Stadt an zwei Strömen und viel Meer

13. Jänner 2012, 17:31
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    Paolo Pellegrin, Stefan Pielow, "New York". Herausgeber Nikolaus Gelpke. € 59,70 / 144 Seiten. Mareverlag, Hamburg 2011

"New York", ein Fotoband von Paolo Pellegrin und Stefan Pielow

Es stimmt, man kann es kaum mehr hören: New York ist die meist fotografierte Stadt überhaupt. Aber man kann es immer noch sehen: dass an ihr tatsächlich neue Seiten zu entdecken sind - vor allem, wenn man ein gutes Thema hat. Mare, der Verlag, der sein Programm im Namen führt, hatte das Thema von Haus aus: New York als "Meertropole". Gegründet wurde sie ja als Hafen. Millionen kamen hier per Schiff am Tor zur Neuen Welt an und prägen die Stadt bis heute.

Zwei Fotografen erkundeten also das Leben an East, Hudson und Harlem River, Long Island Sound und Atlantik: Der italienische Magnum-Fotograf Paolo Pellegrin zeigt sie alle von oben, er sieht die Stadt in Nebel, Schnee und unter vielen Wolken (letztlich auch alles Wasser), verirrt sich nur manchmal im Beton der Häuserschluchten und im Granit des Central Park. Panoramen und Nahaufnahmen fügt er zu einem meist düsteren, durchwegs beeindruckenden Mosaik zusammen.

Einen ganz anderen Zugang wählte der Fotoreporter Stefan Pielow aus Deutschland. Er porträtiert Menschen, die in irgendeiner Weise mit dem alles umgebenden Element zu tun haben. Ob ein Angler an der Jamaica Bay, ein Containerhafen-Chef, eine Schwimmerin oder eine Jugendclique am Strand - Pielow hat sie an Ecken und Enden der Stadt gefunden und inszeniert sie in ihrem Habitat: Den Historiker Fritz Stern, der am liebsten in einem Ozeandampfer den Atlantik überquert, lässt er die verehrte Queen Mary 2 vom benachbarten Pier aus bewundern. Den Chefingenieur der Roosevelt Island Tramway lässt er in seiner Seilbahn über den East River gleiten. Und Annie Novak darf auf ihrem Dachgarten voller Beete, ebenfalls am Fluss, ihr Lieblingshuhn herzeigen.

Die völlig unterschiedlichen Zugänge der beiden Fotografen machen aus New York einen Führer zu einer vielfältig erlebbaren Urbanität, zu ebener Erde und aus der sicheren, abstrahierenden Distanz eines Helikopterflugs. Eine Studie also konträrer Möglichkeiten, dokumentarisch zu fotografieren. (Michael Freund / DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.1.2012)

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