Dörfler

"Der Tunnel ist nicht mehr zu stoppen"

13. Jänner 2012, 17:42
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    foto: apa/eggenberger

    Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler will den Kollegen in Wien den Weg weisen: Sparen bei den Reichen, "da würde niemand in Ohnmacht fallen". Und Hände weg vom Koralmtunnel.

Landeshauptmann Gerhard Dörfler will den Bundesrat abschaffen und Studiengebühren einführen - Vom Fußball in Kärnten hat er sich verabschiedet

Standard: Wenn man sich den Kärntner Fußball anschaut, muss man zu dem Schluss kommen: Entweder können die Kärntner nicht Fußball spielen oder sie können nicht mit Geld umgehen. Die Vereine sind irgendwo und außerdem pleite, Land und Stadt müssen zuschießen. Woran liegt das?

Dörfler: Man kann sich Erfolg nicht kaufen. Ich habe mich vom Fußball in der Landeshauptstadt längst verabschiedet. Da wird leider eine alte Haftung schlagend, das hat damals der Landtag beschlossen. Aber das war die letzte Altlast zum Thema Fußball. Es wird kein neues Fußballgeld mehr geben, solang ich Landeshauptmann und Sportreferent bin.

Standard: Ihnen bleibt ja der Beachvolleyball.

Dörfler: Nicht nur! Wir haben den besten Sportler Österreichs, den Überflieger Thomas Morgenstern, wir haben zwei Abfahrtsolympiasieger mit Klammer und Strobl, wir haben junge Talente, die im Skisport nachkommen. Wir haben immer wieder große Erfolge, aber besonders stolz bin ich, dass der Sportler des Jahres 2011 ein Kärntner ist, der Thomas Morgenstern.

Standard: Die Wirtschaftslage ist alles andere als rosig, wo könnten Sie noch die Schraube anziehen?

Dörfler: Wir brauchen beides: Dynamik und Sparsamkeit. Wenn ich von Dynamik rede, dann rede ich von Infineon, da werden gerade 200 Millionen Euro investiert. Oder Laim, das investiert groß in Villach. Wir verhandeln gerade mit Geox über eine Betriebsansiedlung. Die Wirtschaftsdynamik ist also durchaus positiv.

Standard: Wo könnte man sparen?

Dörfler: Wir haben schon gespart. Da muss man sich schon auch die Bilanz des angeblichen Wundersparlands Steiermark anschauen, das hat in zwei Jahren 800 Millionen neue Schulden gemacht. Das angeblich rote Laternenland Kärnten hat nicht ganz 300 Millionen netto Neuverschuldung. Schauen Sie nach Wien: Die haben in den letzten zwei Jahren 1,9 Milliarden Netto-Neuverschuldung gemacht. Wir haben unsere Defizitprognose von 350 Millionen Euro auf unter 150 senken können. Wir haben uns von der Schuldendynamik verabschiedet und wollen bis 2015 ein Nullbudget erreichen.

Standard: In der Steiermark werden jetzt 36 Mini-Volksschulen geschlossen. Auch in Kärnten gibt es Schulen mit weniger als 15 Schülern. Werden die auch geschlossen?

Dörfler: Das ist ja interessant. Alles, was in Kärnten schon längst passiert ist, wird jetzt als steirisches Wunder beleuchtet. Ein Beispiel: Kärnten hat bei 559.000 Einwohnern 132 Gemeinden. Wir haben also pro Gemeinde circa 4200 Einwohner, die Steiermark hat pro Gemeinde 2200. Wir haben die Gemeindereform schon längst hinter uns, wir haben auch viele Kleinschulen geschlossen und setzen jetzt auf regionale Bildungszentren.

Standard: Was kann Kärnten zu einer Budgetkonsolidierung des Bundes beitragen?

Dörfler: Alle werden etwas beitragen müssen. In erster Linie werden die Menschen was beitragen müssen. Was ich aber ablehne, ist das rot-grüne Modell in Wien, wo eine unglaubliche Gebührendramatik in Kraft gesetzt wurde. Die Wiener werden ja ordentlich zur Kasse gebeten.

