Für Managemen ein gefaktes Störmanöver, das den Verkauf verzögern soll. Der beschuldigte Lieferant ist einer der Kaufinteressenten
Brixlegg - Das Management der Montanwerke Brixlegg hat am
Freitag anonym erhobene Korruptionsvorwürfe zurückgewiesen und die
Behauptungen als Störmanöver im gerade zu Ende gehenden
Verkaufsprozess bezeichnet. Der Brief ohne Absender, über den das
"Format" in seiner am Freitag erschienenen Ausgabe berichtet, "dient
offensichtlich dazu, das Vertrauen in den Vorstand und in die Arbeit
der Montanwerke Brixlegg Aktiengesellschaft zu erschüttern, und
bezweckt offenbar die Verzögerung und Beeinflussung des laufenden
Veräußerungsprozesses", erklärte Vorstand Robert Stibich.
In dem an den früheren A-Tec-Boss Mirko Kovats gerichteten Brief
wird behauptet, ein deutscher Lieferant habe Brixlegg Ware zu
überhöhten Preisen verkauft und die Firma dabei um 45 Mio. Euro
geprellt; "Teile der Geschäftsführung" hätten dies gewusst und
mitgeschnitten. Stibich wies die Behauptung als
belegbar falsch zurück, "es wurden zu keiner Zeit marktunübliche
Geschäfte mit irgendeinem unserer Lieferanten getätigt".
Kovats, der seit dem Ende des Sanierungsverfahrens im vergangenen
Oktober nicht mehr direkt in die Veräußerungen involviert ist, nimmt
laut Magazinbericht "die Vorwürfe sehr ernst". Masseverwalter
Matthias Schmidt will "der Sache sofort nachgehen".
Brixlegg steht als letzter verbliebener (großer) Restposten des
ehemaligen Milliardenkonzerns A-Tec in den nächsten drei bis vier
Wochen zum Verkauf an. Zu den Interessenten zählen sowohl
strategische als auch Finanz-Investoren. Auch jener deutsche
Schrotthändler, der angeblich überhöhte Rechnungen gelegt hat,
befindet sich unter den Interessenten. Das Urteil des Managements
wird bei der vom Treuhänder zu treffenden Verkaufsentscheidung ein
Wörtchen mitzureden haben, sagte ein mit der Sachlage vertrauter
Beobachter.
Der Verkaufsprozess für die Montanwerke, der eigentlich schon 2011
beendet hätte werden sollen, steht unter beachtlichem Zeitdruck. Dem
Vernehmen nach mangelt es zwar nicht an Interessenten - die sich
weiter verschlechternden Konjunktur werde sich aber im erzielbaren
Verkaufspreis niederschlagen, hieß es. Die Tiroler Kupferhütte und
ihre Schwesterfirmen in der Slowakei und Frankreich erzeugen
besonders konjunktursensible Güter. (APA)