Der Mensch als Maß aller Dinge

10. Juni 2003, 11:04
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Usability-Forscher analysieren Gründe für Mängel im Webdesign

Wenn Sie das nächste Mal eine Homepage oder ein Display damit nervt, dass Sie vor lauter Information ausgerechnet die Information nicht finden, die Sie eigentlich brauchen, dann suchen Sie den Fehler nicht mehr bei sich, sondern schieben Sie getrost die Schuld auf die Hersteller. Denn häufig liegen Schwierigkeiten bei der Bedienung daran, dass man zu wenig Hirnschmalz auf dessen einfache Handhabung verwendet hat. Diese These vertreten Verena Giller und Manfred Tscheligi, Geschäftsführer des Wiener Kompetenzzentrums Cure. Den Beweis dafür erbrachten sie am 5. Juni bei der Tagung der E-Business-Plattform Ec Austria im Tech Gate.

Testweise

In einer halbstündigen "Usability-Live-Show" versuchte eine Testperson, eine einfache Abfrage zuerst auf einer Webseite, dann mittels WAP-Anwendung durchzuführen. Dass sie in beiden Fällen zu keinem vernünftigen Ergebnis gekommen ist - das konnte man via Videobeamer verfolgen - lag freilich nicht an der Person, die mit fundierten Kenntnissen und logisch an die Aufgabe herangegangen war. Der Knackpunkt lag an den Abfrageformularen: Sie waren zwar hübsch anzusehen aber viel zu kompliziert.

Orientierung fehlt

Dass Hersteller mitunter das Design über die Benutzerfreundlichkeit stellen, ist nach den Erfahrungen von Giller und Tscheligi einer der häufigsten Fehler. Ein ansprechendes Design am Bildschirm garantiert nämlich noch lange nicht, dass man sich auch sinnvoll orientieren kann. "Oft würden minimale Änderungen genügen", so Giller, "um den Usern das Leben zu erleichtern." Aber auf die Usability werde oft nur "zum Schein" Rücksicht genommen, beklagen die beiden Forscher in ihrem Vortrag.

Zu komplex

Was man über die Komplexität der technischen Möglichkeiten nicht selten vergisst, sind die Bedürfnisse der Benützer. Diese müssten aber am Anfang der Entwicklung stehen, bei jedem Schritt mitgedacht und laufend abgetestet werden. Die Qualität der Usability-Maßnahmen muss schon im Entstehungsprozess gesichert sein. Denn, so Tscheligi ganz philosophisch: "Nicht das technisch Mögliche, sondern der Mensch ist das Maß aller Dinge." (Petra Rathmanner / DER STANDARD Printausgabe, 10.6.2003)

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