Standard: Wenn Sie im Bund etwas mitzureden hätten, wo würden Sie den Schwerpunkt der Konsolidierung setzen? Einnahmenseitig, wie die SPÖ das forciert, oder durch Sparen, wie das die ÖVP predigt?

Dörfler: Jeder, der sagt, es wird keine Erhöhung irgendwelcher Abgaben oder Steuern geben, ist nicht ehrlich. Und jeder, der meint, nur ausgabenseitig das Budget sanieren zu können, ist auch nicht ehrlich. Ich würde einmal bei den Steuervorteilen ansetzen, das sind in etwa zehn Milliarden. Das beginnt bei der Gruppenbesteuerung, die für mich schlichtweg ein Irrwitz ist. Die Verluste im Ausland werden vom österreichischen Steuerzahler abgedeckt. Warten wir, was bei den Banken in Ungarn oder der Ukraine noch auf uns zukommt. Dagegen wird die Kärntner Hypo wahrscheinlich eine Kleinigkeit sein. Ich würde also bei der Gruppenbesteuerung ansetzen, man kann auch über die Grundsteuer nachdenken. Ab einem gewissen Einkommen wird man beim 13. und 14. Gehalt etwas tun. Wenn man alle Steuervorteile um zehn Prozent kürzt, wäre das eine Milliarde. Da würde niemand in Ohnmacht fallen, und die Einkommensschwachen wären nicht betroffen.

Standard: Wo würden Sie am liebsten sparen?

Dörfler: Bei der Unmäßigkeit der Bezüge. 54 Manager im öffentlichen Bereich verdienen mehr als der Bundeskanzler. Jetzt wollen wir einmal die Qualität seiner Arbeit nicht bewerten, aber vom Aufwand her leisten die Manager sicher nicht mehr. Die Münze Österreich zahlt 409.000 Euro im Jahr für einen Vorstand. Wofür?

Standard: Wie wichtig ist der Koralmtunnel? Der wird vielleicht auch eingespart.

Dörfler: Der Tunnel kann nicht eingespart werden. Es gibt einen Vertrag zwischen der Republik Österreich, dem Ministerium, der ÖBB-Holding und den Ländern Steiermark und Kärnten. Der Bau ist so weit fortgeschritten, der Tunnel ist nicht mehr zu stoppen. Das wird sich niemand leisten wollen und können, weil wir auf unseren Vertrag pochen, das ist völlig klar.

Standard: Was halten Sie von Studiengebühren?

Dörfler: Es ist nicht einzusehen, dass ein Kindergartenplatz etwas kostet und ein Platz für ein Studium kostenfrei sein soll. Ich bin also für Studiengebühren. Es wäre auch dringend notwendig, die Sozialleistungen zu durchforsten: Warum soll ein Millionär, ein Spitzenpolitiker für sein Kind eine Familienbeihilfe bekommen?

Standard: Eben wurde ein neuer Präsident des Bundesrates angelobt. Was soll mit dem Bundesrat geschehen? Weiter ignorieren? Aufwerten? Abschaffen?

Dörfler: Abschaffen. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Der Bundesrat ist keine Länderkammer, sondern nur die verlängerte Werkbank der Parteien. Eine Vertretung der Bundesländer gibt es ohnedies durch die Landeshauptleutekonferenz. Also: Ersatzlos streichen, das wäre einmal ein klares politisches Zeichen.

Standard: In Graz wird es bald ein zweitinstanzliches Urteil über Uwe Scheuch geben. Was passiert, wenn der Landeshauptmannstellvertreter ins Gefängnis geht? Er ist ja auch Landesparteichef. Werden Sie dann die FPK übernehmen?

Dörfler: Ich bin dezidiert kein Parteiobmannkandidat. Abgesehen davon könnte Uwe Scheuch auch freigesprochen werden, dann werden sich hoffentlich alle bei ihm entschuldigen. Über den ist ja wirklich die Medienwalze drübergefahren. Aber ich bin jedenfalls kein Parteiobmannkandidat. (Michael Völker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.1.2012)

Kommentar posten
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hansi goldach
 
10
17.1.2012, 08:59

der koralmtunnel ist eine fehlkonstruktion. man sollte
tunnel konstruieren die man wieder ausgraben kann um
an anderer stelle in anderen bergen wieder einzugraben.
z.b. brennerbasis. fehlende länge müsste ev. nicht stören. wäre billiger.

maus 14
11
16.1.2012, 19:16

wie schaut ein reformwille vom kleinen kärnten aus?

