Güterbahn

ÖBB stellen Weichen auf Partnershopping

Luise Ungerboeck, 13. Jänner 2012, 17:09

Um mit ihrer Güterbahn RCH nicht unter die Räder zu kommen, suchen die ÖBB Partner. Einer soll Ungarns Máv AG sein

Wien - Partnersuche für den angeschlagenen Güterverkehr oder Beginn des Abverkaufs im Absatzbereich? Wenn es um die ÖBB geht, variieren die Einschätzungen der Beobachter je nach politischer Farbenlehre. Faktum ist: Die Bundesbahn sucht Partner für ihre auf Sanierungskurs fahrende Gütersparte Rail Cargo Austria (RCA). Zu diesem Zweck hat sie Anfang November die VCP Capital Partners Unternehmensberatungs AG engagiert.

Die Berater rund um den früheren Vizechef der Investmentbank CA-IB, Heinrich Pecina, sollen Partner für die defizitäre RCA-Tochter in Ungarn, RCH (ehemals MávCargo), suchen, betont man in hohen ÖBB-Kreisen. Die Suche nach einem strategischen Partner für die RCH-Mutter RCA, wie sie laut gut informierten Quellen in ÖBB-Eigentümerkreisen in einem Aufwaschen angestrebt wird, sei definitiv nicht Auftrag von VCP.

Allerdings hat die ÖBB-Holding ihre - insbesondere im Schienengüterverkehr in Österreich notorisch unter Wasser fahrende - Gütersparte RCA von der Schweizer Investbank UBS bewerten lassen. Das Ergebnis: RCA sei bestenfalls für strategische Investoren attraktiv, die an Marktanteilen interessiert sind. Als Investment seien die Schulden aber zu hoch und operativ ebenso wenig zu verdienen wie die Investitionen.

Die Wahl des Beraters - VCP wurde dem Vernehmen nach ausgesucht, weil das Honorar unter Investmentbanking-Niveau liege - ist dennoch pikant: Es sucht jene VCP, bei der einst Ernst Strasser anheuerte, nachdem er als Innenminister abtreten musste. VCP ist speziell in Ungarn nicht unbelastet. Sie kam vor zehn Jahren in die Schlagzeilen mit der Übernahme des Chemiekonzerns Borsodchem und als sie für die OMV (verdeckt) MOL-Aktien kaufte. In der ÖBB sieht man dies keineswegs als Nachteil, VCP kenne Ungarn bestens und sei auch noch billiger als klassische Investmentbanken. Das Honorar wird in RCA-Aufsichtsratskreisen mit "jenseits der 200.000 Euro" angegeben.

Ob aus dem Deal je etwas wird, ist angesichts der politischen und ökonomischen Turbulenzen in Ungarn fraglich. Seit dem Ministerwechsel steht in Budapest alles.

Der Letztstand: Da die 2008 um 402 Mio. Euro gekaufte MávCargo als unverkäuflich gilt (wurde inzwischen auf 138 Mio. Euro abgewertet), sollen Investoren mit "einer qualifizierten Mehrheit", also mindestens 25 Prozent plus einer Aktie, einsteigen. Zu den Kaufinteressenten zählt die Ex-MávCargo-Mutter, Máv AG, ebenso wie Banken und Transporteure. Sie will man an Bord holen, um nicht unter die Räder zu kommen; immerhin 66 Prozent der Kosten von MávCargo (Schienenmaut, Traktion) bestimmt der Staat. Auch hat Máv mehrfach angekündigt, eine Gütersparte aufbauen zu wollen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.1.2012)

Kommentar posten
10 Postings
dafanefa
02
15.1.2012, 07:45
Vieles in diesem Artikel bleibt kryptisch..

Wieso sollte die MAV "eine Gütersparte aufbauen" wollen, sie hat ja dieses alte Klumpert (Loks, Waggons) ja gerade erst einem Dodel verkauft?
Welcher Investor, außer einem, dem man massiv ins Hirn gesch...en hat, solle sich an diesem knapp vor dem Konkurs stehenden "toten Hund" beteiligen?

uabigboss
00
15.1.2012, 13:13
bestens informiert

... unser Luiserl ...

"... notorisch unter Wasser fahrende RCA ... "

genausogut recherchiert wie alle anderen Artikel.

nur heisse Luft, damit sie wieder irgendwas schreiben kann ...

Baron Mucki
 
02
14.1.2012, 02:13
Ein....

....Tohuwabohu....

R. Lexer
00
18.1.2012, 12:38

Aus!

F S 4: The science channel
00
14.1.2012, 00:04

Fazit: Die Ungarn haben einen Trottel gefunden, der ihnen die Marode MAV-Cargo abgenommen hat. Warum also sollten die Ungarn bei dem Laden wieder einsteigen anstatt wieder selber was auf die Beine zu stellen?

Fritz Meyer
04
13.1.2012, 19:47
Schuld ist da nur die Politik.

Die sich bei der ÖBB immer noch zum Schaden einmischt.

der_kleine_pariser
 
00
15.1.2012, 00:36

Vor Allem die ÖVP-Politik, die auf teufel-komm-raus den ach so roten Bundesbahnen auf allen Ebenen bewusst Schaden zufügt bzw zufügen will.

Letztes und bestes Beispiel die Wiederholung des unsäglichen Vorschlags die Kraftwerke zu verkaufen.

revisor69
 
00
13.1.2012, 18:45
Die ÖBB sind selbst der größte Bremsklotz!

nursohalt
00
14.1.2012, 18:30
die können selber nicht bremsen,

da das Theater dauernd von der Politik kommt.
Wer hat denn sonst den Mist angeordnet, dass so viele Firmen gegründet wurden? Sicher nicht die ÖBB, sondern die die Teile davon verscherbelt wollten.
Also bei der Wahrheit bleiben- ggf. nachlesen, es wird schon genug verbreitet, nur um Neider zu befriedigen.

aber eigentlich
00
13.1.2012, 17:26

vielleicht is das das Problem:

"... insbesondere im Schienengüterverkehr in Österreich notorisch unter Wasser fahrende - Gütersparte RCA"

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