Heimische Kreditversicherer meinen, die Krise sei in den Köpfen der Manager noch nicht angekommen
Wien - In den Köpfen der führenden Finanzmanager des Landes sind die
Vorzeichen der Krise trotz aller Warnungen noch nicht angekommen. Zu diesem
Ergebnis kommen die Kreditversicherer Prisma und OeKB in einer aktuellen
Umfrage, für die im November 300 Personen befragt wurden. Obwohl sich die
Zahlungsmoral tendenziell verschlechtert und die Insolvenzprognosen
pessimistischer werden, denken nur 35 Prozent der befragten Finanzchefs, dass
die Forderungsausfälle für das eigene Unternehmen zunehmen werden, ergab die
Befragung. Der Rest gab an, keine Probleme zu haben, wenn es um die
Zahlungsmoral ihrer Kunden geht.
"Die Finanzmanager betreiben da eine Art Vogel-Strauß-Politik: Sie wollen die
Krisenvorzeichen nicht sehen und rechnen nicht damit, dass auch ihnen
Auftragsrückgänge drohen. Dabei würde ein Blick auf die aktuelle Exportstatistik
genügen", so Helmut Altenburger, Vorstand der OeKB Versicherung, am Freitag in
einer Aussendung. Die typischen Vorboten einer Krise seien da. Die Exporte gehen
zurück, die Auftragslage in den Unternehmen sei ungewiss und die BIP-Prognosen
für 2012 werden nach unten korrigiert. Zudem seien die Auswirkungen der
Schuldenkrise und der anhaltenden Ratingabstufungen so gut wie nicht
vorhersehbar.
52 Prozent der Befragten glauben, das Risiko eines Zahlungsausfalles selbst
tragen zu können. Prisma-Vorstand Ludwig Mertes rechnet vor: "Bei einem
Zahlungsausfall von 100.000 Euro muss ein Unternehmen - eine Umsatzrendite von 5
Prozent vorausgesetzt - satte 2 Mio. Euro Mehrumsatz machen, um diesen
Forderungsausfall wieder wett zu machen." Die beiden Kreditversicherer schätzen,
dass in Österreich alleine 2011 mehr als 2 Mrd. Euro an Forderungen
abgeschrieben werden mussten. (APA)