Treibstoff

Neues Verfahren zur Herstellung von Biodiesel aus Algen entwickelt

13. Jänner 2012, 12:11

Bisherigen Ansätze zum Raffinieren von Öl aus Mikroalgen hatten mit Nachteilen zu kämpfen

Die Gewinnung von Treibstoffen aus Biomasse als Alternative und Ergänzung zu fossilen Brennstoffen gewinnt immer mehr an Bedeutung. Johannes A. Lercher und sein Forscherteam von der Technischen Universität München stellen nun ein neues katalytisches Verfahren vor, mit dem sich Bio-Öle aus Mikroalgen effektiv in Dieselkraftstoffe umwandeln lassen.

Pflanzenöle, etwa aus Sojabohnen und Raps, sind vielversprechende Ausgangsprodukte für die Herstellung von Biotreibstoffen. Eine interessante Alternative zu diesen herkömmlichen ölhaltigen Feldfrüchten sind Mikroalgen. Unter Mikroalgen versteht man als einzelne Zellen oder kurze Zellketten frei im Wasser schwebender Algen, die in fast allen Wasseransammlungen vorkommen und sich gut kultivieren lassen. "Gegenüber ölhaltigen Agrarprodukten haben sie eine ganze Reihe von Vorteilen", erläutert Lercher. "Sie wachsen deutlich schneller als landbasierte Biomasse, sie haben einen hohen Anteil an Triglyceriden, und die Treibstoffgewinnung steht nicht wie im terrestrischen Anbau von Ölsaatpflanzen in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion."

Die bisherigen Ansätze zum Raffinieren von Öl aus Mikroalgen sind mit verschiedenen Nachteilen behaftet. Entweder hat der entstehende Treibstoff einen zu hohen Sauerstoffgehalt und schlechte Fließeigenschaften bei niedrigen Temperaturen oder man hat mit einem schwefelhaltigen Katalysator zu kämpfen, der das Produkt kontaminieren kann, wieder andere Katalysatoren arbeiten nicht effektiv genug.

Gesättigte Kohlenwasserstoffe im Dieselbereich

Die Münchner Wissenschafter schlagen nun einen neues Verfahren vor, für das sie einen neuartigen Katalysator entwickelt haben: Nickel auf und in einem porösen Träger aus Zeolith HBeta. Damit gelingt ihnen eine nahezu quantitative Umsetzung des rohen, nicht vorbehandelten Algenöls bei milden Bedingungen (260 Grad Celsius, 40 bar Wasserstoffdruck). Lercher: "Als Produkt entstehen gesättigte Kohlenwasserstoffe im Dieselbereich, die sich als hochwertige Kraftstoffe für Fahrzeuge eignen."

Das Öl der verwendeten Mikroalgen bestand hauptsächlich aus neutralen Lipiden, wie Mono-, Di- und Triglyceriden mit ungesättigten C-18-Fettsäuren als Hauptbestanteil (88 Prozent). Nach achtstündiger Reaktion erhielten die Forscher 78 % flüssiger Alkane mit Oktadekan (C18) als Hauptbestandteil. Als gasförmige Nebenprodukte fielen vor allem Propan und Methan an.

Eine Analyse des Reaktionswegs ergab eine Kaskadenreaktion. Zunächst werden die Doppelbindungen der ungesättigten Fettsäureketten der Triglyceride mit Wasserstoff gesättigt, danach werden die nunmehr gesättigten Fettsäuren unter Wasserstoffaufnahme vom Glycerin-Baustein abgespalten, der dabei zu Propan regiert. Im letzten Schritt werden die Säuregruppen der Fettsäuren schrittweise zum entsprechenden Alkan reduziert. (red)

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burniman
00
16.1.2012, 16:46

hmm also da man die algen anscheinend düngen muss ist das auch nicht das gelbe vom ei. Kenn mich zwar nicht so gut aus mit den algen aber ich nehm mal an sie brauchen genauso dunger wie unser landwirtschaftlichen produkte.
Was dann über umwege wieder zu dem selben problem führen würde wie wir es jetzt mit "bio"treibstoffen haben.
Wo wertvolle landwirtschaftliche ressourcen zur gewinnung von treibstoff und nicht zur lebensmittelgewinnung genutzt werden wird es probleme geben, bei agrar-flächen ebenso wie bei düngern.

Bitte mich zu korrigieren falls diese algen andere dünger benötigen als die agrarwirtschaft.

Ciena Consulting
00
17.1.2012, 10:48
Ist mMn. eher unkritisch,

da die Düngung durch Eisen und CO2 erfolgt - siehe LOHAFEX, welches 2005 gestartet wurde. Kritisch wirds dann, wenn die Algenzucht nicht in kontrollierten Bereichen erfolgt, sondern in offenen Gewässern stattfindet - da gab´s ja auch die kuriose Hypothese von James Lovelock bzw. Ironman ;)

oblomow II
00
13.1.2012, 18:10
diesel

egal woraus, wird im pkw bereich in den nächsten jahren verschwinden.
dafür sorgt die feinstaubhysterie ...

