Forschungs-Förderung

Wien sucht verlorenen Schatz in Mailand

Andreas Schnauder, Petra Stuiber, 12. Jänner 2012, 18:17
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    foto: apa/schlager

    Gerhard Randas Lust am Fusionieren bringt der Stadt Wien auch Jahre später Ungemach.

Eine AVZ-Tochter hat UniCredit-Anteile um hunderte Millionen verkauft - Warum und wohin das Geld floss, wird verschwiegen

Wien - Die gute Nachricht lautet: Für heuer ist die Förderung von außeruniversitärer Technologieforschung in Wien gesichert. Der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds bekommt seine Dotierung von acht Millionen Euro, wie vereinbart, von der "Privatstiftung zur Verwaltung von Anteilsrechten", vormals "Anteilsverwaltung Zentralsparkasse AVZ". Weitere vier Millionen zahlt die Stadt Wien direkt an den Förderfonds.

Die schlechte Nachricht: Ob und in welcher Höhe die AVZ-Stiftung auch künftig den WWTF sponsert, ist zumindest ungewiss. "Wir haben eine Zusage der Stiftung, dass es die Dotierung auch in den nächsten Jahren geben wird", sagt ein Sprecher der Wiener Finanzstadträtin Renate Brauner, die für den WWTF zuständig ist. Was genau "in den nächsten Jahren" bedeutet - und woher das Geld genau kommen wird, weiß man auch im Büro Brauner nicht zu sagen. WWTF-Geschäftsführer Michael Stampfer bestätigt die Dotierung für 2012, allerdings: "Was im nächsten Jahr ist, erfahre ich erst zur Jahresmitte."

Keine Ausschüttung

Dass die Förder-Millionen nicht mehr, wie bisher, aus Dividendenausschüttungen der UniCredit stammen - davon ist freilich auszugehen. Es werden also andere der zahlreichen AVZ-Töchter (unter anderem Anteile an Kontrollbank, Verkehrsbüro, Card complete) finanziell einspringen müssen.

Gegründet wurde die AVZ für die Verwaltung all jener Anteile, welche das "rote Wien" einst an der "roten" Zentralsparkasse hielt, die ihrerseits die Creditanstalt schluckte und zur Bank Austria (BA) wurde. Die einst mächtige private Bankenstiftung gehört sich selbst, erst bei ihrer Auflösung fallen die Vermögenswerte wieder zurück an die Stadt.

Die Opposition in Wien hatten die undurchsichtige Stiftungskonstruktion stets kritisiert und gefordert, die Stadt Wien solle sich komplett aus der ehemals "roten Bank" zurückziehen. Zudem sei die Dividendenausschüttung an den WWTF viel zu gering.

Das sieht WWTF-Chef Stampfer nicht so: "Wir haben seit 2003 78 Millionen Euro aus der AVZ-Stiftung lukriert, mehr als jede andere Förderinstitution Österreichs."

Abverkauf

Durch die Fusionslust von Ex-BA-Chef Gerhard Randa schrumpfte das AVZ-Vermögen im Laufe der Jahre deutlich. Durch den Zusammenschluss der Bank Austria mit der bayerischen HVB 2001 wurde die Stiftung Aktionärin der Münchner Bank, der fünfprozentige Anteil war 1,7 Milliarden Euro schwer. Mit der Übernahme der HVB durch die UniCredit wurde die AVZ dann Aktionärin in Mailand. 2008, als der Kurs der UniCredit bei 3,6 Euro lag, wog das gesamte Paket nur mehr rund 430 Millionen Euro.

Jetzt, mutmaßt die Wiener ÖVP, sei der Wert der AVZ-Anteile schon unter die 100 Millionen-Euro-Marke gerutscht. "Hier hat die SPÖ-Wien auf Kosten der Stadt Milliarden verbrannt", wettert der Wiener ÖVP-Wirtschaftssprecher Alexander Neuhuber. Er will die SPÖ im Gemeinderat dazu befragen. Hatte die AVZ vor dem Verkauf nach München noch 22,7 Prozent an der Bank Austria, ist sie aktuell nur mehr zu rund 0,7 Prozent an der UniCredit beteiligt.

Eine Tochter der Stiftung, die AVZ GmbH, hat ihren Wertpapierbestand bereits 2009 um 190 Mio. Euro, 2010 um weitere 220 Millionen reduziert. Zudem wurde eine deutsche Tochter verkauft, die mutmaßlich früher HVB-Pakete hielt. Erlös: 320 Millionen. Damit hat die AVZ-Tochter in zwei Jahren ihre Substanz von 720 Millionen Euro reduziert.

Die drei Geschäftsführer der Gesellschaft, Franz Zwickl, Herbert Pichler und Alexander Wolfgring schweigen sich darüber aus, welche Anteile an wen verhökert wurden und was mit dem Geld geschah. Auch das Gerücht, dass die Wiener bei der Kapitalerhöhung der UniCredit mitziehen würden, wird nicht kommentiert. Damit nicht genug der Geheimnistuerei: Die AVZ GmbH verweist im Abschluss darauf, dass die Stiftung die Konzernbilanz legt, die Aufschluss bringen könnte. Dieses Dokument wird von der AVZ freilich nicht veröffentlicht.

