Orban gesprächsbereit

IWF stellt Ungarn die Rute ins Fenster

13. Jänner 2012, 12:00

IWF-Chefin Lagarde will von Ungarns Premier Orban Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft sehen

Washington/Budapest - Das hoch verschuldete Ungarn muss angesichts der umstrittenen Politik von Regierungschef Viktor Orban vorerst weiter auf einen dringend benötigten Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) warten. Bevor es überhaupt zur Aufnahme von Verhandlungen darüber kommen könne, müsse der IWF konkrete politische Schritte Ungarns zur Stabilisierung der Wirtschaft sehen, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde am Donnerstag.

Für die IWF-Chefin ist es außerdem wichtig, dass Ungarn die Unterstützung der europäischen Partner und Institutionen habe. Lagarde hatte sich zuvor mit dem ungarischen Chefunterhändler Tamas Fellegi getroffen. Der will sich in den kommenden Tagen mit den europäischen Partnern treffen. Es sei im Interesse der Finanzmärkte und der ungarischen Wirtschaft, dass die Verhandlungen so schnell wie möglichen vorankommen.

Orban bewegt sich

Orban hat sich am Freitag bereit erklärt, die umstrittenen gesetzlichen Regelungen über die Zentralbank (MNB) zumindest teilweise zu ändern. Seine Regierung sei damit einverstanden, "eine gewisse Anzahl" der Forderungen anzunehmen, die von der Europäischen Union erhoben worden seien, sagte Orban am Freitag im Rundfunksender MR1. Detaillierte Angaben zu den für ihn akzeptablen Änderungen machte Orban nicht.

Unterstützung

Zuletzt sind die Gespräche mit dem IWF im Streit um das neue ungarische Notenbankgesetz ins Stocken geraten. Die EU und auch die Europäische Zentralbank (EZB) sehen durch das Gesetz die Unabhängigkeit der Notenbank untergraben. EZB-Präsident Mario Draghi zeigte sich am Donnerstag "wirklich sehr besorgt" über den Druck, der von der Regierung in Ungarn auf Institutionen ausgeübt werde. Das widerspreche dem Geist des europäischen Vertrags. Die EU will sich am 17. Jänner zu den umstrittenen Gesetzen äußern - bis dahin sollen auch die Ergebnisse einer Überprüfung vorliegen.

Orban hat am Donnerstag indes Entgegenkommen signalisiert. Die Regierungskommunikation bleibt also widersprüchlich. Ungarn warte auf die Argumente der EU zu den umstrittenen Gesetzen, sagte Orban am Donnerstag. Sollten diese überzeugend sein, sei die Regierung bereit, darüber nachzudenken, ob die Gesetze geändert werden. Bisher hatte es immer geheißen, man lasse sich nicht vom eingeschlagenem Weg abbringen.

Die wirtschaftlichen Probleme

Investoren haben sich zuletzt massiv aus Ungarn zurückgezogen. Die EU drohte mit Kürzung ihrer Förderungen - keine Kleinigkeit, machen diese doch zwei Prozent des ungarischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Einen kleinen Lichtblick gab es am Donnerstag dennoch: Das Land nahm über Anleihen insgesamt 44 Milliarden Forint (rund 179 Millionen Dollar) ein. Wegen der regen Nachfrage teilte die Finanzagentur elf Milliarden Forint mehr zu als ursprünglich geplant. Die starke Nachfrage half auch dem Forint ein bisschen auf die Sprünge.

Experten gehen allerdings davon aus, dass Regierungschef Orban ohnedies einlenken wird, denn ohne Finanzhilfe werde es nicht gehen. Nun gehe es wohl in der Hauptsache darum, wie Ungarns Regierung alle Bedingungen, die die Geldgeber stellen würden, akzeptieren - und dennoch so tun könnte, als ob dem nicht so sei. Einen Gesichtsverlust zu vermeiden habe derzeit wohl oberste Priorität.

Österreich betroffen

Betroffen ist von der Ungarn-Krise auch Österreich. Ungarn steht nämlich nicht nur vorwiegend bei ausländischen Investoren in der Kreide, es sind auch ausländische Banken, die seit Jahren sehr stark in Ungarn engagiert sind.

An vorderster Stelle sind das die österreichischen Banken: Erste Bank, Raiffeisen Bank International und Volksbanken AG. Gemeinsam haben sie mehr als 30 Milliarden Euro an Krediten in Ungarn vergeben. (red, derStandard.at, 13.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 108
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muppetbasher
01
13.1.2012, 17:32
Den Orban beschäftigt hauptsächlich, wie er ohne Gesichtsverlust

aus seiner Schmollecke herauskommt!