Hefeweizerlbier
00
20.1.2012, 22:46

Benzin-Motoren entwickeln sich durch die angestrebte Wirkungsgraderhöhung mit Maßnahmen wie Direkteinspritzung immer mehr Richtung Diesel. Der "saubere" Benziner wird daher zur Mär.

jesus of cool
00
13.1.2012, 11:47

erinnert mich irgendwie an das hier:
http://www.n-tv.de/mediathek... 60031.html

als ich das gesehen habe dachte ich eigentlich, man wäre auf dem gebiet bereits weiter.

schakl09
00
13.1.2012, 17:49

bei Benzin und Kerosin ist man auch schon deutlich weiter - Dieselkraftstoff aus Algen ist aber eine wesentlich kritischere Angelegenheit. Da tut sich jetzt anscheinend etwas.

Curd Hombre
00
13.1.2012, 08:15
Ok - super gemacht....

....jetzt kann das Patent angemeldet & sodann an dei Erdöl-Lobby verkauft w erden!

ländliche Genreszene
00
13.1.2012, 14:57
also, wenn die das ..

.. bis jetzt noch nicht zum patent angemeldet haben, dann haben sie schon ein problem .. mit der veröffentlichung zerstören sie die neuheit.

Trollblume
00
12.1.2012, 20:34

Klingt genial. Gibt's einen Haken?

gigngogn
 
11
13.1.2012, 12:30
Ja, der Wirkungsgrad der Umwandlung Sonnenlicht zu Biomasse liegt bei knapp unter 1% was zu einem entsprechend hohen Flächenverbrauch führt

schakl09
00
13.1.2012, 17:55

die Stromprotagonisten argumentieren ja immer, dass es in der Sahara eh genug Fläche für PV+Direktstromleitung oder PV + H2 aus Elektrolyse gibt.
Also gäbs auch für die Algen mehr als genug Fläche. Der Vorteil dabei: den flüssigen Energieträger transportiert man einfacher und wesentlich verlustfreier als Wasserstoff oder Strom.

A ndreas Bogeschdorfer
03
13.1.2012, 16:37
Ja, wenn man nur zwei Dimensionen kennt.

Bekanntermaßen gibts drei räumliche Dimensionen, es kommt also nicht nur auf die Fläche, sondern auch auf die Wuchshöhe einer Pflanze an.

Von möglichen Mehrfachnutzungen ist da noch gar nicht die Rede.

Beim konkreten Fall läßt sich die LichternteFläche durch vertikale Anordnung enorm steigern.

Aber es war schon klar: Wenn einer fragt "gibts einen Haken", MUSS Herr Gigngogn sich zu Wort melden. Schließlich ist er DER Spezialist für das übliche Gesudere.

WBR
00
18.1.2012, 16:45
Beides falsch

Angeblich soll die Biomasse-Produktion bei Mikroalgen viel effizienter als durch normale Landpflanzen sein, gigngogns Argument passt also nicht so recht.

Allerdings ist das "Man kann auch vertikal Licht ernten" auch nicht besser. Erstens gilt das für Stromgewinnung ebenso (Fassaden-PV?). Und Aufbauten zur Lichternte, egal ob für Biomasse oder Strom, werfen natürlich einen Schatten. Und im Schatten lässt sich dann keine nennenswerte Energie mehr ernten. Man kann also die "Lichterntefläche" durch vertikale Anordnung nicht steigern.

Der wesentlichste Haken von Mikroalgen zur Treibstoffproduktion ist der hohe Aufwand pro Ertrag. "Normale" Biotreibstoffe benötigen zwar mehr Fläche, aber viel weniger Geld pro kWh Ertrag.

gigngogn
 
00
19.1.2012, 10:30

> soll die Biomasse-Produktion bei Mikroalgen viel
> effizienter als durch normale Landpflanzen sein
Nachdem auch Algen Photosythese über Chlorophyll betreiben liegt der Wirkungsgrad nicht siginifkant über dem, was Landpflanzen schaffen
Landpflanzen schaffen einen theoretischen Wirkungsgrad von 29%-34%, bei Algen soll er bei ~36%

Davon bleibt aber nicht viel übrig, denn auf dem Weg der Biomassegenerierung geht der Grossteil davon verloren. Übrigen bleiben zwischen 0,8% und knapp unter 1%

Das mit dem Schattenwurf ist mir natürlich klar, es wäre aber verschwendete Zeit gewesen das dem Herrn Bogeschdorfer zu erklären, denn der ist ganz gut darin, Tatsachen die ihm nicht ins Bild passen auszublenden

Ja bitte
00
19.1.2012, 15:59
Ja, ja!

