Großbritannien

Egalisierung durch Schuluniformen hat Grenzen

13. Jänner 2012, 17:11
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    foto: reuters/macgregor

    Schuluniformen führen nicht unbedingt zur Gleichheit der Schüler.

Uniformen von Schülern aus "bildungsfernen" Familien heben sich vom Rest ab - Uniformpflicht für manche beengend

Englische Kinder, die mit fünf Jahren schulpflichtig werden, haben zwei mehr oder weniger "gordische" Knoten zu meistern: die Knoten ihrer Schuhbänder und den Knoten der Krawatte ihrer Schuluniform. Das Problem mit den Schuhbändern hat sich durch die Klettverschlüsse der meisten Kinderschuhe weitgehend von selbst erledigt. Für den Krawattenknoten ist in den ersten Schuljahren Mummy zuständig.

Hatten in den 1960er- und 1970er-Jahren manche Schuldistrikte in einem Anflug von "Liberalisierung" und Skepsis gegenüber Uniformen und Ritualen die Schuluniformen abgeschafft, so ist die englische Schülerschaft inzwischen wieder durchgehend uniformiert. Die häufigste Erscheinungsform: Knaben tragen ein weißes Hemd, im Sommer eine kurze, im Winter eine lange dunkle Hose, die Mädchen eine weiße Bluse und einen Faltenrock; beide Geschlechter tragen einen Blazer mit dem Schulemblem, im Winter auch einen Pullover in der "Schulfarbe", sowie die unvermeidliche Schulkrawatte.

Schuluniformen sind im uniformfreudigen England so selbstverständlich, dass es kaum offizielle Begründungen dafür gibt. Ihre Hauptfunktion ist die Bestärkung des Gemeinschaftsbewusstseins ("bonding") und der Loyalität der Schüler gegenüber ihrer Schule. Außerhalb der Schule ermöglichen die Uniformen ein Stück soziale Kontrolle. Schüler, die sich z. B. im städtischen Bus ungebührlich verhalten, sind nicht anonym, sondern an ihren Blazern mit dem Schulwappen als Schüler der Schule X zu erkennen und können so von ihrem Headmaster ausgeforscht und zur Rechenschaft gezogen werden.

Jugendliche Sekundarschüler und (vor allem?) Sekundarschülerinnen sind durch die Uniformierung zumindest in der Schule vom Zwang befreit, einander mit teuren modischen Designerklamotten zu imponieren. Die "Egalisierung" durch die Schuluniformen hat allerdings Grenzen. Während die Mehrheit der Kinder in sauberen, gebügelten Uniformen zur Schule kommt und diese mit Stolz trägt, lassen die Uniformen von Kindern aus "bildungsfernen" Elternhäusern einiges zu wünschen übrig. Manche Uniformen haben allerdings noch eine ganz andere Funktion, nämlich die der sozialen Distinktion; sie signalisieren, dass Daddy imstande und bereit ist, bis zu 30.000 Pfund pro Jahr für eine Privatschule auszugeben.

Einer erheblichen Zahl von Oberstufenschülern sind die Regeln, Routinen und Rituale des Schulalltags - nicht zuletzt die Uniformpflicht - zu beengend. Sie wandern mit 16 Jahren an Colleges of Further Education ab, multifunktionale kommunale Einrichtungen der Berufs- und Erwachsenenbildung, an denen man auch in den allgemeinbildenden Fächern die der Matura entsprechenden A-Level-Prüfungen ablegen kann. Hier wird man wie ein Erwachsener behandelt und kann problemlos in einem übergroßen Bob-Marley-T-Shirt oder in einem schwarzen "Gothic"-Outfit herumlaufen, und kein Schuldirektor macht einen - freundlich oder streng - darauf aufmerksam, dass das heraushängende Hemd der Schuluniform in die Hose gesteckt und die Schulkrawatte zurechtgerichtet gehört. (Karl Heinz Gruber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.1.2012)

KARL HEINZ GRUBER (Universität Wien) ist zurzeit Research Fellow an der Universität Oxford.

