Rettungsgasse auf dem Weg zum Gassenhauer

12. Jänner 2012, 18:27
  • Eine richtige Rettungsgasse ist das hier auf der Wiener Südosttangente 
noch nicht. Auf der kürzesten, aber meistbefahrenen Autobahn Österreichs
 kann täglich geübt werden.
    foto: christian fischer

    Eine richtige Rettungsgasse ist das hier auf der Wiener Südosttangente noch nicht. Auf der kürzesten, aber meistbefahrenen Autobahn Österreichs kann täglich geübt werden.

Die seit Jahresbeginn vorgeschriebene Rettungsgasse bei stockendem Verkehr führt noch zu Problemen mit der Orientierung - Doch sogar im Morgenstau auf der Wiener Südosttangente klappt es schon manchmal

Wien - Wie alles beim Autofahren ist auch die seit Beginn des Jahres geltende Verpflichtung zur Bildung einer Rettungsgasse reine Übungssache. Mit 170.000 pro Tag über ihren Asphalt donnernden Autos ist die Wiener Südosttangente (A23) ein ideales Übungsgelände. Vor allem im Morgenverkehr. Ausfahrt St. Marx: Alles schleicht, noch bevor es zweispurig Richtung Gürtel steht. Von Rettungsgasse keine Spur, nur vereinzelt verdrücken sich Lenker wie vorgeschrieben (siehe Frage-Antwort-Kasten) nach links oder rechts.

Zehn Minuten später, kurz vor der Abfahrt Richtung Südbahnhof, in der Gegenrichtung dasselbe Bild. Nur dass diesmal ein Motorradfahrer mit Mistelbacher Kennzeichen demonstriert, wie es geht, auch kaum vorhandene Zwischenräume auszunutzen. Dann aber: Im Bereich Inzersdorf mit Fernziel Prag steht ausgerechnet auf der linken von drei Spuren ein Wagen, der Pannendienst ist schon da, die Rettungsgasse auch. In der ruhenden Blechschlange drehen sich viele Köpfe nach hinten, um auf die gelungene Übung zurückzuschauen. Einer hupt - weil es schon wieder weitergeht.

Auch Autobahn- und Schnellstraßenbetreiber (Asfinag), die dank Verkehrskameras einen bundesweiten Überblick haben, sowie Einsatzkräfte ziehen eine durchwachsene erste Zwischenbilanz: Perfekt war am Donnerstag beispielsweise die Rettungsgasse vor dem Plabutschtunnel Richtung Slowenien, wo ein Lkw Höhenkontrollalarm und in weiterer Folge die automatische Tunnelsperre ausgelöst hatte.

Krasse Fehlinterpretation

Eine krasse Fehlinterpretation der Rettungsgasse hat hingegen der Bundesfeuerwehrverband in Niederösterreich registriert: Auf der Stockerauer Schnellstraße (S5) drehte ein Lenker im Stau um und fuhr entgegen der Fahrtrichtung in der an sich richtig gebildeten Einsatzschneise bis zur nächsten Ausfahrt.

Im Innenministerium heißt es, dass die neue Regelung recht gut im zweispurigen Bereich funktioniere. Auf drei- oder vierspurigen Fahrbahnen hätten Autofahrer aber "teilweise Orientierungsprobleme". Die Ausrede, dass das vordere Fahrzeug nicht wie vorgeschrieben ausgewichen sei und man deshalb selbst auch nicht Platz gemacht habe, ist übrigens eine schlechte und schützt im Ernstfall nicht vor Strafe. Was viele Autofahrer auch noch nicht behirnt haben, ist, dass die Rettungsgasse erhalten bleiben muss, auch wenn bereits ein Einsatzfahrzeug vorbeigefahren ist. Es können ja weitere folgen. Erst wenn es für alle wieder zügig weitergeht, darf auf die Normalspur zurückgeschwenkt werden.

