Raketen auf Gaza gefährden Anlauf zu neuem Friedensplan

11. Juni 2003, 06:44
92 Postings

Prominenter Hamas-Funktionär überlebt Raketenbeschuss durch israelische Armee im Gazastreifen - Zwei Passanten getötet

Kurz nachdem Israel begonnen hatte, "Siedlungsvorposten" zu räumen, kam am Dienstag der Versuch, einen der prominentesten Hamas-Funktionäre zu "liquidieren", dem Anlauf zur Umsetzung des neuen Friedensplans schon wieder in die Quere. Ein Auto in einem Konvoi, in dem Abdelaziz Rantisi fuhr, wurde im Zentrum von Gaza von mindestens fünf Raketen getroffen. Rantisi selbst hatte den israelischen Kampfhubschrauber offenbar gesehen und war aus dem Wagen gesprungen, er hat leicht verletzt überlebt. Zwei Passanten wurden getötet und mehr als 20 Menschen verletzt, darunter auch Rantisis Sohn und einige seiner Leibwächter.

Der 52-jährige Kinderarzt Rantisi steht Hamas-Gründer Scheich Ahmed Yassin nahe und hat in den letzten Jahren regelmäßig in den internationalen Medien den Standpunkt der radikalen Palästinensergruppe erklärt. Erst am letzten Wochenende hatte er den Angriff auf eine israelische Armeestellung an der Grenze zum Gazastreifen gerechtfertigt und als Signal an den palästinensischen Premier Mahmud Abbas bezeichnet, der beim Nahostgipfel in Akaba zu nachgiebig gewesen sei.

Es werde für Abbas nun viel schwieriger sein, eine Waffenruhe der extremen Gruppen zu erwirken, hieß es bei den Palästinensern. Laut Minister Jassir Abed-Rabbo hat Israels Premier Ariel Sharon mit dem Raketenschlag "die Zerstörung der Roadmap bezweckt". In Jerusalem hieß es lakonisch, solange die Palästinensische Behörde nichts gegen den Terror tue, könne Israel seine Politik nicht ändern.

Von der anderen Seite wurde Sharon von alarmierten jüdischen Siedlern kritisiert, die bisher nicht so recht geglaubt hatten, dass ihr bisheriger Schirmherr wirklich Ernst machen würde. Am Montagnachmittag war die "Operation entblößter Hügel" Hügel angelaufen, bis Dienstagfrüh hatte die Armee zehn der so genannten "illegalen Vorposten" abgerissen, zu deren Räumung sich Sharon verpflichtet hatte. Doch zunächst wurden nur unbewohnte Stützpunkte mit leeren Containern, einem Wachturm oder einer Antenne ins Visier genommen. Tumulte wurden bei der als Nächstes geplanten Räumung von fünf bewohnten Vorposten erwartet.(DER STANDARD, Printausgabe, 11.6.2003)

Von Ben Segenreich
  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.