Europas Schuldenkrise machte sich auch in New York bemerkbar. Nicht nur die Umsätze bei Auktionen schrumpften
Vom Zahltag an der Wall Street profitieren nicht nur Produzenten
PS-starker Luxuskarossen, sondern auch der Kunstmarkt. Investmentbanker
sind fixer Bestandteil des Kundenportfolios, sowohl in der
Auktionsbranche als auch in der Galerienszene. Anfang 2011, als die
amerikanischen Banken ihren Topmanagern etwa 90 Milliarden Dollar
ausbezahlten, dürfte man sich insofern die Hände gerieben haben. Wie
viele dieser Bonuszahlungen direkt in Kunst investiert wurden, ist nicht
bekannt.
Gemessen an den lokal zugeordneten Umsätzen lag Europa nach den ersten
sechs Monaten mit einem Anstieg von knapp 25 Prozent gegenüber 2010
vorne, während sie auf dem amerikanischen Kontinent im gleichen Zeitraum
um etwa 15 Prozent schrumpften.
Detaillierte Bilanzen werden von Christie's und Sotheby's erst in den
nächsten Wochen veröffentlicht, aber es gilt anzunehmen, dass sie mit
jenen aus 2010 nur bedingt mithalten können. Denn von der europäischen
Schuldenkrise und daraus resultierenden Finanzmarktkapriolen blieb
niemand verschont. Auch nicht die Banker, denen man Ende Oktober eine um
bis zu 30 Prozent reduzierte und damit schwache Bonussaison prophezeite.
Dass die Absatzquoten der kaum zwei Wochen später in New York
anberaumten Auktionen vergleichsweise miserabel ausfielen, mag ein
Zufall sein, spiegelte aber jedenfalls die allgemeine Stimmung wider. Am
stärksten war übrigens das Spitzenpreissegment davon betroffen,
besonders deutlich bei Impressionist & Modern Art, während die Sparte
Post War & Contemporary dank einer spendableren Fangemeinde glänzte.
Eine Entwicklung, die auch das Ranking der zehn höchsten in New York
verzeichneten Auktionszuschläge dokumentiert. Noch 2010 hielten
impressionistische bzw. Kunstwerke der Moderne vier Platzierungen und
mussten das Feld - bis auf eine Ausnahme - 2011 gänzlich der
zeitgenössischen Konkurrenz überlassen. Einzig Gustav Klimts vom
Salzburger Museum der Moderne restituiertes Litzlberg am Attersee
schaffte es mit 40,4 Millionen Dollar auf Platz drei. Zeitgleich
schrumpfte das Wertvolumen dieses Spitzenfeldes um etwas mehr als 30
Prozent, von knapp 520 Millionen (2010) auf 358 Millionen Dollar.
An Attraktivität hat New York für die Kunstbranche trotzdem nicht
verloren, wie die prosperierende Messeszene samt neuer Formate unter
Beweis stellt. Allein im März und im Mai stehen nicht weniger als zehn
Events auf dem Programm, darunter die Armory Show (8.-11. 3.) oder das
mit Spannung erwartete Debüt der Frieze New York (4-7. 5.). Und dort
sollten selbst zum Sparen verdonnerte Investmentbanker fündig werden, so
der Besitz von Kunst fern jedweder Spekulationsfantasien Teil ihres
Lifestyles ist. (kron / DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.1.2012)