Auf rettungsgasse.com kürt die Asfinag täglich gelungene Gassen. Auf rettungsgasse.at hingegen - die Seite wird, wie berichtet, von Martin Standl, dem Ex-Sprecher des früheren Verkehrsministers Hubert Gorbach (FP), betrieben - wird hauptsächlich die drei Millionen Euro teure Infokampagne für die Rettungsgasse kritisiert. (Michael Simoner, DER STANDARD, Printausgabe, 13.1.2012)

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"Im Innenministerium heißt es, dass die neue Regelung recht gut im zweispurigen Bereich funktioniere. Auf drei- oder vierspurigen Fahrbahnen hätten Autofahrer aber "teilweise Orientierungsprobleme".

Es gehört ja auch der V0lltr0ttel mit nassen Fetzen verjagt, der den einschlägigen TV-Spot geplant hat... da hätte es die große Chance gegeben, das richtige Verhalten bildlich zu verankern, was sich die meisten viel besser merken als wenn sie es wo lesen oder hören - und dann drehen die V0LLK0FFER den Spot mit einer zweispurigen Straße... da kann ja echt nicht wahr sein...

Und auch die Hinweistafeln sind z.T. nur 2-spurig ausgeführt:
http://www.verkehrssicherheit.at/media/bil... ews_34.jpg

Es ist richtiggehend ärgerlich...
Alle Spots und Tafeln sollten klarerweise 3-spurig (oder vielleicht sogar 4-spurig) sein! Der Spezialfall "2-spurig" ergäbe sich ja ganz von selbst...

Kein Wunder, wenn die Leute es nicht schnallen.

kennen sie sich aus - ich gar nicht, und hab auch noch keinen gefunden!
auf den videos wird die rettungsgasse gebildet - danach bleiben alle autos stehen.
wie lang muss man stehen bleiben?
wenn man langsam fahren könnte und darf?? - fährt man als gasse abseits der richtigen spur, oder schwenkt man zurück auf die richtige?
wenn man links steht und rechts raus will - darf man so platz wär (ist eh utopie) über die rettungsgasse und die rechten spuren rausfahren, muss man stehen bleiben bis verkehr flüssig läuft - oder bis??? weiterruckeln?

was ist so schwer an der rettungsgasse?? die äußerst linken fahrzeuge müssen nach links, die restlichen nach rechts.

inklusive pannenstreifen. logischerweise bleibt man so lange stehen, bis der verkehr wieder flüssig läuft oder man von einsatzkräften zu etwas anderem aufgefordert wird.
und wenn man im stau steht, ist es besser, man bleibt auf einer spur. so kommt man unterm strich schneller durch, weil sich ein stau als longitudinalwelle mit gleicher wellenlänge aber verschobenen phasen fortbewegt. sollte man versuchen den fahrstreifen zu wechseln, blockiert dabei die rettungsgasse und es kommt ein einsatzfahrzeug, riskiert man eine anzeige wegen "behinderung eines einsatzfahrzeugs im einsatz".
im übrigen ist kenntnis der aktuellen rechtslage primär eine hol- und keine bringschuld. (nach veröffentlichung im wiener amtsblatt)
ignorantia legis non excusat

wann/was genau ist ein stau? das asfinag infovideo istg ja verkürzt.

angenommen es bleiben vor mir die fahrzeuge stehen - fahr ich vom mittelstreifen rechts etwas rüber - nun beginnt die kolonne vor mir zu fahren - was dann? wieder in die spur - kann bei 100 mal anfahren/stoppen mühsam werden.
oder ich bleib versetzt und fahr? darf ich das? bis zu welcher v? letzteres hab ich vor ein paar tagen auf der tangente probiert - ich wurde unzählige male angehupt, die lkws an der linken spur spileten nicht mit, sprich die fuhren rechts vorbei um sich dann wieder richtig einzuorden - nach ein paar km hab ich aufgegeben.
oder ich bin auf der linken spur, und möcht rechts raus - ich bleib stehen und blink solange bis die ausfahrt rechts frei wird (kann stunden dauern)
das sollt genau erklärt werden!

mit ein bisschen logischem denken lassen sich die fragen leicht beantworten.
wann die rettungsgasse? nehmens einfach als grundsatz, dass sie sie bilden sollten, sobald es ihnen realistischerweise nicht mehr möglich wäre einem herannahenden einsatzfahrzeug rechtzeitig platz zu machen. natürlich fahren sie dann so weiter, dass die rettungsgasse offen bleibt. ist ja sinn der ganzen sache!
ob sie angehupt werden, ist vor gericht sowas von powidl. dass ist das alte lächerliche kindergartenargument: "er hats ja auch (nicht) getan!"
1938 hatten 99,7% der österreicher auch eine meinung, die sich später als falsch herausstellte...

