Blitze hinterlassen Fingerabdruck im Internet

10. Juni 2003, 09:29
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Auf Web-Site wird jedes Gewitter erfasst - Service über SMS

Es ist wieder so weit: Mit dem Sommerwetter haben auch Blitz und Donner Saison. Zwar warnen Meteorologen vor herannahenden Unwettern, aber für die genauere Beschreibung einer Unwetterfront reichen Luftdruckmessung und Satellitenbilder nicht aus. Seit Anfang der neunziger Jahre bemüht man sich deshalb auch in Deutschland, die elektromagnetische Spur von Gewittern mit moderner Messtechnik zu erfassen. Schließlich entlädt ein Blitz Stromstärken bis zu 300 Kiloampere, und sendet einen entsprechend starken Funkimpuls aus.

Projekt

1999 starteten Techniker des Elektronikkonzerns Siemens eine frei zugängliche Web-Site, auf der unter anderem eine halbstündlich aktualisierte Karte aller registrierten Blitze abrufbar ist. Beim Blitz-Informationsdienst (Blids) werden diese Daten auch als Grafik dargestellt. Gegen ein geringes Entgelt lässt sich ein persönlicher Gewitteralarm einrichten, bei dem man per SMS oder E-Mail vor herannahenden Unwettern im Bereich einer vorher angegebenen Postleitzahl gewarnt wird.

Technik

Blids beruht auf den Messdaten von derzeit 60 Stationen in Deutschland, Frankreich, der Schweiz und angrenzenden Ländern. 16 davon gehören Siemens, der Rest ist über das europäische Projekt Euclid (European Cooperation for Lightning detection) angeschlossen. Bis auf 300 Meter genau können Blitze so geortet werden. "Die Abdeckung ist sehr gut", sagt Eric Pitte, der technische Leiter des Projekts. Die Stationen sind Kurzwellen-Empfänger, die das elektromagnetische Signal eines Blitzes einfangen. Das geht dann umgehend an den Blids-Zentralrechner in der Siemens-Niederlassung Karlsruhe. Hier werden die "Fingerabdrucke" des Blitzes ermittelt, das sind seine Polarität und Stromstärke, sowie die genaue Uhrzeit und der Ort des Einschlags.

Unterscheidung

Grundsätzlich, erläutert Siemens-Techniker Peter Betsch, gibt es zwei Sorten von Blitzen: Bodenblitze, die sich auf der Erde entladen, sowie Wolkenblitze, die sich von Wolke zu Wolke entladen. Bei den gefährlicheren Bodenblitzen wird unterschieden, ob sich der Pluspol in der Wolke oder am Erdboden befindet.

Vorherrschend

Diese Daten sollen dann in Sekundenschnelle auf dem Bildschirm der Kunden zu sehen sein. Als das Projekt 1991 startete, ließen sich vor allem Versicherungen und Energieversorgungsunternehmen anschließen. Versicherer können so etwa bei einem Brandschaden nachrecherchieren, ob an dem Ort tatsächlich ein Blitz registriert wurde. Aber auch Geschädigte können den Service in Anspruch nehmen. Denn Blids speichert seine Messdaten über lange Zeit. Energiekonzerne wiederum möchten vor allem kurzfristig auf Stromausfälle reagieren können, oder sie gleich vermeiden, indem sie Schaltwege anders lenken. Außerdem wollen die Betreiber von Hochspannungsleitungen nicht von Gewittern überrascht werden, wenn sie gerade Wartungsarbeiten durchführen.

Anwendungen

Im Lauf der Jahre sind Polizei, Feuerwehren sowie Wetterdienste als Neukunden hinzu gekommen. Die Zahl der Kunden ist Vertriebschef Stephan Thern zufolge stabil - "das Geschäft läuft". Allerdings sei der Andrang beim Online-Angebot, mit dem man zusätzlich die breite Bevölkerung ansprechen wollte, "nicht so groß". Thern führt das vor allem auf die noch immer mangelnde Bereitschaft zum Online-Zahlungsverkehr zurück.

Zahlreich

Blids verzeichnet übrigens zwischen 600.000 und einer Million Blitze pro Jahr. Regional nimmt die Häufigkeit von West nach Ost deutlich ab. Die höchste Blitz-Wahrscheinlichkeit hat Peter Betsch zufolge die Region nördlich von Frankfurt am Main. (APA)

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