Ganz liiiiieb!

madathara
22
13.1.2012, 17:16

geld ist ein öffentliches gut und sollte daher nicht von der privaten finanzelite abhängig sein. diese abhängigkeit treibt politiker und staaten in eine quasi handlungsunfähigkeit. geld muss wieder als öffentliches gut angesehen werden und demnach auch der macht des volkes unterliegen und nur den interessen des volkes dienen und nicht ganz wenigen superreichen und der privaten finanzelite.

vgnuser
00
13.1.2012, 22:17
geld ist ein öffentliches gut ..

das ist aber lieb !

jo mei, wo habens den das her ?

madathara
10
14.1.2012, 00:57

in seiner wichtigkeit fürs funktionieren der gesellschaft rangiert geld ganz weit oben, gleich hinter luft und wasser. dass die macht übers geld privatbanken haben und ihre macht schamlos ausnutzen und ganze volkswirtschaften und kontinente ausbeuten und ins chaos stürzen ist eine schande.

RS69
 
11
13.1.2012, 17:37

Solange die Ungarn sich nicht von anderen Geld ausborgen wollen, und das ausgeborgte zurück zahlen - können sie mit ihrem Geld ansonsten machen, was sie wollen. Steht ihnen ja frei.

Und wenn sie das Geld der "privaten Finanzeliten" so schlecht finden, müssen sie's ja nicht gerade ausborgen. Dass ihr selbst gedrucktes Geld dann keiner nehmen will, ist eine andere Sache.

madathara
21
13.1.2012, 19:38

also ich traue dem euro oder dem dollar nicht mehr als dem forint. zwar trauen noch die meisten leute diesem euro, aber ich bin gespannt wie lange noch. ich denke es dauert nicht mehr lange und der euro wird kaum mehr als zahlungsmittel akzeptiert weil keiner mehr ihm traut. ich bin auch schon raus aus dem euro...

higgs - wozu?
12
13.1.2012, 18:22

ihrem geld? ich muß schmunzeln, weil es kein land gibt das noch eigenes geld hat - zumindest in europa - jedes land ist verpflichtet sich geld, sollte es solches verwenden wollen, bei privatinstutionen (fed=ezb) auszuborgen - eine verpflichtung zur verschuldung - auch amerika hat kein eigenes geld, nur die federal reserve hat eigenes geld, das amerika verwenden muß - steht übrigens auf jedem dollar ganz oben, wem er gehört.

madathara hat schon recht - erschwerend hinzu kommt, daß geld sogar eine rechtseinrichtung ist (gesetzliches zahlungsmittel) - wir also vom staat per gesetz gezwungen werden es zu verwenden obwohl der staat, der uns dazu zwingt, das geld nichtmal selbst kontrolliert. somit ist der staat erfüllungsgehilfe des privaten

globetrottel
00
14.1.2012, 17:33

"Verpflichtung zur Verschuldung" ? Wo nehmen Sie das denn her ?

Janosch bacsi
10
13.1.2012, 18:29
madathara
23
13.1.2012, 16:52

die internationale finanzelite lässt keine geld- und währungspolitische unabhängigkeit zu. orban beugt sich dem druck und die finanzelite hat ihre alleinige macht wieder einmal druckvoll verteidigt.

RS69
 
12
13.1.2012, 17:38

Da geht's nicht um währungspolitische unabhängigkeit - sondern um einen Kasperl, der sagt "ich bin eigenständig, und zahl das ausgeborgte nicht zurück - aber bitte borgt mir mehr, sonst bin ich insolvent."

higgs - wozu?
12
13.1.2012, 16:38

der iwf ist ein organ der fed=ezb, und die können ihre rute hinstellen wo sie wollen, das sollte keinen mehr interessieren - die sollten eher froh sein, daß wir die rute nicht nehmen und sie ihnen wohinstecken - wir also offenbar zum großen teil manipuliert und noch immer willens sind das leicht durchschaubare spiel unseres finanzmonopols mitzuspielen, koste es uns was es wolle.
lang geht das sicher nicht mehr gut

globetrottel
01
14.1.2012, 18:38

Sie haben völlig recht - lasset uns wieder zum Dingtausch zurückgehen ! Ich würde etwa für ein wirklich gescheites, durchdachtes Posting von Ihnen das Bügeln eines Sockens bieten. Andererseits brauche ich eine neue Hausfassade und könnte mir vorstellen, aus meiner Bibliothek ein VWL-Buch zum Thema Geld herauszusuchen und Ihnen zu schicken.

didi111
00
13.1.2012, 16:34
Heute könnte es noch heftig werden..

S&P avisierte, daß wahscheinlich heute noch mehrere europäische Staaten downgeratet werden.

http://www.ftd.de/finanzen/... 54283.html

Na hoffentlich ist Österreich nicht dabei, obwohl es bei den 10-jährigen schlechter ist als Frankreich..