ehrlich, hirn einschalten! ihre "fragen" hören sich für mich einfach nur nach dummen ausreden an!

naja, unfallforscher wie e.pfleger sind auch skeptisch - nach kameraanalysen. auf allen infofilmen ist das zur seite fahren und stehenbleiben gezeigt - ob und wie lange und mit welcher geschwindigkeit man spurversetzt weiterfahren darf wurde nirgends erklärt. ist das wirklich meine ermessenssache? dauerrettungsgasse?
grundsätzlich bin ich hupresistent - aber in der menge die ich vorige woche erlebt hat - als einziger auf der tangente vom handelskai bis favoriten die rettungsgasse bildend (also sinnlos) hatte ich mächtig stress. von den lkws die mich gefährlich geschnitten und rechts mit wenigen cm abstand vorbeifuhren gar nicht zu reden.
am besten ist die überholspur links - easy, kein stress und kein aufsammeln von dreck am pannenstreifen.

wie gesagt, wenn es realistischerweise möglich ist, dass man zum stehn kommt u die straße blockieren würde. klar ist das ermessenssache. wie so vieles im straßenverkehr. fängt schon bei der geschwindigkeit an.
oder zb. §10 Z2: "Kann nicht oder nicht ausreichend ausgewichen werden, so sind die einander begegnenden Fahrzeuge anzuhalten. In einem solchen Fall muß jenes Fahrzeug zurückgefahren werden, mit dem dies wegen seiner Art und wegen der örtlichen Verhältnisse leichter möglich ist."

zu ihrer verteidigung muss ich sagen, dass es generell in österreich nicht leicht ist, aber die tangente ist schon ein besonderer fall.
zugfahren? :-)

zugfahren auf der tangente - das wär was! :-)

kann ihne zustimmen - ich würd mir halt mehr hilfe in form von beispielen/genaueren vorschriften wünschen. wahrscheinlich wird das alles schön langsam durch gerichtsurteile geklärt werden.

wär wirklich mal was... :-)

mit den gerichtsverfahren geb ich ihnen recht. war bis jetzt, glaub ich, noch bei jeder größeren änderung der rechtsbarkeit so.

"Auf der Stockerauer Schnellstraße (S5) drehte ein Lenker im Stau um und fuhr entgegen der Fahrtrichtung in der an sich richtig gebildeten Einsatzschneise bis zur nächsten Ausfahrt."

In so einem Fall gnadenlos den Schein auf Lebenszeit entziehen und diese Tatsache medial möglichst breittreten.
Das nämlich hat mit der RG sowas von gar nix zu tun und war immer schon sowas von verboten - wer so etwas tut, ist offensichtlich intellektuell nicht in der Lage, am Verkehrsgeschehen teilzunehmen, und zwar grundsätzlich nicht.

Und komme mir jetzt keiner mit "Aber wie soll der Aaarme dann seinen Beruf..." - wer SO deppert ist, ist einfach ZU deppert, um am Steuer von IRGENDWAS zu sitzen, Punkt und aus.

Erst wenn es für alle wieder zügig weitergeht, darf auf die Normalspur zurückgeschwenkt werden.

Aha! Ist so auf stark befahrenen Autobahnstücken praktisch an jedem Werktag.
Grübel Grübel ... Idee ... hurra ... ich habs:
Man markiert gleich eine permanente Rettungsgasse, indem man den Pannenstreifen zwischen die vorhandenen Fahrstreifen legt!

das wär durchaus ein brauchbarer vorschlag, denke ich. vl in blau eine gasse markieren u beschriften.

einziges problem wär der hohe abrieb der markierung u damit einhergehend die exorbitanten wartungskosten.

War gestern in D. Unfall auf der AUtobahn kurz vor Köln, Ergebnis: keine Rettungsgasse. Alle fuhren so weit links wie möglich und die Einsatzfahrzeuge fuhrem am (breiter gewordenen) Pannenstreifen.

