Viel Potenzial zum innovativen Umschichten

12. Jänner 2012, 17:54
1 Posting

An Forschung doktern in Österreich drei Ministerien herum. Besonders erfinderisch sind sie bei Innovationsförderungen für Unternehmen

Wien - Vor einem Jahrzehnt noch Nachzügler, der Schweden, Finnland und der Schweiz hinterherhechelte, hat sich Österreich gemausert. Das Alpenland belegt Platz sieben im EU-Vergleich, ist mit einer Forschungsquote von 2,78 Prozent also gehobenes Mittelfeld.

Hier fällt der erste Widerspruch auf, denn bei staatlichen Förderungen für Forschung & Entwicklung (F&E) gehört Österreich zu den Frontrunners, insbesondere, was die Unternehmensförderungen betrifft. Erfinderisch, wie die Bundesregierung ist, fördert sie elf Prozent der Unternehmens-F&E in Österreich, während "Innovation Leaders" wie Dänemark und die Schweiz weniger als zwei Prozent zuzahlen.

Zum Vergleich: Die Innovationsgroßmacht Schweden gab zuletzt nicht mehr als 5,8 Prozent, Finnland schlanke 2,4 Prozent. Der Output dieser "Innovation Leaders" ist dennoch größer und die Forschungsquote höher als in Österreich (siehe Grafik).

Dabei wurde hierzulande noch nie so viel in F&E investiert, wie sich die für Forschung zuständigen drei Minister Doris Bures (Verkehr), Karl-Heinz Töchterle (Wissenschaft) und Reinhold Mitterlehner (Wirtschaft) im Mai bei Vorlage des Technologieberichts 2011 rühmten. Demnach wurden im abgelaufenen Jahr 8,29 Milliarden Euro in F&E investiert. Davon 3,2 Mrd. oder 38,7 Prozent stammen von der öffentlichen Hand, 3,7 Milliarden oder 44,6 Prozent von der Wirtschaft, der Rest vom Ausland, gemeinnützigen und öffentlichen Körperschaften).

Dieser Medaille Kehrseite: Mit der Erhöhung der Ausgaben ging bei der Finanzierung eine Schieflage einher - zuungunsten der Universitären Forschung. Der räumte 2002 noch 77,4 Prozent der öffentlichen Finanzierung ab, 2009 nur noch 66 Prozent. Dank der von Wirtschaft und Regierung vehement verteidigten Erhöhung der Forschungsprämie von acht auf zehn Prozent wird die öffentliche Finanzierung der Unternehmens-F&E bis 2012 sogar um 310 Prozent steigen, während die Unternehmens-F&E (jeweils firmeneigener Bereich) gesamt um 60 Prozent zulegt, wie Innovationsökonom Andreas Schibany von Joanneum Research vorrechnet. Ob Österreich mit staatlichen Gaben je in die Top-Liga vorstoßen und seine Forschungsquote bis 2020 auf drei Prozent erhöhen kann, bezweifeln Experten. Nicht nur, weil die letzten Meter stets die schwierigsten sind, sondern weil radikale Innovationen so gut wie nie durch "nudging" oder steuerliche Förderung zustande kommen, sagt Schibany. Dafür gehe aber zu viel Steuergeld drauf, mit zehn Prozent Prämie an die 500 Millionen Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Im Nach-Krisen-Jahr 2010 kostete die Forschungsprämie laut Förderungsbericht des Finanzministeriums 327 Mio. Euro.

"Ich fürchte, dass wir den Zenit erreicht haben", warnt Schibany vor einem weiteren Ausbau der Unternehmensförderung. "Input-Orientierung ist gefragt statt Output. Wir müssen die akademische Forschung stärken." Ein Blick in die Förderpraxis zeigt, wo Potenzial zum Umschichten liegt: 27 Mio. Euro kostet allein die unspezifische Headquarter-Förderung für 35 Konzerne. Dementsprechend vernichtend fiel das Urteil der Evaluierungsexperten von Technopolis aus: "Im Lichte der Evaluierungsergebnisse können wir nicht empfehlen, das Headquarterprogramm in seiner derzeitigen Form weiterzuführen.(Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.1.2012)

  • Das Aufziehen von betrieblichen Subventions-injektionen stellt in Österreich kaum ein ernsthaftes Problem dar. Vor allem steuerlich wird innovative Investition belohnt, hinzu kommen geförderte Kredite und Haftungen.
    foto: standard/warmuth

    Das Aufziehen von betrieblichen Subventions-injektionen stellt in Österreich kaum ein ernsthaftes Problem dar. Vor allem steuerlich wird innovative Investition belohnt, hinzu kommen geförderte Kredite und Haftungen.

  • Artikelbild
    grafik: standard
  • Artikelbild
    grafik: standard
Share if you care.