Das könnte heut noch heavy werden...und sollten wir abgewertet werden, dann ...... blechen wir wieder wie die Luster...

Da brennen wir dann gleich mehr Zinsen als bei unserem derzeit geplanten Sparpaket reinkommen wird.

madathara
12
13.1.2012, 16:56

bei solchen beträgen zeigt sich wieder die absurdität jetzt noch dem volk alles zu kürzen. vielmehr sollte sich europa von diesem schuldgeldsystem verabschieden und die macht über das geld weg von den privatbanken hin zu öffentlich-demokratischen banken überführen.

wenn wir unser schuldgeldsystem wie es jetzt herrscht zwanghaft und wider besseren wissens noch länger aufrechterhalten wird es sehr bald zu chaos, unterdrückung und krieg kommen. wie wollen wir das vor unseren kindern verantworten?

soins
02
13.1.2012, 14:43
Ob sich Orbán bewegt ist fraglich

Vielleicht gibt es ein paar Änderungen im umstrittenen Notenbankgesetz, aber das ist noch längst nicht alles was die ungarische Regierung als Vorbedingung für die Aufnahme von Verhandlungen erfüllen soll.

Damit die EU grünes Licht für die Transaktion gibt - was eben auch von Christine Lagarde unterstrichen wurde -, soll eine Reihe an Gesetzen verändert werden.

So wurde von der EU-Kommission auch die Frage der Senkung des Pensionsalters bei den Richtern kritisiert. Im Rundfunksender MR1 sagte Orbán heute früh, dass die EU in richterlichen Angelegenheiten über keine Kompetenz verfüge. Das ist eine „ungarische Angelegenheit“. – sagte.

Wenn das so ist, wird seine Regierung keinen einzigen Dollar kriegen.

Dreistein
 
30
13.1.2012, 15:15
Weicheier

Wenn man sich gestern den deutschen Sozialdemokraten Schulz ( möglicher nächster EU Parlamentspräsident) auf ORFIII bei "Brüssel Inside" angehört hat, kann man sich vorstellen wie "scharf" die EU gegen Ungarn auftreten wird. Eine zu harte Vorgangsweise könnte nämlich den Orban zu einer Justamenthaltung veranlassen. Gleichzeitig hat er gejammert, dass die Märkte das Heft des Handelns übernommen hätten und die Kommission würde hinterherhecheln. Selbst ist er aber das gleiche Weichei.
Anscheinend ist es in der EU so, dass nur kleine Staaten, die sich nichts zuschulden kommen haben lassen, von Brüssel wegen jedem Scheiß abgestraft werden.

Walter Bimini
00
13.1.2012, 13:57
wo ist die osteuphorie nur geblieben?

dernachbar
11
13.1.2012, 13:18
Wann geht es uns gut?

Wenn es den superreichen gut geht ?

madathara
11
13.1.2012, 16:58

da die finanzelite und die superreichen gierig weiter auf immer mehr vermögen und renditen bestehen, wird es UNS zwangsläufig immer schlechter gehen.

dernachbar
00
13.1.2012, 13:17
Wann geht es uns gut ?

Walter Bimini
00
13.1.2012, 13:55
wenn es keinen grund gibt überhaupt darüber zu reden.

Dagmar Rehak Wien
 
43
13.1.2012, 13:13

Wo kann man denn dieses neue Gesetz nachlesen?
Es regen sich nur alle fürchterlich auf, Lagarde kommt und fordert, alle sind besorgt...
Aber Genaueres erfährt man nicht.

sandokan55
21
14.1.2012, 12:11
"Es regen sich nur alle fürchterlich auf, Lagarde kommt und fordert, alle sind besorgt..."

"Aber Genaueres erfährt man nicht."

Gerade darum geht es hier!

Die Lakaien der FI verbreiten die Lügen - Ungarn ist pleite, Ungarn ist undemokratisch...-, damit werden die "Unsicherheiten" bezüglich Ungarn erhöht und nat. die Zinsen für Tilgung jener Kredite, die von den Lügner und Betrüger Sozialisten und Liberalen aufgenommen und verprasst wurden.

Und die soz-lib ist voll dabei Ungarn in den Schmutz zu ziehen. Hunderte von Milliarden Ft kostet es den Steuerzahler zusätzlich.

Ich wünsche keinem Land der Erde solche Typen von VertreterInnen!

Nur ein Bsp. Budapest, nach 20Jahren soz-lib Herrschaft – verschuldet und noch dazu u.a. 30-40Jahre alten U-Bahn Garnituren, Bussen, Strassenbahnen.

Und die schämen sich nicht!

##V+##
30
13.1.2012, 18:07
Dann informieren Sie sich halt!

Oder sind Sie nicht in der Lage, ohne Anweisung eine Suchmaschine zu benutzen?

(Angesichts Ihrer Postings eine rein rhetorische Frage)

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