Kate Austen
02
16.1.2012, 18:10
ist spannend daß hier keiner auf folgenden Satz eingeht: "Die Münze Österreich zahlt 409.000 Euro im Jahr für einen Vorstand."

ist das alles schon so normal? Empört sich keiner mehr?

Oder werden die Artikel gar nicht mehr gelesen sondern es wird gleich drauflosgepostet?

Harry Meier
 
30
17.1.2012, 02:33
Das ist in etwa das Jahresgehalt eines Chefprogrammierers

im Silicon Valley. Ich nehme mal an, das die Haelfte des Gehaltes dann noch an den Staat geht.

Kate Austen
03
17.1.2012, 18:33
na dann ist eh alles in Ordnung

btw: wird der Chefprogrammierer auch zur Gänze von Steuergeldern finanziert?

Harry Meier
 
20
19.1.2012, 01:50
Ich glaube sie setzen beim Sudern an der völlig ..

. falsche Stellen an. Das Jahresgehalt eines Münze Österreich Vorstandes ist an sich nicht problematisch, wenn der entsprechende Umsatz dahintersteht. Ich nehme an ein paar Milliarden werdens schon sein. Wenns dann zum Minusgeschäft würde, kann man immer noch darüber nachdenken. Selbst die 5200 Brutto für den Pelinka Gschroppten beim ORF (Gehaltsstufe 18 von 20), über die ganz Österreich sich echauffiert, sind ca. 2700 Netto. Sorry aber das sind selbst für mich als kleiner ITler ein lausiges Gehalt.

armin delmenhorst
 
00
24.1.2012, 20:54
Na, dann sollen wir mal

ein kleines Gespräch mit ihren Arbeitgeber führen.
Sagten Sie nicht IT-Angestellter? Aber nicht etwa bei den Sozen? Denn das würde zu Ihrem Posting passen.

A Voice
10
18.1.2012, 11:58
Soll das Gehalt jetzt die Verantwortung widerspiegeln

oder zählt die Quelle des Geldes (wenn es die "richtige" ist) schon als Bezahlung? Was kann ich mir davon kaufen, wenn mein Gehalt aus Steuergeldern finanziert wird?

So wie das dasteht könnte das auch der Betrag inkl. Arbeitgeberanteil sein.

Kate Austen
00
18.1.2012, 13:18
ist schon gut

Werner F, der Inserator
00
16.1.2012, 08:32

Naja wenn man von kaernten indirekt verlangt sich an der stmk einbeispiel beim sparen zu nehmen, dann ist die antwort sogar legitim.

Mich hat der hype um die sparwilligkeit der steirer hier in den foren auch immer verwundert, die haben vorher auch die unguenstigste struktur bei den gemeinde gehabt, die nachbarlaender ooe, noe, slzb und ktn haben diese bereinigung teilweise schon in den 70gern durchgefuehrt.
Aber sonst ein maues interview ....

Aruminu
01
15.1.2012, 19:19

Was hier manche Leute über Kärnten schreiben, lässt mich daran zweifeln, ob sie wirklich verstehen, wie es hier unten zugeht. Hier wird geraduzu so getan als ob wir hier mit Geld um uns werfen.
Fakt ist, wir haben eine sehr hohe Arbeitslosenquote, die Landflucht, einen Mangel an Arbeitsplätzen für Fachkräfte.
Es wird noch immer behauptet dass es ein Fremdenverkehrsland ist. Dass das heutzutage nicht mehr reicht, dass dringenst neue Betriebe angesiedelt werden müssen, dass ein politischer Machtwechsel notwendig ist, um die Korruption/ Freunderlwirtschaft/ etc. endlich einzudämmen, ist jedem Kärntner mit nur etwas Hirn im Kopf klar. Deswegen können wir auch nicht notwendige Projekte für unsere Infrastruktur einfach canceln.

