Spanien und Italien profitieren von EZB-Hilfe

12. Jänner 2012, 18:43
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Spanien und Italien konnten sich günstiger Geld borgen. Die EZB schreibt diesen Erfolg sich selbst zu. Ökonomen warnen vor Euphorie

Investoren haben sich am Donnerstag darum gerissen, den beiden Schuldenstaaten Italien und Spanien Geld zu leihen. Die beiden Länder haben zusammen 22 Milliarden Euro an Schuldtiteln platziert. Besonders Spanien ist in der Gunst der Investoren gestiegen. Das Land konnte den Kapitalmarkt für zehn Milliarden Euro anzapfen, doppelt so viel wie geplant.

Die Zinsen auf die Anleihen sind dabei deutlich gefallen. Für die dreijährigen Papiere musste Spanien nur 3,38 Prozent Rendite zahlen, nach 5,18 Prozent bei der vergangenen Auktion. Die Zinsen der vier- und fünfjährigen Papiere sind um mehr als einen Prozentpunkt gefallen. "Das waren erfolgreiche Emissionen. Allein Spanien hat damit elf Prozent seines Refinanzierungsbedarfs für das Jahr 2012 gedeckt", sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der deutschen Commerzbank. Die Emissionen haben auch die Zinsen auf zehnjährige Staatsanleihen gedrückt.

Das verschuldete Italien hat aber nur einen Testlauf absolviert. Das Land brachte Geldmarktpapiere am Markt unter, die mit einer Laufzeit von einem Jahr deutlich kürzer laufen als die spanischen Emissionen. Die erzielten Renditen sind dabei auf den tiefsten Stand seit Juni 2011 gesunken, auf 2,74 Prozent. Die Zinsen auf länger laufende italienische Anleihen sind aber im Sog der guten Auktion ebenfalls gefallen.

Die Platzierung der Schuldscheine hat auch zur Entspannung in anderen Euroländern geführt. Die Zinsen auf österreichische zehnjährige Anleihen sind unter die Marke von drei Prozent gefallen. Am Montag lagen sie noch bei 3,44 Prozent. Der Euro hat sich zum US-Dollar um 0,75 Prozent auf über 1,28 verteuert.

EZB und Zweckoptimismus

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), lässt keinen Zweifel daran, wer hinter den fallenden Renditen für Spanien und Italien steht. Man sehe, dass die EZB "eine Kreditklemme verhindert hat", lobte Draghi die eigene Institution anlässlich der zinspolitischen Sitzung (die EZB ließ den Leitzins unverändert bei einem Prozent). Am 8. Dezember hat die EZB Drei-Jahres-Kredite für die Banken angekündigt, 489 Mrd. Euro borgten sich die Institute. Noch nie zuvor hatten die Frankfurter Währungshüter so lange Liquidität bereitgestellt. "Die Maßnahme ist kurzfristig sehr erfolgreich", bestätigt auch Ansgar Belke, Inhaber des Lehrstuhls für Makroökonomik an der Uni Duisburg-Essen und Forschungsdirektor für Makroökonomie am DIW Berlin.

Doch die EZB übe sich in "kurzfristigem Zweckoptimismus. Gerade Italien ist noch nicht vom Haken", warnt Belke. Die strukturelle Dimension der Krise sei noch nicht gelöst. Neue Daten würden zeigen, dass das Wirtschaftswachstum in Italien hinter den Erwartungen bleiben könnte, auch die Durchsetzung von Reformvorhaben sei noch unsicher. Dazu kommt, dass zwischen Februar und April noch große Anleihenpakete am Markt platziert werden müssen. Laut der britischen Bank HSBC muss Italien 2012 mehr als 250 Milliarden Euro über den Kapitalmarkt aufnehmen.

Die Hoffnung der Geldpolitiker war, dass die Banken eine ertragreiche "Carry"-Strategie fahren würden. Dabei nehmen sie sich Kredit bei der EZB und tragen das Geld auf den Staatsanleihenmarkt in Spanien oder Italien, wo es deutlich höhere Zinsen bringen soll. Die 489 Mrd. Euro an Drei-Jahres-Kredit würden bereits "in der Wirtschaft zirkulieren", sagte Draghi am Donnerstag. Das bestreiten aber einige Experten: "Die Aktion der EZB hat nicht zwangsläufig Erfolg", warnt etwa Azad Zangana, Europaökonom des Vermögensverwalters Schroders, denn dazu müssten die Einlagen bei der EZB stark fallen.

"Es ist viel zu früh, den mittelfristigen Erfolg des Drei-Jahres-Tenders zu beurteilen", mahnt auch Belke. Denn aktuell horten Europas Geschäftsbanken knapp 470 Milliarden Euro an Liquidität bei der EZB. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.1.2012)

  • Von wegen Tristesse - am Donnerstag an den Finanzmärkten nicht.
    foto: epa/alpajadejo

    Von wegen Tristesse - am Donnerstag an den Finanzmärkten nicht.

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