Neuer Prozess gegen Ex-Innenminister Kiszczak

13. Jänner 2012, 16:57

Im Zusammenhang mit Tod von neun Bergleuten 1981

Warschau - Gerade erst zu einer Bewährungsstrafe wegen der Verhängung des Kriegsrechts vor über 30 Jahren verurteilt, muss sich der ehemalige polnische Innenminister Czeslaw Kiszczak erneut vor Gericht verantworten. Am 20. Februar beginnt zum bereits fünften Mal ein Verfahren gegen den 86-Jährigen, in dem es um den Tod von neun Bergleuten bei der blutigen Niederschlagung eines Streiks im Dezember 1981 geht, wie die polnische Nachrichtenagentur PAP am Freitag unter Berufung auf Informationen aus Justizkreisen berichtete.

Die Staatsanwaltschaft wirft General Kiszczak demnach vor, bei dem Polizeieinsatz unter Kriegsrecht im damals kommunistischen Polen an dem Tod von neun Menschen in Katowice (Kattowitz) mitschuldig zu sein. Kiszczak soll den Einsatzleitern entgegen den damaligen Vorschriften die Verantwortung für den Gebrauch von Schusswaffen übertragen haben.

Der ehemalige Innenminister war im April des Vorjahres von der Verantwortung für den Tod der Bergleute freigesprochen worden. Dieses Urteil wurde jedoch vom Berufungsgericht zurückgewiesen. Das Gericht ordnete stattdessen ein neues Verfahren an.

Am Donnerstag hatte das Bezirksgericht Warschau entschieden, dass die damalige Staatsführung Polens mit der Verhängung des Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 gegen die Verfassung verstoßen habe. Kiszczak wurde in dem Verfahren wegen Bildung einer bewaffneten Gruppe und Menschenrechtsverbrechen zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Kiszczak hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. (APA)

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