Der ehemalige Wiener ÖVP-Chef Bernhard Görg, der heute im Aufsichtsrat des WWTF sitzt, war einst für einen Komplett-Verkauf der städtischen Bankanteile. Heute fühlt er sich bestätigt und tröstet sich damit, dass er bei den Koalitionsverhandlungen mit der SPÖ 1996 "wenigstens die Haftungen der Stadt für die Bank wegverhandelt" habe. Das stimmt nicht ganz: Per 2010 haftete die Stadt Wien immer noch mit 9,6 Milliarden Euro. (Andreas Schnauder, Petra Stuiber, DER STANDARD, Printausgabe, 13.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 153
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Zukunftsoptimist1
02
13.1.2012, 23:11
Dafür dass es der AVZ nicht besonders gut geht,

gibt es eine Menge Indizien. Das war einmal ein stolzer Konzern. Heute sieht es freilich anders aus. Auch deshalb dürfte die Stadt Wien heute "kein Geld" mehr haben.

das ist fix
03
13.1.2012, 13:48
"Die AVZ-Stiftung schlittert in ein Desaster"

Häupl hat schon im Jahr 2000 die kritischen Stimmen mundtot gemacht.
http://www.ots.at/presseaus... akzeptabel

http://www.format.at/articles/... esterreich

Lophiomys imhausi
01
13.1.2012, 14:15
Machen Sie was Sie woolllen, und Sie werden wiedergewählt!

Cyber Motzer
01
13.1.2012, 12:34
die Bawag II Hypo II Tiwag II ?

was kommt da noch alles auf uns zu ? Wenn Politiker, Gewerkschafter, Stadträte und andere Banker spielen, dann kein Wunder !

onlooker
10
16.1.2012, 22:13
keine bange, auch die "gewieften professionellen banker"

haben milliarden versenkt, aber der staat und die steuerzahler, halten den kopf hin, denn diese wunderwuzzis geben nicht ihr eigenes geld aus, aber die bonis werden werden mit handkuss genommen

kingcycle
00
13.1.2012, 12:30
und wie das Layout so spielt,

gibts auch gleich rechts vom Artikel das Rezept für den Steuerzahler

Schmerzgedächtnis "löschen"

DerAndere34
02
13.1.2012, 12:18

mal ganz ehrlich.
laura r. niko p. und ein wrabetz die absolut nix schlimmes an der momentanen situation finden ...
ein blechacharly (patenonkel), ein pensionsbriefschreiber (vraaaanz), usw.... die nur unter protest ihren diplomatenpass zurückgeben wollen ...

wer hat da bei der AVZ von den roten etwas anderes erwartet?

m_M
00
13.1.2012, 11:41
sucht verlorenen Schatz in Mailand ...

na dann an die Arbeit
aber es ist schon nötig
tief tief zu graben! ;)

peditator
03
13.1.2012, 11:38
Selbstbedienungsladen ?

es mutet etwas überraschend an, dass alle Stiftungsvorstände aus dem Kreis jener Personen stammen, welche dem damaligen Verkauf der Z zustimmten. Das Management und der Betriebsrat, letzterer sicher mehr als qualifiziert 1,6 Mrd. € zu verwalten. Die finanzielle Gebarung ist de facto nicht prüfbar; 1,5 Mrd. verbrannt und 78 Mio. ausgeschüttet. Mir kam kurz der Gedanke, dass dies nur ein Teil der Wahrheit sein könnte, aber da es in Österreich ja ausschließlich anständige Unternehmer und Politiker gibt, wir alles schon seine Ordnung haben.

Gerhard Polak
00
13.1.2012, 14:01
Ein paar Deka Hintergrund gefällig?

Die AVZ sollte nach dem Verkauf der Bank Austria an die Hypo Vereinsbank für zwei Dinge "sorgen": Bank der Regionen-Vertrag; was die regionale Absicherung der Bank Austria heißt. Und um die im Betriebsratsfonds gehaltenen und in der AVZ befindlichen Mitarbeiteraktien der Unicredit. Siehe zum Beispiel die Erläuterungen des Konzerngeschäftsberichts der Bank Austria http://geschaeftsbericht.bankaustria.at/2010/gb/d... ungen.html
Ehemals Leitende Organe & ehemalige Betriebsräte(Randa, Samstag & Co http://www.firmenabc.at/privatsti... echten_gLU ) kümmern sich um die Einhaltung des Bank der Regionen Vertrags und die Aktien.

Mad Max
11
13.1.2012, 10:48
(W)WTF AVZ?

Wien, Niederösterreich, Kärnten, Burgenland, ...
AVZ, Hypo NÖ, HAA, BB, ...
Rot, Schwarz, Blau, Orange, Grün, ...

