Haftstrafen für "Nigeria Connection"-Betrüger

10. Juni 2003, 09:34
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Großer Gewinn per Mail versprochen - Opfer gingen leer aus - Schweizerisches Opfer verhalf zu Verhaftung der Amsterdamer Bande

Ein niederländisches Gericht hat sechs Amsterdamer wegen E-Mail-Betruges zu Haftstrafen zwischen zehn Monaten und viereinhalb Jahren verurteilt. Zwei der Täter müssen Berichten niederländischer Medien zu Folge auch je 205.702 Euro an eines ihrer Opfer zurückzahlen. Ihre Tricks waren die seit den 80er-Jahren bekannten Maschen mit angeblichen Lotterie-Gewinnen oder Bitten um Hilfe beim Transfer grösserer Geldmengen.

Tausende Dollar an "Transfer-Gebühren"

Die Sechs, die je zu Hälfte auf Nigeria und dem Benin stammen, hatten tausende E-Mails, Faxe und Briefe an Personen in aller Welt verschickt, um leichtgläubige Opfer nach Amsterdam zu locken, von wo aus die Bande operierte. Leider gibt es immer wieder Menschen, die auf solche Betrügereien hereinfallen. Ein Russe hatte nach der Benachrichtigung über einen angeblichen Lotterie-Gewinn tausende Dollar an "Transfer-Gebühren" und sogar für ein "Non Drugs Statement" bezahlt. Erst als er weitere 35.000 Dollar für ein "Non Terrorism Statement" berappen sollte, ging dem Opfer in Licht auf.

Reinigung de Banknoten

Ein schweizerischer Professor wiederum hatte 482.000 Dollar locker gemacht, nachdem ihm neun Mio. Dollar für seine Hilfe beim Waschen grosser Geldmengen versprochen worden waren. Unter anderem war ihm weis gemacht worden, das Geld würde für den Kauf von Chemikalien verwendet, die zur Reinigung der Banknoten benötigt würden. Der um viel Geld erleichterte Schweizer lockte in Zusammenarbeit mit der niederländischen Polizei fünf der sechs Verbrecher im Sommer 2002 auf einen Amsterdamer Bahnhof, wo die Handschellen klickten. Der Sechste wurde einige Monate später geschnappt.

Mehrere Millionen Euro Schaden

Wie viel Geld die Betrügereien eingebracht haben ist unklar, die Behörden gehen von mehreren Mio. Euro aus. Bei der Polizei haben sich bislang über 20 Opfer gemeldet, was aber nur die Spitze des Eisberges darstellen dürfte. Vielen Opfern ist ihre Naïvität im Nachhinein peinlich. Fünf der Verurteilten hatten im Gerichtsverfahren jede Aussage verweigert. Nur der von der Anklage als Anführer der Bande Beschuldigte hatte jede Beteiligung abgestritten. Die auf seiner Festplatte gefundenen betrügerischen Schreiben und die in seinem Terminkalender notierten Namen verschiedener Opfer konnte der Mann allerdings nicht erklären.

Die Kreativität der Übeltäter ist indes beachtlich. Neueste Mode sind E-Mails mit Bezügen zu real erscheinenden oder gar realen Ereignissen im Irak.(pte)

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