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Posting 1 bis 25 von 75
1 2
D/E
00
16.1.2012, 21:28
Man möcht sagen: Gott sei Dank!

Nicht auszudenken, wenn Uniformen wirklich jeden gleich macherten. Dann hätte ich nicht nur Erinnerungen an das BH, sondern manifeste Schäden von demselben davongetragen.

The Firemage
22
16.1.2012, 09:19
schwerer gedankenfehler.

anhängerInnen von schuluniformen argumentieren, dass die kluft zwischen vermögend und finanziell schwach geschlossen wird. das ist nicht nur nicht der fall, sondern DIE hauptaufgabe von schule - nämlich individualisten hervorzubringen, die auf markenzwänge pfeifen, wird nicht angegangen.

ausserdem find ich die rockerl und anzüge sexistisch.

Quasselmodo
00
16.1.2012, 16:45
Uniformieren und zentralisieren,

denn wir brauchen vordringlich und hauptsächlich stromlinienförmige Ellbogentechnikexperten (bzw. Akrobaten in einem anderen Körperteil), die dann z.B. in einer Ratingagentur arbeiten und für den eigenen Bonus jedwediges Rating ermitteln.

wombat007
40
16.1.2012, 14:28
Nicht sexistisch- ORDENTLICH!

Zitronenbaum
00
19.1.2012, 07:15

Imo ist es total verblödet Mädchen zu wingen, dass sie Röcke tragen müssen. Wenn schon Uniform, dann auch die Möglichkeit für Frauen Hosen zu tragen!
Sonst bringt das nix.

Spucks
03
16.1.2012, 16:48

Was hat "Buben tragen Hosen, Mädchen tragen Röcke" mit Ordentlichkeit zu tun?

Shannara
16
16.1.2012, 08:47
Klischeebehaftet

Durch diesen Artikel habe ich zweierlei gelernt: 1) die Mutter ist für das Binden der Kravatte zuständig während 2) Daddy die Schule zahlt. Ahja.

[citation needed]
00
16.1.2012, 14:01
erwischt!

dasandere
40
16.1.2012, 04:45
Interessanter wäre ein Bericht,

wie es die Kolonialmacht UK geschafft hat, die beschissene Schuluniform in alle Welt zu exportieren - wo die horrenden und absolut unsinnigen Kosten bis heute abertausende Kinder vom täglichen Schulbesuch abhalten....

meischi@leistung.at
11
16.1.2012, 09:04
Glaubst dass die Nike-Turnschuhe und Kleidung von Mode-Labels wirklich billiger sind?

Spucks
00
16.1.2012, 15:47

Glauben Sie wirklich, dass die armen Kinder in Entwicklungsländern, welche keine Schule besuchen, in Markenkleidung herumrennen? Sie waren offenbar noch nie in einem solchen Land (außer vl. in einer AI-Ferienanlage).

Tethys
00
17.1.2012, 10:21

Scheitert der Schulbesuch an der Uniform oder am Schulgeld und dem Geld für Bücher? Was meinen Sie?

Spucks
00
17.1.2012, 11:53

Ich glaube nicht, dass er an Uniformen scheitert, das ändert nichts daran, dass das Post des Trottels ober mir, der damit behauptet, dass arme Menschen in Entwicklungsländern Geld für Markenkleidung rausschmeißen während ihre Kinder nicht in die Schule gehen, eine Unverschämtheit gegenüber diesen Menschen ist.

Der Schulbesuch scheitert an unterschiedlichen Dingen: Geld (falls es Schulgeld gibt), nicht-entbehren können der kindlichen Arbeitskraft, Unverständnis über die Wichtigkeit von Bildung, Infrastruktur (keine Schule in der Nähe), schlechte Gesundheit. Das sind wohl die häufigsten Gründe.

Cucumuch
33
15.1.2012, 20:59
sozialistischer Lösungsansatz des Problems:

Kein Kind darf mehr in die Schule gehen.
Damit vermeidet man endlich die Benachteiligung der bildungsfernen Schichten die ja so gerne wollten wenn man sie nur lassen würde!

mfg

Spucks
00
16.1.2012, 09:51

Kinder aus bildungsfernen Schichten dürfen nicht in die Schule?

