Westliche Diplomaten zweifel an Sinnhaftigkeit der Mission
Wien/Teheran - Im Atomstreit mit der Führung in
Teheran bahnt sich Kreisen zufolge eine Reise hochrangiger
UNO-Kontrolleure in den Iran an. Eine Delegation der Internationalen
Atomenergie-Agentur (IAEA) werde um den 28. Jänner herum in dem Land
erwartet, sagten zwei Diplomaten am Donnerstag. Die IAEA-Vertreter
würden dabei ihre wachsende Beunruhigung über das iranische
Atomprogramm zum Ausdruck bringen. Die internationale Gemeinschaft
verdächtigt den Iran, heimlich Nuklearwaffen zu bauen, was die
Islamische Republik bestreitet. Die iranische Vertretung bei der
Atomaufsicht der Vereinten Nationen signalisierte, dass der Iran bei
dem Besuch zu einer Diskussion über die Vorwürfe bereit sei.
Westliche Diplomaten zeigten sich aber skeptisch: "Ich habe große
Zweifel, dass dies zu irgendetwas führen wird", sagte einer von
ihnen. In jüngster Zeit hatten sich die Spannungen in dem seit Jahren
andauernden Atomkonflikt verschärft. Während härtere Iran-Sanktionen
Form annehmen, droht der Iran mit der Blockade wichtiger
Öl-Schifffahrtswege. Zuletzt war zudem erneut ein iranischer
Atomwissenschaftler bei einem Bombenanschlag in seiner Heimat getötet
worden. Der Iran beschuldigte umgehend Israel und die USA, für das
Attentat verantwortlich zu sein. Die Vereinigten Staaten wiesen den
Vorwurf entschieden zurück. Israelische Regierungsvertreter lehnten
eine Stellungnahme ab.
Am Donnerstag betonte der geistliche Führer des Iran, alle
Verantwortlichen für die Tat würden bestraft. Auch die Hintermänner
würden zur Rechenschaft gezogen, sagte Ayatollah Ali Khamenei. Der
iranische Parlamentspräsident Ali Larijani erklärte, die Ermordung
einiger Wissenschafter könne das Land nicht von seinem Atomprogramm
abbringen. Vor Journalisten in der iranischen Botschaft in Ankara
wiederholte Larijani den Vorwurf an Israel.
Die Diskussion über ein geplantes Öl-Embargo gegen den Iran
sorgte unterdessen für Bewegung auf dem Rohölmarkt. Der Preis fiel am
Donnerstag nach einem Bericht, dass die Europäische Union den
Importstopp erst schrittweise über eine Zeit von sechs Monaten
durchsetzen werde. Zuvor war der Ölpreis seit Wochen gestiegen -
wegen der Drohung des Iran, aus Protest gegen die Sanktionen einen
für den weltweiten Öltransport wichtigen Seeweg, die Straße von
Hormuz, zu blockieren. (APA/Reuters)