Zumindest im Bezug auf den Flächenverbrauch ist da ja sogar die EE-Methan Geschichte noch geradezu ein Renner: 16%Wirkungsgrad PV 50% für Methanisierung und Komprimieren ist man bei ~8%
Und BEIDES ist um Meilen zu teuer, die Algenbrutdinger sind auch nicht mal ausgereift.
Alles beides ein Schwindel also! -Die einzige Anwendung die übrig bleiben könnte ist, die Algen stofflich zu verwenden: für Kosmetika der Nahrungsergänzungsmittel, aber das wird dann wohl eher nicht 1000e Tonnen davon brauchen :)

gigngogn
 
00
20.1.2012, 11:35
Schwindel würde ich nicht sagen, den Wirkungsgrad kann sich ja jeder ausrechnen der mal in Ö eine Schule besucht hat. Unbrauchbar ist es halt wenn man damit eine Industrienation mit Energie versorgen will

WBR
00
19.1.2012, 12:09

Der große Unterschied besteht vermutlich nicht in einer effizienteren Photosynthese, sondern darin, dass die Mikroalgen weniger von der assimilierten Biomasse wieder veratmen.
Ich habe schon mal vom mindestens zehnfachen Ertrag von Raps gelesen. Und jetzt brachte mir ein rasches Googeln ein "mindestens drei Prozent Wirkungsgrad".

gigngogn
 
00
20.1.2012, 11:34
Interessant, könnten sie mir da den einen oder anderen Link zukommen lassen? Danke!

WBR
00
20.1.2012, 13:20

Ziemlich ausführlich und vermutlich auch ziemlich seriös wäre z.B. das hier:
http://www.umweltbundesamt.de/wasser/th... oalgen.htm

gigngogn
 
00
21.1.2012, 13:10
Danke für den Link, aber sonderlich seriös scheint er nicht zu sein

So wird z.B. von einem Ertrag von 200to/ha Trockenmasse gesprochen, das wäre 50mal mehr als bei Raps, was unglaubwürdig erscheint, da selbst eine Verdopplung der Effizienz schon aussergewöhnlich wäre und eine Steigerung um den Faktor 50 einen Wirkungsgrad über dem theoretischen Maximum ergeben würde.

WBR
00
22.1.2012, 11:07

Ohne da jetzt noch einmal tiefer einzutauchen:
"Rapsernte pro ha" ist ja auch nicht gerade eine Standardeinheit, je nach Intensität des Anbaus gibt es da große Schwankungen.
Dasselbe gilt für die Mikroalgen.

Common sense aller Artikel zu diesem Thema ist jedenfalls, dass man mit Mikroalgen einen vielfachen Ertrag von "normalen" Energiepflanzen pro Lichterntefläche erhält, nicht nur um einige Prozent mehr.

gigngogn
 
00
22.1.2012, 12:36
Der Vergleich ist nicht von mir, sondern vom Umweltbundesamt. Leider sind in dem Artikel keine 'harten' Zahlen vorhanden.

Es wurde Raps (3-4To/ha) mit Algen (bis zu 200to) verglichen.

>einen vielfachen Ertrag von "normalen" Energiepflanzen
Die effizienteste Energiepflanze wäre Elefantengras, das liegt bei knapp unter 1% Wirkungsgrad unter den Optimalbedingungen.

Hätten Algen 3% Wirkungsgrad (was eine Steigerung um 200% bedeuten würde) so wäre das schon eine *gigantische* Steigerung.
In dem Artikel wird aber von Faktor 50 gesprochen was einfach nicht möglich erscheint (das wären 5000%!)

WBR
00
22.1.2012, 18:03

Intensiver Weizenanbau kommt hierzulande (nicht gerade wahnsinnig viel Sonne) auf über 10 Tonnen Korn pro Hektar. Dazu kommt noch einmal etwa die selbe Menge Stroh.
Rechnet man die 20 Tonnen als reines Kohlehydrat (Zellulose, Stärke) wären das 4,7 kWh pro m². Bei etwa 1000 kWh Einstrahlung pro Jahr.
Etwa ein halbes Prozent Wirkungsgrad.
200 Tonnen/ha wären das Zehnfache, nach primitiver Rechnung (reines Kohlehydrat) also knapp 5 Prozent Wirkungsgrad.
Wenn es sich dabei sowieso um einen Maximalwert handelt, halte ich das für plausibel.
Es fällt mir nicht schwer zu glauben, dass bei Landpflanzen viel Energie für die aufwendigen Strukturen zur Stütze und Nährstoffversorgung draufgeht.

BogumirOrjoltschaschtsch
 
00
13.1.2012, 17:19
Ein weiterer Vorteil ist, dass

solche Algen in Süß- und Salzwasser sehr gut kultiviert werden können. Da fällt mir die Sahara, Namibia und die arabische Haöbinsel ein. Viel Sonne, genug Salzwasser und billigste Böden...

Quark
00
15.1.2012, 10:11

naja, man müsste das Wasser kühlen, dass die Algen nicht absterben

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