Die politische Elite im Land habe wegen der Wirtschaftskraft der Piraten kein Interesse an deren Ende, heißt es in einer Studie von Chatham House
London - Piraterie ist für Somalia einem Bericht zufolge
mittlerweile zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor und Wachstumsmotor
geworden. Ein konsequentes militärisches Durchgreifen, mit dem
Piraten gestoppt werden sollten, könnte die Entwicklung vor Ort
durchaus "ernsthaft beeinträchtigen", heißt es in der Studie der
britischen "Denkfabrik" Chatham House: "Die positiven
wirtschaftlichen Auswirkungen der Piraterie sind weit verbreitet."
Für den Bericht wurden unter anderem Satellitenbilder aus mehreren
Jahren ausgewertet und verglichen. Auf diesen zeigt sich, dass in
Städten neue Gebäude entstanden und alte renoviert wurden. Zudem gibt
es mehr Autos. Die Piraten scheinen vor allem in den regionalen
Hauptstädten Garowe und Bosasso zu investieren und nicht an den
Küsten, von denen aus sie tätig seien, schrieb die Autorin Anja
Shortland. Wegen der wirtschaftlichen Bedeutung sei es unwahrscheinlich,
dass die politische Elite in der Region sich entschlossen für ein
Ende der Piraterie einsetze.
Experten seien sich schon lange einig, dass das Problem der
Piraterie durch Maßnahmen auf dem Land angegangen werden müsse. Denn
obwohl seit Jahren auf dem Wasser gegen Piraten vorgegangen werde,
habe es keine strategische Lösung gegeben.
Eine Möglichkeit könnte dem Bericht zufolge sein, auf die Menschen
in den Dörfern zuzugehen, die den Piraten zwar Unterschlupf
gewährten, daraus aber wenige Vorteile gezogen hätten. In diesen
Dörfern finde man eventuell mehr Offenheit gegenüber Lösungen, die
den Menschen dort Vorteile brächten. (APA)