nach ausgesucht, weil
das Honorar unter Investmentbanking-Niveau liege - ist dennoch pikant:
Es sucht jene VCP, bei der einst Ernst Strasser anheuerte, nachdem er
als Innenminister abtreten musste. VCP ist speziell in Ungarn nicht
unbelastet. Sie kam vor zehn Jahren in die Schlagzeilen mit der
Übernahme des Chemiekonzerns Borsodchem und als sie für die OMV
(verdeckt) MOL-Aktien kaufte. In der ÖBB sieht man dies keineswegs als
Nachteil, VCP kenne Ungarn bestens und sei auch noch billiger als
klassische Investmentbanken. Das Honorar wird in
RCA-Aufsichtsratskreisen mit "jenseits der 200.000 Euro" angegeben.
Ob aus dem Deal je etwas wird, ist angesichts der politischen und
ökonomischen Turbulenzen in Ungarn fraglich. Seit dem Ministerwechsel
steht in Budapest alles.
Der Letztstand: Da die 2008 um 402 Mio. Euro gekaufte MávCargo als
unverkäuflich gilt (wurde inzwischen auf 138 Mio. Euro abgewertet),
sollen Investoren mit "einer qualifizierten Mehrheit", also mindestens
25 Prozent plus einer Aktie, einsteigen. Zu den Kaufinteressenten zählt
die Ex-MávCargo-Mutter, Máv AG, ebenso wie Banken und Transporteure. Sie
will man an Bord holen, um nicht unter die Räder zu kommen; immerhin 66
Prozent der Kosten von MávCargo (Schienenmaut, Traktion) bestimmt der
Staat. Auch hat Máv mehrfach angekündigt, eine Gütersparte aufbauen zu
wollen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.1.2012)