Wireless Weltmeister

10. Juni 2003, 10:40
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Wien ist bei WLAN ganz vorne - Neue Generationen werden kräftig gepusht

102 sind es in San Francisco, 115 in New York. Die Spitze der WLAN-Hotspot-Liste aber hält eine Stadt aus good old Europe: Mit 136 ist Wien "Weltmeister des drahtlosen Internets", jubelt der österreichische Wireless-Pionier Metronet. In ganz Österreich hat Metronet in einem Jahr rund 250 Hotspots eingerichtet. In Cafés oder auf Flughäfen kann jeder, der seinen mit einer WLAN-Karte aufgerüsteten Laptop dabei hat, E-Mails abrufen und im Web surfen.

Projekte

Aber nicht nur hierzulande, überall auf der Welt schossen die drahtlosen Funknetze in den vergangenen Monaten wie Pilze aus dem Boden. Sogar in den Lüften und unter der Erde: Die Lufthansa testet derzeit auf Langstreckenflügen eine WLAN-Internetverbindung an Bord. Und die Pariser Transportbehörde RATP startete Ende Mai ein WLAN-Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit dem Netzwerkspezialisten Cisco. Ein Jahr lang soll getestet werden, ob es möglich ist, in die Infrastruktur des U-Bahn-Systems ein Netzwerk zu integrieren.

Wachstum

Die Prognosen verheißen dem Übertragungsstandard Wireless Fidelity (WiFi, siehe Wissen) weiterhin einen rasanten Anstieg. Laut Marktforschungsinstitut Gartner gab es Ende 2002 weltweit rund 6000 öffentliche "Hotspots", an denen die Einwahl in ein drahtloses Funknetz möglich war. 2006, so die Schätzungen, werden knapp 100 Millionen Anwender drahtlose Netzverbindungen nutzen.

Potential

Kein Wunder, dass sich die Industrie diesen Markt nicht entgehen lässt. Microsoft und Cisco pushen die Technologie ebenso wie Chiphersteller Intel, der 300 Millionen Dollar in die Werbung für seinen neuen Wireless-fähigen Laptop-Chip steckte. Mit AT&T und IBM ist Intel eine Partnerschaft eingegangen, die Kunden - ob Luxushotel oder McDonald's - mit Netzen ausstattet.

Eingebaute Ausstattung

Das US-Marktforschungsunternehmen Cahners In-Stat geht davon aus, dass 90 Prozent aller neuen Laptops, die 2005 verkauft werden, über eingebaute WiFi-Ausstattung verfügen. 2002 waren es nur 5,7 Prozent. Der Trend ist eindeutig - und die Telekommunikationsindustrie ignoriert ihn nicht. Netzbetreiber und Ausrüster, die viele Milliarden in die Zukunft der dritten Mobilfunkgeneration investiert haben, sehen schon ihre potenzielle Kundenschar abwandern: Während die UMTS-Bandbreiten derzeit noch nicht viel mehr als Versprechungen darstellen, schafft WiFi bereits ein Vielfaches dieser Übertragungsrate.

Speed

Die nächste Generation, die in den USA schon läuft und in Europa in den kommenden Monaten an den Start geht, verfünffacht diese Leistung. Doch der Highspeed-Bonus, den WiFi verbuchen kann wird geschmälert durch den engen Radius, in dem die Technologie funktioniert. Bei besten Verhältnissen im Freien beträgt die Reichweite eines Access Points 500 Meter. Um eine flächendeckende Versorgung herzustellen, müsste der Globus mit einem dichten Netz von Hotspots überzogen werden - alle paar hundert Meter einer. Das halten selbst die hartgesottenen WLAN-Aficionados für Utopie. Ideal wäre die Kombination von überregionaler Verfügbarkeit und Highspeed. Die Branche sieht daher, was 3G-Technologien und WiFi betrifft, eher ein Miteinander als ein Gegeneinander. Die großen Telekomkonzerne betrachten WiFi ja längst als wichtige Ergänzung.

  • T-Mobile betreibt bereits heute über 2006 Hotspots - hauptsächlich in den Starbucks-Cafés in Amerika - und ist damit der größte Anbieter weltweit. Seit vergangenem November betreibt T-Mobile auch WLAN-Standorte in Österreich und Deutschland.

  • Swisscom Mobile hat zwei Public-WLAN-Provider in Deutschland und Großbritannien gekauft. Kunden des Unternehmens können damit an 800 Hotspots in diesen beiden Ländern drahtlos surfen.

  • Die Vodafone Group will eine "deutlich dreistellige Zahl an Hotspots" einrichten.

  • Große Internetprovider wie T-Online oder der französische Marktführer Wanadoo bieten WLAN-Packages an, mit denen die eigene Wohnung zum Hotspot wird.

Brian Grimm, Direktor der Industrievereinigung WiFi-Alliance, ist überzeugt, dass der drahtlose Siegeszug nicht aufzuhalten ist: "Ich kenne niemanden, der wireless gearbeitet hat und auf diese Möglichkeit dann wieder verzichtet. Ein Mobiltelefon gibt man auch nicht mehr her". (Michaela Streimelweger / DER STANDARD Printausgabe, 10.6.2003)

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    montage: redaktion
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