Kommentar von Gudrun Harrer

Erwartetes Scheitern in Syrien

Kommentar | Gudrun Harrer, 12. Jänner 2012, 19:12

Die Beobachter der Arabischen Liga stellen dem Regime Assad keinen Freibrief aus

Die Beobachtergruppe der Arabischen Liga in Syrien zerfällt - und nichts anderes war zu erwarten. Einzelne Beobachter wollen sich nicht mehr als Alibi für die Behauptung missbrauchen lassen, die Liga würde etwas gegen die Gewalt in Syrien unternehmen. Die Frage, ob ein unabhängiges Monitoring überhaupt möglich ist und etwas bringt, ist eindeutig mit Nein beantwortet.

Gegen den oberflächlichen Eindruck der ersten Tage, bei der einem zweifelhaften sudanesischen General unterstehenden Mission handle es sich um eine reine Rechtfertigungsunternehmung zugunsten des syrischen Regimes, sprachen aber immer auch politische Realitäten: Es ist richtig, dass außer bei der Gruppe der Staaten, in denen im vergangenen Jahr bereits Umstürze stattgefunden haben, in der Liga keinerlei Interesse an weiteren Revolutionen vorhanden ist. Aber es ist dennoch eine Tatsache, dass arabische Schlüsselstaaten, allen voran Saudi-Arabien, klar gegen das Regime von Bashar al-Assad stehen.

Das hat wenig oder nichts mit Sympathie für die Errichtung einer echten Demokratie in Syrien zu tun, aber es ist dennoch ein Teil der Politik der Arabischen Liga. Ohne diese Konstellation hätte es die Mission in Syrien nicht einmal gegeben. Eine ähnliche Intervention im vorrevolutionären Ägypten? Völlig ausgeschlossen.

Die Gründe, warum der saudi-arabische König Abdullah, in dessen Land jede Demonstration im Keim erstickt wird, Bashar al-Assad fallenließ wie eine heiße Kartoffel, sind mannigfaltig: Assads Allianz mit dem Iran spielt eine große Rolle, Assads Libanon-Politik - Abdullah macht ihn dafür verantwortlich, dass 2011 die sunnitisch geführte Regierung Hariri in Beirut zugunsten einer Hisbollah-geführten gestürzt wurde - und natürlich die Repression des politischen sunnitischen Islam durch das alawitische Regime. Und nun scheint eben die Gelegenheit gekommen, die als Anomalie empfundene Herrschaft einer heterodoxen religiösen Minderheit in der arabischen Welt loszuwerden.

Die Frage ist nur, wie. Zwar war Muammar Gaddafi in der Liga noch unbeliebter als Assad, aber Syrien ist nicht Libyen: Dort konnte man Rebellen aus der Luft unterstützen, die bereits einen Teil des Territoriums kontrollierten. Die "Syrian Free Army" , die Staatseinrichtungen attackiert, sehen nicht nur Regimeanhänger, sondern auch viele unentschlossene Syrer kritisch. Noch kann man nicht sagen, dass sie pauschal die Opposition vertritt.

Die Feststellung dieser Opposition, sie sei gegen eine auswärtige Intervention, würde jedoch eine "arabische" Einmischung nicht so kategorisieren, kommt einer Einladung gleich - sie anzunehmen bleibt militärisch und politisch problematisch. Die inneren Zerfallserscheinungen in Syrien sind noch immer relativ gebremst. Die Alawiten in den Sicherheitskräften sehen für sich selbst offenbar keine Chancen, außer fürs Regime zu kämpfen.

Ein Haupthindernis für jegliches Engagement von außen ist aber die Opposition selbst. Der Syrische Nationalkongress (SNC) hat zu Jahresbeginn groß das Zusammengehen mit dem Syrischen Koordinationskomitee für Demokratischen Wandel verkündet. An dieser Einigung - die schon wieder hinfällig ist - zerbrach der SNC beinahe selbst. Noch ist das moderate Aushängeschild Burhan Ghalioun Chef, aber das Sagen haben die Islamisten. Das schreckt Saudi-Arabien wenig, aber anderen gibt es zu denken. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.1.2012)

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11 Postings
rondra
00
13.1.2012, 00:52

Haben Sie den Beitrag
http://derstandard.at/132624909... vom-Himmel
schon vor dem Abfassen Ihres Beitrages zur Verfügung gehabt?
Wenn ja, dann verstehe ich Ihren Beitrag leider noch weniger.

santa fe
 
22
12.1.2012, 22:10
"Das hat wenig oder nichts mit Sympathie für die Errichtung einer echten Demokratie in Syrien zu tun" . die FI (finanzindustrie) hat nach der fast vollständigen vernichtung der westlichen demokratie nichts weniger im sinn,

als auch nur irgendwo demokratische kräfte zu unterstützen. die FI führt einen entsetzlichen eroberungskrieg um öl und weltherrschaft.

die saudis sind nicht demokratischer als es die regimes in libyen, irak, afghanistan, syrien und iran waren oder sind, sie aber dürfen jedes demokatische aufmucken ruhig zusammenschiessen, auch wenn es im ausländischen bahrain geschieht, solange sie mit der FI kollaborieren.

demokratie ist der neue pseudomissionarische vorwand für den neokolonialismus der neofeudalistischen FI, mit dem auch wir kollaborieren, weil wir uns - wie gudrun harrer - zumindest unabsichtlich - in die irre führen lassen, um der verpflichtung zum widerstand auszuweichen.

aber für diesen widerstand wird gudrun harrer nicht bezahlt

O5
20
13.1.2012, 02:38

Meisterlich, Ihr BS!

nichtkaefer
11
12.1.2012, 21:54
Zur Lage in Ägypten ...

... gibt es ein interessantes Interview mit Bassam Tibi:
http://diepresse.com/home/poli... ik/723289/

hamaca reservada
00
13.1.2012, 01:05

ja das passt m.e. ganz gut zum thema - deutet ein wenig auf das spinnennetz hin, in dem sich diese ganze islamisch-arabische bruderschaftspolitik gerade verfängt. ein pulverfass. fragt sich schö langsam, wer die spinne ist.

rondra
00
13.1.2012, 00:44
Tibi

tibi selbst ist eine der umstrittensten Figuren neben Scholl-Latour!

der schwitzbär der schwitzt sehr
10
12.1.2012, 19:47

Hauptsache der Spindelegger hat denen schon allen die Hand geschüttelt

supermike
24
12.1.2012, 19:35
Erwartetes Scheitern in Syrien

Scheitern der Regierung oder Scheitern der Terroristen ???
Letzteres wäre mir lieber weil es zehntausende Tote wie in Libyen verhindern würde.

Harry Meier
 
00
13.1.2012, 17:24
Naja wie das Beispiel Libyen gezeigt hat, scheitert

.. in Normalfall immer die Diktatur. Es gibt natürlich auch noch hunderte anderer Beispiele von den Nationalsozialisten zu den Sowjets bis hin zu Milosevic, Saddam und Gaddaffi. Diktaturen sind auf Dauer keine Lösung.

Hermine Berg
 
02
12.1.2012, 22:46
scheitern der beobachtermission

artikel lesen hilft manchmal ^_^

Trollblume
01
12.1.2012, 20:43

in der regierung sind auch terroristen fürchte ich

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