Henne und Ei im Freiluftlabor

10. Juni 2003, 10:47
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Win Vienna: Kompetenzzentrum EC3 will die Donauplatte vernetzen

Online die Parkgarage bezahlen, von unterwegs die Verkehrslage checken, im Warteraum des Arztes vorab eine virtuelle Nummer ziehen. Technisch möglich, doch die entsprechenden Dienste müssen erst entwickelt werden. Die Firmen warten aber derzeit ab - es gebe noch nicht genügend Interessenten.

Probleme

Die Endgeräte wären zwar schon am Markt - teure UMTS-Handys, beispielsweise, aber auch PDAs, die über das Funknetz WLAN mit dem Internet verbunden werden können. Es kauft sie aber keiner. Schließlich gibt es noch keine Dienste. "Das ist ein bisschen das Henne-Ei-Problem", erklärt Karl Fröschl, der wissenschaftliche Leiter des industriellen Kompetenzzentrums EC3.

Vorlegen

Nun soll die Henne einen Stups bekommen, indem das Ei mit Technologie versorgt wird: Mit dem Projekt Win Vienna will EC3 auf der Donauplatte in Wien einen Freilandversuch errichten. Privatpersonen wie Firmenmitarbeiter sollen mit gratis Endgeräten ausgestattet werden, das Techgate mit WLAN vernetzt.

Welche Dienste für wen

Wobei: Es gehe nicht um Technologie, so Fröschl, sondern um das Kompetenznetz. Um die Frage, welche Dienste für welche Menschen wann interessant sind. Was bei einem derartigen Versuch durch die Nutzerdaten und Umfragen klarer werden dürfte.

Interesse an Alltagslabors besteht auch international: In Kopenhagen soll über das Projekt Crossroads ein ganzer Stadtteil vernetzt werden, in Leiden und Bremen finden Versuche statt.

Finanzen

In Wien könnte man eigentlich Anfang 2004 schon loslegen, meint Fröschl. Der Haken an der Sache: die Finanzierung. "Es gibt im Moment Sondierungsgespräche, aber noch nichts Konkretes", so Fröschl. Sechs- bis siebenstellige Millionenbeträge wären erforderlich, schätzt er, um die Donauplatte und ihre Bewohner mit der notwendigen Technik zu versorgen und das Projekt ins Rollen zu bringen. Ein Trägerkonsortium solle einen Teil übernehmen, zusätzlich hofft er auf eine öffentliche Förderung. An der Planung waren unter anderem T-Mobile Austria und das Wiener Rote Kreuz beteiligt. (wpl / DER STANDARD Printausgabe, 10.6.2003)

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