Ist es eine Mär, dass die Rettungsgasse in D funktioniert?

VIelleicht ist die Regelung dort nicht vereinheitlicht und/oder es gibt eine Ausnahme bei vorhandenem Pannenstreifen?
ICh hoff's ja nicht, angeblich solls ja europaweit einheitlich werden...

Egoismus und arroganz ist der Feind der Rettungsgasse

Als fast vier Jahrzehnte mit nur einem selbstverschuldeten Unfall um Großraum Wien und Umgebung unterwegs, denke ich mir, die Executive viel mehr auf Abstands- und Geschwindikeitssünder reagieren sollte.
Das ist nämlich auch ein Problem, das die Rettungsgasse bei uns auf der SO-Tangente und vermutlich auch AB wegen mangelndem Sicherheitsabstand scheitern wird.
Es könnten meinetwegen dort 1000 Polizisten den Abstand und Geschwindigkeit kontrollieren und damit ihr Gehalt refinanzieren.
Solange die meisten in den Kofferraum des Vordermanns fahren und sich Rücksichtlose in den korrekten Abstand zwängen, ist es nicht möglich nach rechts / links auszuweichen. Oder liege ich falsch?

Einfach unglaublich, wie dumm Menschen handeln können …

"Eine krasse Fehlinterpretation der Rettungsgasse hat hingegen der Bundesfeuerwehrverband in Niederösterreich registriert: Auf der Stockerauer Schnellstraße (S5) drehte ein Lenker im Stau um und fuhr entgegen der Fahrtrichtung in der an sich richtig gebildeten Einsatzschneise bis zur nächsten Ausfahrt."

Ich nehme an als nächsten Schritt pinselt man die pannenstriefen aus und fügt zu den Autobahnen eine weitere ,reguläre' Spur hinzu!

wo sollen dann die Verzögerungs- u. Beschleunigungsstreifen hin!

da baubranche wirds schon richten... ;)

Die rettungsgasse erinnert mich ein bischen an einen Flashmob.

Im Augenblick noch mehr "mob" als "flash"... ;o)

Rettungsgasse

RG Schwachsinn! Alle sollten so weit links fahren als möglich dann ist rechts genug Platz für Einsatzfahrzeuge. Pannenstreifenfahrer mit 2000€ zu strafen. Name auch Pannenstreifen. Viele sind so schon überfordert überhaupt mit den Auto zu fahren möglichst fehlerfrei. Ich habe auch in Deutschland noch nie wirklich die RG gesehen. Meist fahren die Einsatzfahrzeuge trotzdem auf der "Standspur" Häufig staut es wegen Schauer eines kleinen Auffahrunfalls, diese stehen aber schon am Pannenstr. In der Urlaubszeit steigen viele aus zum schauen warum geht nichts da gibt die nächsten Toten. Oder zb Baustelle da befindet sich aber die ABMeisterei am Pannenstr. Tunnelsperre am Bosruck od Gleinalm wegen eines Schwertransp. RG nicht notwendig.

so weit WIE (die Regel ist wirklich nicht schwer: gleich WIE - anders ALS).

Abgesehen davon: Was ist dort, wo es keinen Pannenstreifen gibt?
Was, wenn der Pannenstreifen widmungsgemäß von einem Auto mit Panne blockiert ist? Das ist beim Bilden der Gasse kein Problem (man ordnet sich eben vor un hinter dem Hindernis ein), für Einsatzfahrzeuge hingegen schon.

Nein, die Regelung ist schon gut so, sobald sich alle dran halten...

Einfache Frage:

Der (einfach zu verstehende) Pannenstreifen hat deswegen nicht funktioniert, weil sich Dumme und Rücksichtslose nicht darum geschert haben - warum sollen sich die gleichen Dummen und Rücksichtslosen an die (vergleichsweise viel kompliziertere) "Rettungsgasse" halten?

"Rettungsgasse" 6 Mal erlebt, 6 Mal Chaos.
Noch dümmer ist nur Licht am Tag.

An den SSRG (Schwachsinn Rettungsgasse) werden sich niemals - in 1000 Jahren nicht - alle (!!!???) halten, sondern maximal 20%.

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