Österreich

Unternehmen bewerten Ungarn positiv

13. Jänner 2012, 14:48

Die Wirtschaftsdelegierte spricht von insgesamt sieben Milliarden Euro Investitionen mit rund 2000 Niederlassungen

Wien/Budapest - Die ungarische Wirtschaft hat sich seit der globalen Krise 2008 nicht mehr erholt, allerdings sei die Stimmung unter den im Nachbarland tätigen österreichischen Unternehmen nicht so schlecht, wie "der mediale Hype" um die angespannte Finanzlage vermuten ließe. Das sagte Erika Teoman-Brenner, österreichische Wirtschaftsdelegierte in Budapest, am Freitag. Für Österreich war Ungarn in den ersten zehn Monaten 2011 mit einem Exportvolumen von 3,14 Milliarden Euro (+14,68 Prozent) der siebentwichtigste Exportmarkt, unangefochten an der Spitze der Exportmärkte Österreichs liegt nach wie vor Deutschland mit 31,78 Milliarden Euro. Von den anderen Ländern Zentral- und Osteuropas (CEE) ist für die österreichische Exportwirtschaft nur Tschechien wichtiger als Ungarn.

Den bisherigen Rekord bei den Exporten nach Ungarn schaffte die österreichische Wirtschaft im Jahr 2008 mit Ausfuhren im Wert von 4,2 Milliarden Euro, die im letzten Quartal 2008 einsetzende globale Krise führte 2009 zu einem Einbruch um fast 31 Prozent. Dieser Rückgang sei ähnlich stark gewesen wie auf anderen Märkten, sagte Teoman-Brenner. Seither hätten die österreichischen Unternehmen ihre Präsenz in Ungarn reduziert, Rückzüge größerer Unternehmen habe es aber nicht gegeben.

Gute gehende Pharmabranche

Pauschal würde Teoman-Brenner Unternehmen von Investitionen in Ungarn nicht abraten. Man müsse sich die Branchen aber genau anschauen. Die Ungarn hätten nach wie vor eine gut gehende Pharmaindustrie, die auch von österreichischen Unternehmen beliefert werde. Dagegen sehe es derzeit bei den Lebensmittelexporten schlechter aus, die geringe Margen hätten und von den Steuererhöhungen sowie der Forintschwäche betroffen seien.

Bisher haben die österreichischen Unternehmen in Ungarn mehr als sieben Milliarden Euro investiert, im Vorjahr waren es 290 Millionen Euro, berichtete die Wirtschaftsdelegierte. Ihren Schätzungen zufolge haben österreichische Unternehmen rund 2000 Niederlassungen in Ungarn. Die Investitionsdynamik hat sich laut AWO-Wirtschaftsreport vom Dezember in den letzten Jahren verlangsamt, wobei vor allem in die Erweiterung der Betriebe in Ungarn investiert wird. Marktführend in Ungarn sei Österreich bei der Ziegel- und Zuckerproduktion, in der Papierbranche sowie in der Bauindustrie. Allerdings habe die Bautätigkeit deutlich nachgelassen, im Wohnbau schon seit 2006. Auch der Autobahnbau stocke, es gebe kaum neue Ausschreibungen, so Teoman-Brenner.

Die letzte österreichische Großinvestition in Ungarn war die Übernahme der ehemaligen staatlichen Güterbahn MAV Cargo (nun Rail Cargo Hungaria) durch die ÖBB Anfang 2008 um knapp 400 Millionen Euro.

Umstrittene Steuern

Für Ungarn sei Deutschland wie für Österreich der wichtigste Handelspartner, daher hänge die Wirtschaftslage in Ungarn wesentlich von der deutschen Konjunktur ab, schilderte Teoman-Brenner. Zuletzt hat sich auch die deutsche Wirtschaft abgekühlt. Besonders im Automotivbereich seien aber viele deutsche Unternehmen wie etwa Daimler und Bosch in Ungarn und spürten bisher noch wenig von der schwachen Wirtschaftsentwicklung. Auch die österreichischen Autozulieferer würden nach Ungarn exportieren.

Von den in Ungarn eingeführten Krisensteuern seien vor allem die österreichschen Banken durch die Bankenabgabe und die Einzelhandelsunternehmen wie etwa Spar betroffen. Die Erste Group und RBI haben bereits zum Sparstift gegriffen. Auch die UniCredit-Tochter Bank Austria ist etwa von der Zwangskonvertierung der Fremdwährungskredite betroffen, sei aber eine der wenigen profitablen Banken in Ungarn, sagte Bank-Austria-Ostvorstand Gianni Franco Papa Ende Dezember. Das Exposure der Austro-Banken in Ungarn wird auf rund 50 Milliarden Euro geschätzt.

Der Einzelhandel stöhnt aber nicht nur wegen der Krisensteuer, sondern auch auch unter der Erhöhung der Mehrwertsteuer. Sie wurde im Juli 2009 von 20 auf 25 Prozent erhöht, seit Anfang Jänner 2012 beträgt sie 27 Prozent - der Spitzenwert in der EU.

Schlechte Konjunturaussichten

Für heuer erwarten die Analysten und Ökonomen bestenfalls eine Stagnation der ungarischen Wirtschaft, viele gehen aber bereits von einem Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Aufgrund zahlreicher Gesetze liegt Ungarn nicht nur mit der EU, sondern auch mit dem IWF im Clinch. Allerdings wird das Land auf den Finanzmärkten deutlich unter Druck gesetzt und bemüht sich nun um einen erneuten Kredit beim Internationalen Währungsfonds (IWF). Bereits 2008 wurde Ungarn vom IWF, der EU und der Weltbank mit 20 Milliarden Euro vor dem drohenden Staatsbankrott gerettet. (APA)

Janosch bacsi
00
14.1.2012, 17:52

Dann ist eh alles in Butter in Ungarn.

globetrottel
03
14.1.2012, 17:26

Na endlich einmal ein Artikel, der klarmacht, dass die WIRTSCHAFT in Ungarn gar nicht einmal so schlecht geht - Unternehmen, v.a. exportorientierte, sind recht erfolgreich.
Staatsfinanzen sidn ein anderes paar Schuhe, das sollte nicht immer wieder mit der "realen Wirtschaft" in einen Topf geworfen werden.

Sandor Kocsis
00
16.1.2012, 13:46

wohl in der Pharmaindustrie tätig :-)

globetrottel
00
16.1.2012, 16:40

Vielleicht so ähnlich - aber a bisserl daneben ist auch vorbei ;-)

Sandor Kocsis
02
16.1.2012, 22:37

tja, das musst Du als GAKler ja wissen :-)

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