Menschenrechtsgerichtshof

Straßburg stoppt erstmals Asyl-Rückschiebung nach Ungarn

12. Jänner 2012, 18:17
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    foto: ap/szandelszky

    Asylwerber im Flüchtlingsgefängnis Kiskunhalas: Laut dem Helsinki-Komitee werden Flüchtlinge in magyarischen Anhaltezentren von Polizisten provoziert und verprügelt sowie mit Pillen ruhig gehalten.

Auch Transporte nach Italien laut der Asylverordnung Dublin II wurden zuletzt gestoppt

Wien - Die rechtlichen Hürden gegen die EU-weiten Rückschiebungen von Asylwerbern laut Dublin-II-Verordnung in jenes Land, in dem die Flüchtlinge erstmals Unionsboden betreten haben, werden höher. Donnerstagfrüh erhielt der Anwalt Edward W. Daigneault dringende Post vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg: Sadiq Ahmad (Name geändert) aus dem Sudan sei "bis auf Weiteres nicht nach Ungarn abzuschieben."

Damit stoppte das höchste europäische Menschenrechtsgericht per Vorläufiger Maßnahme, also in letzter Minute, erstmals einen Rücktransport in den österreichischen Nachbarstaat. Ein weiterführendes Verfahren wurde angekündigt. Am Donnerstag wurde der Sudanese unter Meldeauflagen aus der Schubhaft entlassen.

Ungarn steht wegen der Behandlung von Flüchtlingen zunehmend in der Kritik. Seit einer Gesetzesnovelle Ende 2010 kommen Flüchtlinge nach ihrem Asylantrag sowie nach einer Dublin-Rückschiebung in Haft. Dort bleiben sie bis zu ein Jahr lang.

Laut dem UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR, das derzeit ein detailliertes Papier erarbeitet unterliegen die Schutzsuchenden dabei einem "strengen Gefängnisregime". Das ungarische Helsinki Komitee zitiert inhaftierte Flüchtlinge, die von gezielten Misshandlungen erzählen: Polizisten hätten sie "provoziert und zusammenzuschlagen". Zudem würden den Eingesperrten "systematisch Medikamente und Beruhigungsmittel verabreicht".

Als U-Boot in Wien

Auf diese Schilderungen hatte sich auch Anwalt Daigneault bezogen, als er am 2. Jänner für seinen sudanesischen Klienten beim Unabhängigen Verwaltungssenat (UVS) Wien Schubhaftbeschwerde einlegte. Doch sowohl der UVS als auch die Fremdenpolizei sowie - am 10. Jänner - der Verwaltungsgerichtshof gingen auf die Zustände im magyarischen Asylwesen nicht ein. Statt dessen beschränkten sie sich darauf, die Schubhaft Ahmads als rechtmäßig zu bezeichnen. Der 30-Jährige war am 21. Dezember von Polizisten im Wiener Sudan-Klub angetroffen worden. Davor hatte er sieben Monate als U-Boot überlebt. Einem ersten Ungarn-Rückschiebeversuch im Mai 2011 hatte er sich durch Untertauchen entzogen: "Bevor Ahmad 2010 nach Österreich kam, war er als Flüchtling in Ungarn eingesperrt. Er wollte keinesfalls zurück", erläutert Diagneault-Mitarbeiter Gerhard Wallner.

"Dass der EGMR Rückschiebungen nach Ungarn in Einzelfällen stoppt, war nur eine Frage der Zeit", kommentiert Anny Knapp von der Asylkoordination. Nach Griechenland, wohin derzeit europaweit kein Flüchtling zurückgeschickt wird, rückten nun auch die Defizite in anderen EU-Staaten in den Mittelpunkt.

Tatsächlich hat das Straßburger Gericht zuletzt auch zwei Dublin-Fahrten von Österreich nach Italien unterbunden. Die Vorläufigen Maßnahmen wurden der Flüchtlings- und Deserteursberatung am 9. Dezember und 6. Jänner zugestellt. Betroffen waren psychisch kranke Asylwerber.

Der Innenministeriumskritik an unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, die als "Ankerkinder" ihre Familien nachkommen ließen, haben indes die Grünen konkrete Zahlen entgegengestellt.

20 Familien nachgeholt

2011 habe es "weniger als 20" derartige Familienzusammenführungen gegeben, sagte Grünen-Integrationssprecherin Alev Korun bei einem Hintergrundgespräch mit dem Experten Heinz Fronek. Zur Hilfe dazu sei Österreich zudem "international verpflichtet". (Irene Brickner, DER STANDARD; Printausgabe, 13.1.2012)

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m0nk
40
14.1.2012, 13:23
Dublin muss brennen! Gruppeninterview mit eritreischen Flüchtlingen

Aman: Sobald wir hier ankommen, stehen wir vor Problemen mit den europäischen Regierungen, so wie zuvor mit der eritreischen Regierung – nur die Form ist eine andere. Also, die sogenannte Dublin-Regelung ist wie ein diktatorisches Regime in Afrika.

