Monrovia von Rebellen belagert

10. Juni 2003, 20:28
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Furcht vor Blutbad im westafrikanischen Liberia - Gruppe von Ausländern sitzt fest - Mit Infografik

Mit einer letzten Vermittlungsinitiative versuchten afrikanische Politiker am Dienstag eine blutige Entscheidungsschlacht der liberianischen Bürgerkriegsparteien um Monrovia zu verhindern. Eine Gruppe westlicher Ausländer saß unterdessen in einem von Rebellen kontrollierten Stadtviertel fest.

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Monrovia - Von den innerliberianischen Friedensverhandlungen in Ghana wollte am Dienstag eine Delegation westafrikanischer Politiker nach Monrovia fliegen, um Präsident Charles Taylor zum Aufgeben zu bewegen. Die Stadt wurde weiter von den Rebellen belagert. Die Gefechte sind am Dienstag nach einer kurzen Feuerpause erneut aufgeflammt.

Am Morgen waren angesichts trügerischer Ruhe viele Einwohner von Monrovia in die Geschäfte geströmt, um ihre Lebensmittelvorräte wieder aufzufüllen. In einem am Vortag evakuierten Diplomatenviertel wurden die Supermärkte geplündert.

Taylor demonstrierte seinen Durchhaltewillen mit einer Fahrt zum Hafen von Monrovia, weniger als zehn Kilometer vom Ort der Kämpfe entfernt. Mit einem Zangenangriff von Norden und Südwesten wollen die Regimegegner Taylor stürzen. Dieser wird für den Beginn des verheerenden Bürgerkrieges von 1989 verantwortlich gemacht, der in den 90er-Jahren eine Million Menschen zu Flüchtlingen machte.

Eine Gruppe von westlichen Ausländern hielt sich am Dienstag weiterhin im von den Rebellen kontrollierten Nordwesten Monrovias versteckt. Die letzte Woche von Rebellen Verschleppten, die später wieder freigelassen wurden, versuchten auf von der Regierung kontrolliertes Gebiet zu gelangen. Die Gruppe sei mittlerweile in einem neuen Versteck untergekommen und auf bis zu 17 Mitglieder angewachsen, hieß es.

Die französische Armee hatte am Montag rund 500 Ausländer aus Monrovia ausgeflogen. Die USA haben am Dienstag zum Schutz ihrer Botschaftsvertretungen 35 Soldaten nach Liberia entsandt. Der UN-Sicherheitsrat in New York berief eine Dringlichkeitssitzung ein. (Reuters, AP, AFP, sda, red/DER STANDARD, Printausgabe, 11.6.2003)

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    Bereits am Montag wurden zahlreiche US-amerikanische Staatsbürger evakuiert.

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