Paradigmenwechsel

Personalisierte Medizin als neuer Megatrend

13. Jänner 2012, 10:56

Therapie soll noch schärfer auf einzelnen Patienten ausgerichtet werden - Erste erfolgreiche Anwendungen vor allem in Onkologie

Wien - Ein neuer Megatrend in medizinischer Wissenschaft und zunehmend auch in der klinischen Heilkunde: Die "personalisierte" oder "individualisierte" Medizin. Erstmals setzt sich in diesen Tagen ein hochkarätig besetztes Symposium in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien mit diesem Thema auseinander. Die wichtigsten Basisinformationen zu der neuen Entwicklung, die sich bereits in der Onkologie (Krebsmedizin) mit ersten Erfolgen etabliert hat.

Die personalisierte Medizin soll unter Zuhilfenahme vor allem molekularbiologischer Methoden die individuellen Charakteristika einer Erkrankung bei einem bestimmten Patienten berücksichtigen. Das soll die Wirkung der Therapie steigern und Nebenwirkungen vermeiden helfen, bedeutet aber gleichzeitig einen Umbruch in der herkömmlichen Betrachtungsweise von Gesundheit und Krankheit.

An der MedUni Wien wurde bereits das Projekt "Exact" des Forschungszentrums für Molekulare Medizin (CeMM) und der Klinischen Abteilung für Onkologie der Universitätsklinik am AKH präsentiert. Dort soll personalisierte Krebsmedizin (personalisierte oder individualisierte Therapie) voran getrieben werden. So erklärte vor kurzem der MedUni Wien-Onkologe Gerald Prager bei der Präsentation des Projekts: "Wenn wir heute eine Gruppe von Patienten mit einem histopathologisch klassifizierten Tumor haben (nach Gewebeprobe, Anm.) geben wir die Standard-Ersttherapie. Bei einem Drittel der Patienten wird beispielsweise der Tumor kleiner und sie haben keine Nebenwirkungen. Das zweite Drittel hat keine Wirkung und nur Nebenwirkungen - und die dritte Gruppe keine Wirkung und auch keine Nebenwirkung."

Die personalisierte Krebsmedizin soll:

- Durch molekularbiologische Untersuchung von Krebszelle und/oder auch umgebendem Gewebe eine genauere Einteilung der beim individuellen Patienten vorliegenden Tumorerkrankung erlauben.

- Die Auswahl der Therapie ganz genau auf die Charakteristika des einzelnen Patienten ausrichten (nur der "passende" soll das "passende" Medikament erhalte) und gleichzeitig Nebenwirkungen verhindern. Gleichzeitig soll der Kosteneinsatz verbessert werden.

- Durch die Erkenntnisse aus der Molekularbiologie und der Entwicklung von individuellen Tumormarkern soll die Entwicklung neuer Krebsmedikamente verbessert werden. Dabei werden alte Grenzen aufgehoben: Ein Krebsmedikament, das beispielsweise zunächst für die zielgerichtete Behandlung von Mammakarzinomen entwickelt wurde, kann plötzlich auch für Patienten mit einem Prostatakarzinom geeignet sein.

Prager: "Die Tumorzellen eines Mammakarzinoms können dieselben Charakteristika aufweisen wie die eines Prostatakarzinoms." Das dürfte in der Zukunft zu einem Sprengen der Organgrenzen in der Onkologie führen: Nicht mehr "das Prostatakarzinom" wird per Therapie anvisiert, sondern ein ganz bestimmter Untertyp von Karzinomzellen, die auch die Ursache von Karzinomen in anderen Organen sein kann.

Erste Studien an Patienten weisen bereits darauf hin: So zeigte sich bei Krebskranken mit genau klassifizierten Tumoren bei "unterschiedlichen" Krebserkrankungen und nach Versagen jeder konventionellen Therapie, dass eine solche "zielgerichtete Behandlung" zu einer um ein Drittel längeren Stabilisierung der Erkrankung führte.

International ist ein enormer Bedarf für diese neue Entwicklung gegeben. Das liegt vor allem daran, dass die Medizin mit herkömmlichen medikamentösen Therapien in vielen Fällen einen Plafond erreicht hat, bei dem die Wirksamkeit kaum mehr erhöht werden kann. Das gilt auch speziell für die Onkologie. Günther Gastl, Innsbrucker Onkologe und derzeit Präsident der entsprechenden österreichischen Fachgesellschaft, erklärte dazu: "Die Krebserkrankungen werden zur häufigsten Todesursache werden. Im Jahr 2020 werden weltweit bereits rund zehn Millionen Menschen an Krebs sterben. In Österreich haben jedes Jahr rund 36.000 Patienten eine Neuerkrankung. Es gibt 17.000 Sterbefälle an Krebs. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate steigt und sollen jetzt beträgt derzeit 62 Prozent. Damit haben wir aber auch immer mehr Menschen mit Krebs, mit chronischen Krebserkrankungen." (APA)

Dr.Eisenbart
00
27.4.2012, 16:22
nützt nur einigen Pharmafirmen

die Nischenpräparate verkaufen wollen (z.B. Avastin - siehe 3Sat-Berichte).
Gottseidank sind die meisten Pharmafirmen durchaus sachlich und machen bei sowas nicht mit.

Selenase XXL
00
und wo ist jetzt die neue Sichtweise von Gesundheit und Krankheit?

.....

gesund sterben
00
15.1.2012, 10:51
angesichts der einsparungen im gesundheitswesen die frage:

ist für "personalisierung" überhaupt genug geld vorhanden? fragen sie einmal nach bei patienten mit und ohne zusatzversicherung. da kommt sehr schnell eine eindeutige antwort. ohne bist du nämlich nur eine nummer, patient soundso, dem eine chance gegeben wird, oder auch nicht. das trifft besonders auf die verschreibung von bewilligungspflichtigen medikamenten zu!

gaisbock
01
15.1.2012, 10:25
"Megatrend"

gefällt mir besonders gut.

horsti
10
14.1.2012, 22:03
guter Ansatz

und guter Artikel.

Black Burner
00
14.1.2012, 21:31
Personalisiert?

Erwekkt in ein paar Patienten die falschen Erwartungen, werden nicht als Person individuel behandelt, ihr Krebs wird nach Markern eingeteihlt und damit wird der Anteil der Betrofenen, bei dem es wirkt angereichrt, weils bei vielen anderen nciht wirkt - damit schauen die Behandlungserfolge etwas besser aus. Pech, daß vielmal der Wirkmechanism nicht klar ist und das Medikamennt auch gegen negative wirkt.

A ndreas Bogeschdorfer
31
14.1.2012, 17:34
Ein Anfang.

Was hier allerdings nicht erwähnt wird, ist die menschliche Komponente. Erst wenn diese in allen Bereichen der Medizin berücksichtigt wird, kann sich die Medizin wieder modern nennen. In der Krebsmedizin ist man da vermutlich sogar weiter als in vielen anderen Bereichen.

Alfred Zopf
40
14.1.2012, 10:56

Vielleicht hilft diese Sichtweise, dass sich in ca. "20 Jahren" doch die Hommöopathie ihr subjektiv wertvoller Standpunkt von der "Schulmedizin" entsprechend gewürdigt wird, das ist ein ironischer Beitrag, weil die notwendige individuelle Sichtweise bis jetzt verleugnet wurde, kein Mensch entspricht der "Gaußschen Durchscnittswirkung", jede/r ist anders.

C R3
03
14.1.2012, 20:40
*facepalm*

Ersthaft? Das lesen sie aus diesem Beitrag heraus? Unglaublich.

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