Der fahrlässige Umgang mit öffentlichem Vermögen, das eigentlich für die Sicherung der Zukunft unseres Landes investiert werden sollte ist mir absolut unverständlich.
Ist es mangelndes Unrechtsbewusstsein, Nepotismus, Gier, Unfähigkeit, oder ein Wenig von Allem?!

Das Schema ist immer das Selbe, und alles rennt wie geschmiert.

Querulant1951
02
13.1.2012, 11:28
es sind Dilettanten am Werk

und wenn dann Einer vorgibt, sich auszukennen, wie eben dieser Randa, dann sind alle erleichtert und rennen hinter dem von ihm vorgezeigten Weg nach.- Inklusive Häupl in dem Fall

schlatzgruen.dyndns.org
01
13.1.2012, 11:17
Der fahrlässige Umgang mit öffentlichem Vermögen ... ist mir unverständlich.

Was ist daran so schwer zu verstehen? Das ist doch systemimmanent und wird IMMER so sein.

Wenn jemand die Konsequenzen seiner Handlungen nicht am eigenen Leib spürt, ist er natürlich leichtsinniger als andersrum!

Würden Politiker für Veranlagung öffentlicher Gelder persönlich haften, sähe die Sache gleich ganz anders aus. Nur hätten wir dann keine Politiker mehr.

Schnick
33
13.1.2012, 10:45

Die Sozen haben also aus 1,7 Mia Stadtvermögen 9,6 Mia Miese für den Steuerzahler gemacht ?

adaschauher
24
13.1.2012, 10:14
das problem beginnt damit dass im rotschwarzen reich

höchste positionen als versorgungsposten für mitglieder auch bei inkompetenz vergeben werden.

so haben wir

bundeskanzler faymann ohne studienabschluss, der nicht einmal englisch spricht

nationalbankchef nowotny, der ein mittelmässiger uniprofessor war, und ahnungsloser lakai in der bawag.

omv ex-chef ruttensdorfer der weniger kompetent im ölgeschäft als im insiderhandel war. (freigesprochen wurde er nur vom bereicherungsvorwurf nicht vom insiderhandel selbst)

Leider Öffifahrer
10
13.1.2012, 11:48
Nicht zu vergessen

der Superpraktikant aka "Der Neffe"

Prof. Alois
 
00
24.1.2012, 12:47
Der hat aber studiert

und k ann Englisch. Aber vielleiicht sind gerade das die Aufgaben eines Vizekanzlers, wenns der Kanzler nicht kann.

Erika Rothen
02
13.1.2012, 09:48
Aha. Die Anteile, die die öffentliche Hand an dieser Bank hielt, waren 1,7 Milliarden Euro Wert.

Demgegenüber standen haftungen der öffentlichen Hand von 9,6 Milliarden Euro, also fast das 6-fache.

Nun sind die einst 1,7 Milliarden Euro, aufgrund Randas weiser Voraussicht, auf vielleicht ein Zehntel ihres Wertes geschrumpft, und selbst dieser Wert ist nicht mehr vorhanden - die meisten Anteile wurden sukzessive verkauft. Nur wohin der Verkaufserlös geflossen ist, wird nicht dargestellt, was einige unschöne Vermutungen zulässt. Man kennt ja die klassisch österreichischen Bonzenversorgungsmechanismen.

Das wirklich Schöne an der Sache: Die Werte wurden also versenkt bzw. an "wohlerworbene leistungsträger" umverteilt, während die Haftungen in voller Höhe bestehen blieben. Und vermutlich bald schlagend werden (Unicredit-Pleite).

Blitzo
10
13.1.2012, 10:41
Warum sollten die Haftungen in voller Höhe bestehen bleiben??

Meistens betreffen die Haftungen Anleihen und Kredite viele von diesen sind sicher schon abgelaufen.

Zukunftsoptimist1
00
13.1.2012, 23:02
Das Ablaufdatum der vielen

Leichen im Keller hindert diese nicht daran zu stinken, wenn sie einmal ans Tageslicht gefördert werden (müssen). P*RRRRRRRRRRRRRRRRRR!

Erika Rothen
03
13.1.2012, 11:05
Lesen Sie

einfach den Artikel oben aufmerksam durch, sind Sie so nett?

eins zwei drei
00
13.1.2012, 13:19

wenn alle fakten im artikel korrekt wären, wäre ihr rat ja sinnvoll.

leider stimmt vieles darin nicht - was man auf grund der komplexität der materie (stiftungsrecht, sparkassenrecht etc.) den beiden redakteuren auch nur bedingt vorwerfen kann - ausser dass unzweifelhaft ein enormer wertverlust eingetreten ist.

Zukunftsoptimist1
01
13.1.2012, 23:04
nicht zu vergessen:

...und dass das kein unvorhersehbares Naturereignis gewesen ist.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
01
13.1.2012, 10:34
Bei einer italienischen Bank

würde ich die Wahrscheinlichkeit, daß die Marie in mafiöse Kanäle rinnt, dann abe als gleich hoch einstufen wie die von Dir skizzierte.

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