Die Kreditinstitute wollen an den zu tauschenden Anleihen mehr verdienen, die Hedge Fonds wollen die Pleite Griechenlands
Athen/Brüssel - Die Gespräche zwischen der
griechischen Regierung und den Gläubigerbanken über einen
Forderungsverzicht sind am Freitag unterbrochen worden. Der
Internationale Bankenverband IIF erklärte, die Pause solle "Zeit für
ein Nachdenken über die Vorteile eines freiwilligen Ansatzes" geben.
Finanzminister Evangelos Venizelos sagte, die Gespräche würden
vermutlich am Mittwoch fortgesetzt. Es hake aber noch an einigen
Ecken.
Auch der IIF nannte Mittwoch als neuen Termin. Beteiligte
erklärten, die Banken könnten per Gesetz zu einem erheblichen
Forderungsverzicht gezwungen werden. Ein Verhandlungsteilnehmer
erklärte, die Unterhändler seien inzwischen allgemein weniger
optimistisch, was die Chancen auf eine Einigung angehe. Bei einem
Scheitern drohten nach Einschätzung der Regierung in Athen
katastrophale Folgen für Griechenland und Europa.
Griechischen Quellen zufolge pochen die Banken auf einen höheren Zinssatz der neuen
Anleihen, die nach dem Schuldenschnitt von 50 Prozent die alten
ersetzen sollen, und um Garantien, dass es keinen weiteren Schnitt
geben werde. Außerdem werde verhandelt, ob bei möglichen juristischen
Verwicklungen griechisches oder - wie die Banken fordern - britisches
Recht gelten soll. Die Umschuldung gilt als entscheidender Baustein
für das zweite, 130 Milliarden Euro schwere Hilfsprogramm für Griechenland
und ist auch Voraussetzung für weitere Hilfskredite. Das Paket ist auch Anlass für den Besuch der Experten von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank
(EZB) nächster Woche in Athen.
Euro-Austritt laut Bankchef Treichl möglich
Erste-Bank-Chef Andreas Treichl hält den Austritt
Griechenlands aus der Eurozone für realistisch. "Griechenland ist in
einer desperaten Situation. Das Land kann sich leichter erholen, wenn
es aus dem Euro draußen sein wird" wird er von der "Presse" (Samstagsausgabe) zitiert.
Hedge-Fonds wollen Kasse machen
Aber selbst bei einer Einigung mit dem IIF hätten die einzelnen
Investoren bis zu sechs Wochen Zeit um zu erklären, ob sie überhaupt
am Schuldenschnitt teilnehmen. Vor allem Hedge-Fonds weigern sich
nach Medienberichten und setzen entweder auf die volle Auszahlung der
griechischen Schulden oder die Auszahlung aus Ausfallversicherungen.
Deswegen könnte der Schuldenschnitt die angepeilten 100 Milliarden Euro
verfehlen. Dann wären zusätzliche Hilfen für Athen nötig.
Das Kalkül der primär in London ansässigen Finanzmanager ähnelt an Schach. Dass sie selbst bei einem 50-prozentigen Haircut noch einen Gewinn einstreichen würden, ist ihnen nicht Geschäft genug. Dabei wäre bei Einkaufspreisen von 20 bis 45 Cent pro Euro einer griechischen Staatsanleihe die Rendite lukrativ. Ihre Rechnung geht aber so: Falls Griechenland
pleitegehen sollte, werden Kreditausfallversicherungen (CDS) fällig -
die den gesamten Nominalwert der Hellas-Bonds ersetzen.
Etliche Hedgefonds, die den Banken die toxischen Anleihen
abgekauft und sich zusätzlich mit CDS eingedeckt haben, wetten
anscheinend genau darauf. Für sie wäre es viel lukrativer, wenn die
Gespräche über die Beteiligung privater Gläubiger an der
Griechenland-Rettung scheitern und möglicherweise schon im März die
Zahlungsunfähigkeit des Landes ausgerufen wird.
"Ich denke, wir sitzen das aus"
"Ich denke, wir sitzen das aus", bringt es ein Hedgefonds-Manager
auf den Punkt. "Die Politik in Europa ist so langsam. Es kann ewig
dauern, bis die eine Lösung haben. Das hier ist wahrscheinlich die
einzige Gelegenheit für Investoren, voll ausgezahlt zu werden." Für
die Politik aber wäre es ein großer Gesichtsverlust, die Hedgefonds
wegen der CDS davonkommen zu lassen. "Das ist genau das, was die
Staaten hassen", sagt ein Insider, der Einblick in die
Gläubigerverhandlungen hat.
Die Beträge, um die es in Griechenland geht, sind gewaltig. Von
den Staatsschulden liegen mehr als 200 Milliarden Euro bei privaten
Gläubigern - Banken, Versicherer, Fonds aller Art. Wie viel davon auf
Hedgefonds entfällt, darüber rätselt selbst die Branche. Bis zu 25
Prozent der privaten Gläubiger konnten bisher nicht identifiziert
werden, heißt es in Finanzkreisen. Das könnte erklären, warum die
ursprünglich geplante Beteiligungsquote von 90 Prozent aller
Voraussicht nach nicht erreicht wird. Die Krux: Stimmen weniger
Gläubiger dem geplanten Forderungsverzicht von 50 Prozent zu, dann
kommen die erhofften 100 Milliarden Euro nicht zusammen.
Politik kennt Motive nicht
Die im Verborgenen agierenden Hedgefonds sind schwer zu fassen.
Mehrere Personen aus dem Umfeld der Gläubigerverhandlungen verweisen
unter anderem auf die beiden amerikanischen Größen York Capital
Management und Och-Ziff Capital Management, die Kundengelder im
zweistelligen Milliarden-Dollar-Bereich verwalten. Die Hedgefonds
hätten zusammen inzwischen so viele Hellas-Bonds angehäuft, dass sie
mit ihrem Gewicht die Gläubigerbeteiligung leicht torpedieren
könnten, heißt es. Die Firmen selbst äußern sich nicht dazu.
Fragen werfen allerdings zwei andere Beispiele auf: So sitzen die
beiden Hedgefonds Marathon Asset Management und Greylock Asset
Management mit am Verhandlungstisch für die Gläubigerbeteiligung.
Beide Firmen sind auf den Ankauf notleidender Bonds aller Art
spezialisiert. Gut möglich, dass sie sich am Ende mit einem kleinen
Gewinn zufriedengeben statt hoch zu pokern, also 50 Prozent statt 100
Prozent nehmen. Aber Genaues weiß man nicht. (APA)