Wrabetz: "Setzte Meilensteine im Programm"

13. Jänner 2012, 11:12

Pröll: "Großer Kultur- und Menschenfreund" - Rapp: "Ein TV-Visionär der besonderen Art"

"Mit Ernst Wolfram Marboe verliert Österreich einen der großen Gestalter der Fernsehgeschichte", würdigte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz den verstorbenen früheren Programmintendanten. "In all seinen Funktionen im ORF setzte er Meilensteine im Programm, die vielen Zuseherinnen und Zusehern noch heute in Erinnerung sind. Als Generalist - Journalist und Autor, Dramaturg und Regisseur, Moderator und Manager - bereicherte er nicht nur ORF-Radio und -Fernsehen, sondern auch Kultur und Wissenschaft Österreichs im Allgemeinen. Ernst Wolfram Marboes Verdienste wirken nachhaltig und sind noch immer Vorbild für Generationen."

"Ernst Wolfram Marboe vereinigte in sich alles, was ein erfolgreicher Fernsehmacher braucht: ein untrügliches Gespür für das Publikum, bedingungslose Leidenschaft für das Produkt, Intellektualität und einen scharfen Verstand - gepaart mit dem unbeirrbaren Festhalten an Visionen", sagte ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner. "Er war uns - und insbesondere mir persönlich - Vorbild und wird es bleiben."

Schönborn: "Geradlinige christliche Haltung"

Kardinal Christoph Schönborn würdigte Marboe als einen "engagierten und selbstbewussten Katholiken, der durch seine geradlinige christliche Haltung die Welt der Medien und der Kunst in Österreich wesentlich geprägt hat". Der Wiener Erzbischof erinnerte gegenüber Kathpress ebenso wie Caritas-Präsident Franz Küberl daran, dass Marboe die Radio-Spendenaktion "Licht ins Dunkel" zu dem heutigen großen TV-Ereignis gemacht habe, und hob die starke Verbundenheit des Verstorbenen mit der katholischen Kirche hervor: Er sei in allem ein "glaubwürdiger und praktizierender Katholik, ohne Hang zu Frömmelei", gewesen, so Schönborn. Für Küberl war der Verstorbene "ein Mann mit Esprit, Kreativität und Kraft": "Sein Herz hat für die Menschen in Not geschlagen."

Auch Medienstaatssekretär Josef Ostermayer (SPÖ) und der designierte Parteiobmann der ÖVP Wien, Stadtrat Manfred Juraczka, zeigten sich in ersten Reaktionen tief betroffen.

Pröll: "Großer Kultur- und Menschenfreund"

"Niederösterreich verliert einen großen Kultur- und Menschenfreund", würdigte Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) den Verstorbenen in einer Aussendung. Er sei Niederösterreich tief verbunden und eine "hoch geachtete Persönlichkeit" der dortigen Theaterszene gewesen. Mit seinem persönlichen Einsatz für "Licht ins Dunkel" habe er auch sein "Herz für Menschen an der Schattenseite des Lebens" bewiesen, so Pröll.

Für Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) gehörte Marboe "zweifelsohne zu den einflussreichsten Medienmanagern und Kunstförderern" Österreichs. Als Leiter der ORF-Abteilung Hörspiel und Literatur habe er dem Experimentellen breiten Raum eingeräumt. Ihm sei es außerdem wesentlich zu verdanken, dass hochkulturelle Events auch im Fernsehen ausgestrahlt werden. "Er popularisierte das scheinbar Elitäre", so Schmied, die auch Marboes "Einsatz für die Schwächeren" hervorhob.

Seine Leistungen für die Kultur in Österreich hob Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) hervor. Marboe habe sich als Intendant der Festspiele in Gutenbrunn "mit Vehemenz und Konsequenz für die Wiener Volkskomödie eingesetzt" und mit seiner Sendung "Cafe Central" "Höhepunkte in der Diskussionskultur des österreichischen Fernsehens" geliefert. "Er hinterlässt eine Lücke im österreichischen Kulturleben."

Rapp: "Ein TV-Visionär der besonderen Art"

Marboe habe sich große Verdienste um den ORF erworben "und kann als einer der Großen der alten ORF-Garde bezeichnet werden", sagte der freiheitliche Generalsekretär Herbert Kickl. "Marboe hat das TV-Programm jahrzehntelang maßgeblich geprägt, besonders was österreichische Produktionen betraf." Auch BZÖ-Kultursprecher Stefan Petzner zeigte sich "tief betroffen" über Marboes Ableben. "Man musste mit Marboe politisch nicht einer Meinung sein, aber er verkörperte das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit seinem Bildungsauftrag wie kaum ein anderer", so Petzner, laut dem Marboe mit "Licht ins Dunkel" einen "sozialen Meilenstein für Österreich gesetzt" hatte.

Seinen größten Mentor hat Moderator Peter Rapp laut einem Eintrag in seinem Blog http://peter-rapp.at verloren. Marboe sei "ein unglaublicher Medienmann, ein TV-Visionär der besonderen Art" gewesen und habe "als Erster in Europa" mit 3D- oder interaktivem Fernsehen Programm gemacht. "Es war die Zeit, in der uns die deutschen Fernsehmacher beneideten und kopierten", so Rapp. "Das ORF-Zentrum sollte ihm ein Denkmal errichten!" 

Programmänderung

In memoriam Ernst Wolfram Marboe ändert ORF 2 sein Programm: Am Freitag bringen die "Seitenblicke" um 20.05 Uhr einen Nachruf, am Sonntag (15. Jänner) wird um 13.05 Uhr ein TV-Porträt des legendären ORF-Mannes gesendet. Der Spartensender ORF III plane zudem ein Schwerpunktprogramm, das Person und Schaffen von Ernst Wolfram Marboe würdigen werde, hieß es in einer Aussendung. (APA)

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  • Ernst Wolfram Marboe ist im Alter von 73 Jahren verstorben.
    foto: orf/thomas ramstorfer

    Ernst Wolfram Marboe ist im Alter von 73 Jahren verstorben.

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