47.515 Drogenkriegstote

Regierung hielt Zahlen lange zurück – Kritik und Zweifel

Mexiko-Stadt/Wien - Täglich steigt die Zahl der Opfer im Drogenkrieg von Mexiko - so auch am Mittwoch: In einem brennenden Fahrzeug vor einem Luxuseinkaufszentrum im Bezirk Santa Fe in Mexiko-Stadt wurden zwei enthauptete Leichen gefunden. Die abgetrennten Köpfe und ein Bekennerschreiben des Kartells Mano con Ojos lagen in der Nähe.

12.903 Menschen fielen dem Drogenkrieg in Mexiko in den ersten neun Monaten des Jahres 2011 offiziell zum Opfer - elf Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2010, wie die Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch bekanntgab. Insgesamt sind es 47.515 Tote seit Ende 2006. Die Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Ihre Veröffentlichung erfolgte der New York Times zufolge erst, nachdem die mexikanische Agentur für Informationsfreiheit Druck auf die Regierung ausgeübt hatte.

Die Regierung Felipe Calderóns, der Ende 2006 den Kartellen den Kampf angesagt hatte, wurde mehrmals dafür kritisiert, die Zahl der Drogenkriegstoten zurückzuhalten. Ende 2010 versprach sie, diese nun regelmäßig zu aktualisieren. Wissenschaftern zufolge sei das aber nicht geschehen.

Calderóns Regierung soll auch auf öffentliche Anfragen danach, wie viele Menschen in Mexiko bei Verbrechen getötet wurden, nicht geantwortet haben - mit dem Hinweis, die Informationen seien vertraulich. Als die Agentur für Informationsfreiheit vergangene Woche auf die Publikation der Drogenkriegsstatistik pochte, hieß es, man veröffentliche sie, aber es brauche noch Untersuchungen.

Laut Volkszählungsagentur passierten zwischen 2007 und 2010 in Mexiko 67.050 Morde. Das macht fast das Doppelte der offiziellen Zahl der Drogenkriegsopfer in der Zeit aus. Recherchen der New York Times zufolge dürfte die Datensammlung schon auf lokaler Ebene nicht klappen. (spri/DER STANDARD, Printausgabe, 13.1.2012)

Share if you care