Helmut71
02
15.1.2012, 11:43
das beste

an Herrn LH Dörfler ist wohl, dass er sich nur recht selten zu Wort meldet.
Beim Koralmtunnel meine ich, dass der gebaut werden sollte, da Investitionen in Schiene an sich sinnvoller und zukunftsweisender sind als in Straße.

herrgospod
40
15.1.2012, 10:20

sperrt ihn doch bitte endlich ein!

Kate Austen
00
15.1.2012, 10:17
Die Münze Österreich zahlt 409.000 Euro im Jahr für einen Vorstand.

Harry Meier
 
00
19.1.2012, 01:52
Davon gehen 200.000 in die Staatskasse und wenn

.. er den Rest ausgibt gehen noch 10-20% Mehrwertsteuer vom Rest weg und dann noch KEST, sonstige Gebühren, Steuern auf Steuern usw.

Josef Neuhauser
10
15.1.2012, 09:20
morgenstern

klammer und stobl.
warum werden die hier erwähnt, bringt ihm das die stimmen?

princeps legibus solutus
00
15.1.2012, 10:10
vor allem können sich die nicht gegen eine vereinnahmung wehren

es kann ja sein, dass sie völlig konträrer politischer ansicht als dörfler sind

J. Reichhart
02
15.1.2012, 08:17
jetzt hab ich doch glatt gelesen

der trottel ist nicht mehr zu stoppen.

F. Ritzl
12
15.1.2012, 07:38
Ich find' Schulen mit <15 Schülern nicht "verwerflich"

1 Lehrkraft, die alle zusammen unterrichtet und individuelle Betreuung ist auch gegeben.

Sind wir jetzt stolz, weil wir die Kinder x Kilometer weiter irgendwo hinschicken. Es wird so viel Geld irgendwo versenkt, aufgrund irgendeines "Ratings" zahlen wir mehr Zinsen und müssen noch mehr Steuern zahlen usw.

Ich find' auch, daß wir da bei kleinen Schulen hart durchgreifen müssen. Wo gibt's denn sowas? Am Ende is noch irgendwer zufrieden, wenn er eine glückliche Kindheit hat. Sowas darf in Österreich einfach nicht sein ...

Silvio Lackner
01
15.1.2012, 09:57
Der Tod der kleinen Landschulen

ist ja nicht das einzige Idyll, dass die Finanzhaie am Kerbholz haben.

ZwischenZeilen
00
15.1.2012, 06:05
„Wir sind eh nicht neger“

www.ktn.gv.at/186553_DE... stProt-10.

Seite 35, ca. Mitte... Landtagssitzungsprotokoll

1116er
12
15.1.2012, 00:24
ich führe ja keine statistik,

aber ich habe den festen eindruck, dass interviews mit dörfler viel häufiger im standard zu finden sind, als solche mit den anderen landeshäuptlingen.
ist kärnten so wichtig?
hat dörfler soviel wichtiges zu sagen?

wenn ihr schon interviews bringt (lobenswert!), dann bemüht euch doch um partner mit mehr relevanz!

Bran Van
11
16.1.2012, 21:05

mich wunderts nicht, dass der dörfler so oft interviewt wird er hat doch eine durchaus hohe komödiantische qualität und nachdem kärnten bashing die leser im standard durchaus unterhaltet und dörfler sich einen haxen ausfreut wenn er in einem bundesweiten medium erscheint haben beide seiten eine sog. win-win situation hergestellt. das einzige was mich stört ist, dass viele kärnten mit fpk gleichsetzen dieses land ist mehr als dieser rechtspopulismus mehr als die gauner usw. leider wird das gerne weggelassen der unterschied zu anderen institutionen ist ja auch kein großer die überwiegende mehrheit schweigt und die dummen regieren....sollte doch einigen bekannt vorkommen

Harry Meier
 
00
17.1.2012, 02:26
Die Merheit der Kaerntner hat ja auch gar nicht

diese Ungustln gewaehlt.

Ringelspielprofessor
00
15.1.2012, 02:57

Soll ja auch ein bisschen unterhalten, das ganze :)

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