Jonathan: Weil es dort keine Menschenrechte gibt. Wir hatten nichts zu essen. Wir hatten keine Unterkunft. Die grundlegenden Dinge. Wenn wir diese grundlegenden Dinge nicht haben, sind wir gezwungen, ein unmenschliches Leben zu führen. Ohne ein Dach über dem Kopf lebt man wie ein Tier. Wir bekamen nichts von Italien, außer in der ersten Zeit als wir im Lager waren. Sobald du Papiere erhältst fordern sie dich auf: „Heute musst du gehen!“

http://dublin2.info/

Hellcat
11
14.1.2012, 14:25
Lesen Sie den Standard!

Die haben seriös recherchiert:
"... manche Polizisten haben geweint. Überhaupt war es für mich sehr beeindruckend, wie die Polizei und die Grenzbehörden mit den Flüchtlingen umgegangen sind. Die leisten enorm viel. ... In Österreich wäre die Reaktion auf mehrere tausend neue Flüchtlinge im Land wahrscheinlich ein Wahlergebnis von über 70 Prozent für Strache."
Es ist auf jeden Fall ein Vorteil für die Asylwerber, wenn sie aus dem rassistischen Österreich nach Italien abgeschoben werden. So bleiben ihnen die Härten der österreichischen Asylgesetze erspart.

oxyphate
00
17.1.2012, 17:21
Ich denke die Asylkoordination Österreich ist eine gute Quelle.

Schauspieler Bernhard Dechant... [Interview]
Dechant: "...Das Bild von der "bösen" Exekutive [!] hat sich auf Lampedusa [!] überhaupt nicht ergeben [...] 70 Prozent für Strache."
Die Abschiebepolitik von Italien, die mit dem Fehlen vom Herrn Gaddafi problematischer wurde, ist nicht gerade das, was ich mir nach einer langen Reise nach Verfolgung aufgrund von Rasse, Religion, Nationalität, Zugeh. zu einer bestimmten soz. Gruppe, polit. Überzeugung wünschen würde. Auch nicht das ich verhungere obwohl Schiffe vorbeifahren.
Dublin II ist zum Scheitern verurteilt, es war schon nach dem in Kraft treten klar, dass man nicht alle Asylwerber (mit Ausahme von einigen wenigen: via Flugzeug, Kinder, etc.) in die ärmeren Randgebiete abschieben kann.

oxyphate
00
17.1.2012, 17:24
ups hab mich wohl bei Antworten vertan.

Ah "2012" ist sogar ausgebessert worden.

oxyphate
42
13.1.2012, 14:03

Ich denke das mit der Jahreszahl war ein Tippfehler:
"Laut Heinz Fronek von der Organisation "Asylkoordination" habe es im Vorjahr gerade in elf Fällen von anerkannten minderjährigen Flüchtlingen (unter 18 Jahren) in weiterer Folge Familienzusammenführung gegeben. 2011 (Stand 1. Dezember) haben 1195 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einen Asylantrag gestellt (2010 waren es 934 in zwölf Monaten)... "
Quelle:
Kurier
http://kurier.at/nachricht... kinder.php
Ich befinde den rechten Trend bei allen Fragen zu Asyl- und Fremdenrechtthemen und die Unwissenheit der online Standard Kommtierenden, als mehr als beunruhigend! Grundwissen über Demokratie und Rechtstaat fehlt den Meisten von Ihnen offensichtlich

MAXIMA
00
13.1.2012, 11:35
... Mißstände???

... in Ungarn, warum geht der EGMR in Straßburg nicht gegen Ungarn und Italien vor, wenn die dortige Asylzustände inakzeptabel sind.
Bei 20 Familienzusammenführungen seit Anfang des Jahres, werden das laut Statistik und Frau Korun dann übers Jahr gesehen über 600 sein.

carlito_brigante
01
13.1.2012, 10:12
puhh

da (rechts)geifert's aber wieder ordentlich im forum

binnenischmarrn
00
15.1.2012, 10:43

sorry, aber alle hierbehalten ist auch keine lösung....

DarwinsHammer
23
13.1.2012, 10:05
Na gut

Damit ist Dublin 2 ausser Kraft, damit ist Schengen ausser Kraft.

Der Zwersch
20
13.1.2012, 16:11

Hättens wohl gern...