Jene Grüne Straßenkatze
02
15.1.2012, 18:34
...

Ein journalistisch nicht weiter auffälliger Text: Akzeptabel, wenn auch nicht besonders aufregend geschrieben, mit ein paar Informationen, für die man vielleicht eine Stunde recherchieren müsste. So weit so gut.

Und dann liest man "Research Fellow an der Universität Oxford". Und denkt sich, dass man von so jemandem eigentlich mehr erwartet.
Dabei ist das hier kein wissenschaftliches Magazin, sondern nur eine, hust, Qualitätszeitung.

Und damit wird der Text mit der Tätigkeitsbeschreibung des Verfassers selbst zur Metapher für die Last des Status und die Erleichterung, die Anonymität vielleicht gegeben hätte.

Ob das wohl beabsichtigt war?

Tintininafrica
137
15.1.2012, 01:57
Uniform

Man kann lange darüber diskutieren, aber Schuluniforme haben mehr Vorteile als Nachteile.

Spucks
00
16.1.2012, 09:55

Bitte um Auflistung dessen, was Sie als Vor- und Nachteile bezeichnen.

Chien de Pique
02
15.1.2012, 21:17
Vorteile vielleicht, aber Lächerlichkeiten wie Krawatten braucht es wirklich nicht. Auch nicht

unbedingt eine einheitliche Farbgebung.
Also besser Schulkleidung als echte Uniformen:
Einfach sinnvolle und praktische, alltägliche, solide Kleidung, mit der man nicht als Witzfigur wahrgenommen wird, sondern überall hingehen kann, ohne Markenmobbing und Modewahn, aber auch ohne quasimilitärische Anonymisierung und nutzlose Quälereien, d.h. eine vorgegebene Liste aus eher erschwinglichen Kleidungsstücken evtl. aus einem Schul-Shop, wo man sich seine private (Non-)Uniformvariante zumindest nach präferierten Farben und Mustern (einheitlicher Preisordnung) selbst zusammenstellen kann, mit allenfalls ganz dezentem Schullogo. Das fände ich gerade noch vertretbar.

Christoph Karl Steininger
00
16.1.2012, 13:25
Wie wärs mit Kutten und Spitzhüten

wie in Hogwarts? Im Ernst, Schule ist schon so ein unerträgliches Zwangssystem. Es ist nicht nötig da noch weiter zu militarisieren!
Denn das sind Schuluniformen: Uniformen!
Unterordnung bis zur Unterhose.

Zitronenbaum
00
19.1.2012, 07:17

In Hogwarts gabs für Schüler soweit ich mich erinner gar keine Spitzhüte. Nur die normale Schuluniform und dafür halt noch Umhänge. Also nach wie vor sehr englisch gehalten, bis auf die Umhänge natürlich.

Quasselmodo
00
16.1.2012, 16:35
Bei Kutten und Spitzhüten

denke ich an die kollektive Verbrecherbande Ku-Klux-Klan.
Auch aufgrund der Existenz dieser Horde bin ich überzeugt, dass die Prägung auf Uniformen nichts ist, was eine Gesellschaft vorwärts bringt.

Birgit 68
01
16.1.2012, 12:48
Wo sind da die Vorteile

gegenüber den herkömmlichen Modedikdaten, denen sich zumindest unsere Frauen nur all zu gerne unterwerfen?

Wie heißt es doch so schön: Jede Frau ist anders.
-Bis sie beim H&M einkaufen war.

fizcaraldo
11
15.1.2012, 17:31

Dass unterschiedliche Vor- und Nachteile von unterschiedlichen Personen unterschiedlich stark gewichtet werden ist Ihnen noch nicht in den Sinn gekommen, oder?

Der sich den Wolf tanzt
24
15.1.2012, 13:23
man kann lange darüber dikutieren...

aber katholizismus ist die einzig wahre lebensweise!

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