DarwinsHammer
01
13.1.2012, 16:32

Dublin 2 ist eine Farce. Dagegen muss man sich wehren eigentlich.

hardy ess
 
32
13.1.2012, 09:49
die österreichische spielart

des konservatismus zeichnet sich durch eine ganz besonders perfide form der bösartigkeit aus. an welchen stellen wären mikl-leitner, fekter, schüssel, platter, strasser, prokop usw. und so fort vor 75 jahren gesessen, wäre ihnen nicht die "gnade der späten geburt" zu teil geworden? ein demokratischer faschismus ist natürlich eine contradictio in adiecto, offensichtlich aber nicht eine faschistische demokratie.

grüße

John Denver
210
13.1.2012, 09:46
Sudanesen sollen nach Saudi Arabien gehen.

Das Land ist auch kompatibler mit ihrem Wertesystem und der Religion.

Der Zwersch
51
13.1.2012, 16:12

Wenn Blinde über Farben sprechen...

die naive
00
19.2.2012, 19:47

Wenn mein Leben in Gefahr wäre, würde ich in das nächste naheliegendste sichere Land flüchten!

Geh?danke
08
13.1.2012, 09:28

Für 20 Familienzusammenführungen pro Jahr gibt es in Österreich eigene Beratungsstellen
http://www.roteskreuz.at/migration... nfuehrung/
und gefühlte 20 NGOs, die diesen Zuzug organisieren.

Der Zwersch
70
13.1.2012, 16:12

Wenn sie Probleme mit ihren Gefühlen haben, da hat es sicher ein paar Pillen für.

zimbo
 
02
13.1.2012, 09:26
Da Niveau muss kleiner gleich Ungarn werden,

vielleicht kommen sie dann endlich nach Strassbourg oder Brüssel, wo das Problem entstanden ist.

schlatzgruen.dyndns.org
18
13.1.2012, 09:17
Was soll das?

Es ließen sich wahrscheinlich auch Gründe finden, nicht nach Österreich abzuschieben. Vielleicht, weil der Sekt im Häfen inakzeptabel warm oder der Flatscreen im Zellen-Loft nicht HDMI-tauglich ist. Übrigens: Wer sauft heute noch Goldeck, wenn man Moët & Chandon haben kann?

Wenn man nicht einmal in die EU abschieben darf (Hallo? Waren menschenrechtskonforme Zustände nicht Beitrittsbedingung?), wohin dann?

beliar
21
13.1.2012, 12:13

Habens den artikel nicht gelesen? oder nicht verstanden? hab übrigens ähnliches schon vorher gehört

m0nk
23
13.1.2012, 09:09
Said (24) wurde im Oktober 2010 aus Rotterdam/ Holland nach Budapest abgeschoben. In Afghanistan arbeitete er für ISAF als Übersetzer

und wurde mit dem Tod bedroht. Sein Gesicht ist blaß, er wirkt unglaublich müde. Als er vor über einem Jahr Ungarn erreichte wurde er inhaftiert und seine Fingerabdrücke wurden registriert. Said verließ Ungarn nach kurzer Zeit in Haft und floh weiter nach Holland. In Holland lebt ein Cousin, der ihm während seiner immer wiederkehrenden psychischen Zusammenbrüche Halt geben konnte: „Ich muß bei meiner Familie sein, sonst werde ich verrückt.“, sagt Said.
http://dublin2.info/2011/04/j... in-ungarn/

elf*assa
11
13.1.2012, 16:35

... einfach nur zum Weinen.

Diese Jugendlichen gehen durch die Hölle.

Zahltag.
712
13.1.2012, 09:05

Während rundherum die Ausgaben für das Asylwesen Richtung Null gekürzt werden, gibt Mikl-Leitner nochmals so richtig Gas. Die Subventionen für die Rechtsberatung wurden kräftig erhöht, und die Tagsätze für die Unterbringung wurden auf 19 Euro erhöht.
Wenn unsere Innenmnisterin so weiterwerkelt, dann trägt Österreich die Kosten für die in der EU ankommenden Asylwerber demnächst alleine.

Herr und Frau Österreicher
 
42
13.1.2012, 10:51

Die Kosten für das Asylsystem machen etwa das Doppelte der jährlichen Kosten der Eurofighter aus (exkl. Anschaffungskosten!!!).
Auf der einen Seite eine internationale verpflichtung und schutz für Verfolgte, auf der anderen Seite kriegsspielzeug, das keiner baucht, keiner will und mit dem nix anfangen kann...

Wicked Vienna
24
13.1.2012, 10:25

Und ? Hast Angst um deine Transferleistungen ?

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