Optimismus

Spurensuche im Buchhandel

Verena Kainrath, 12. Jänner 2012, 17:43

Morawa und Tyrolia über Grenzen des Internetbooms

Wien - Bücher seien immer wieder totgesagt worden, aber ebenso wie sie werden auch stationäre Buchhändler nicht vom Markt verschwinden, sagt Markus Renk. Die Prognose des Branchenriesen Thalia, der sich auf Einbrüche von mehr als 40 Prozent in seinem Filialgeschäft einstellt, hält der Chef der Tyrolia für zu hoch gegriffen.

Auch Morawa-Geschäftsführer Gerald Schantin sieht die Zukunft stationärer Läden weniger dramatisch: Dem wachsenden Buchverkauf übers Internet seien Grenzen gesetzt. Diese lägen bei höchstens einem Viertel des Gesamtmarkts.

Thalia setzt die Online-Konkurrenz international schwer zu. Der deutsche Eigentümer Douglas will den Konzern nun umbauen: Man will weg von riesigen Standorten und schließt auch Jobabbau nicht aus. Inwieweit davon die 36 Filialen in Österreich betroffen sind, ist noch offen, die Lage wird analysiert, heißt es aus der Unternehmensführung. Anders als der Mutterkonzern hat Thalia die Umsätze hierzulande zuletzt klar erhöht. Auch über die Erträge zeigte man sich zufrieden - international gab es hingegen kräftige Abstriche.

Morawa setzt mit 24 Buchläden derzeit mehr als 50 Millionen Euro um. 2011 sank der Umsatz inflationsbereinigt. Die Zahl der Kunden stagniere, die Kosten stiegen - was an den Gewinnen nage, resümiert Schantin. Man bewege sich aber nach wie vor auf hohem Niveau. Die Verkaufsflächen seien kleiner als jene von Thalia und ließen sich auch künftig halten. Den Rückzug aus der Linzer PlusCity will Morawa mit "anderen neuen Impulsen" kompensieren. "In dem Einkaufscenter gibt es zu viel Konkurrenz." Und während sich Thalia zunehmend branchenfremde Ware holt, macht Morawa weiter 90 Prozent des Geschäfts mit Büchern.

Tyrolias 22 Filialen bringen gut 26 Millionen Euro Umsatz. Renk: "2011 war für uns ein gutes Jahr. Wir haben keinen Druck, etwas zu ändern." Allein bei der Expansion agiere man vorsichtig. Tyrolia ist zuletzt vor allem durch Übernahmen gewachsen. Ein Gefahr durch das E-Book sieht Renk nicht. "Das Berufsbild der Buchhändler wird sich ändern, aber darin liegen viele Chancen." Das Volumen an verfügbaren Titeln werde durch elektronische Bücher explodieren. Die Kunden brauchten daher gute Ansprechpartner, die sie berieten.

Gedruckte Bücher vergleicht er angesichts ihrer Kurzlebigkeit mit Lebensmitteln. Gut ein halbes Jahr nach Erscheinen rede keiner mehr von ihnen, nach zwei Jahren würden sie aufgrund hoher Lagerkosten verramscht und seien bald vergriffen. Durch E-Books werde die Branche künftig eine enorme Titelvielfalt bieten können. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Printausgabe, 13.1.2012)

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11 Postings
AlterMann1
00
12.2.2012, 02:13

Nichts gegen E-Books. Für unterwegs überlege ich mir sehr wohl die Anschaffung eines Kindl´s.
Allerdings liebe ich es in einer Buchhandlung zu sein und mit der Verkäuferin zu reden die was von Büchern versteht. Die oft nicht einmal im PC nachschaeuen muss um mir zu sagen wann was kommt, oder mir mehr über eine/n Autor/in sagen kann. Ein herrliches Gefühl. da redet wer mit mir der mich versteht und offensichtlich Bücher mag.

Das einzige was mich stört ist das Bildbände so unverschämt teuer sind, sonst hätte ich sicher etliche davon, aber ich kann sie mir einfach nicht leisten.

Kaufe schon mal am Flohmarkt und wenn ich dann auf eine Buchreihe stosse wovon ich gerne mehr hätte und die älter als 2-3 Jahre ist bekommt man sie fast nicht mehr.

krikri
11
12.1.2012, 23:43

wenn man die strudelhofstiege wirklich ganz gelesen hat, dann will man sich im vorbeigehen beim billy am anblick des buches, und sei es nur dass es die taschenbuchausgabe ist, erfreuen - dieses gefühl entsteht vermutlich beim anblick des herumliegenden kindle nicht...

Mob Barley
23
12.1.2012, 23:29

Der e-Book-"Boom" ist ein bissl ein vom Marketing der Produzenten u von den Vetreibern herbeigeredeter.

Keine Frage dass es für Triviall- u manche Fachliteratur praktisch ist (im vielen Fällen weil es keinen Stauraum benötigt u prima wieder entsorgt werden kann - echte Bücher wirft man eben nicht so leicht weg).
Für das Buch an sich ist es keine Gefahr.
Einige Prozent werden sich in Richtung e-Book verschieben - mehr als 20% sind aber nicht drinnen, denke ich.
Das Leseerlebnis auf so einem Ding (u ich habe mir einige angesehen) ist hochgradig unsexy.
Keine Gefahr für's gute alte Buch.

Levi, den sie Biff nennen
01
13.1.2012, 10:07
da is garnix unsexy

weiß nicht welches Gerät sie in den Händen hatten, aber beim Kindle 3 + 4 ist da garnix unsexy dran.
Im Gegenteil. Man hält es locker in der Hand und das Umblätter kostet nur einen müden klick.

Mich bringt keiner mehr vom Kindle weg.

Mob Barley
12
13.1.2012, 12:48

Jaja, ich kanns verstehen, man steht halt nicht gerne als Angeschmierter da, wenn man sich von einem Riesenkonzern hat verarschen u über den Tisch ziehen lassen.
Sie sind an EINEN Anbieter gebunden.
Kaufen Sie schön fest ein, bei Amazons bunter Warenwelt !! :-)

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kaufenkaufenkaufenkaufenkaufen.......

Enrico Furioso
02
15.1.2012, 23:47
"Sie sind an EINEN Anbieter gebunden."

Falsch. Man kann e-Books aus allen möglichen Quellen auf den Kindle bringen. Viele Bücher übrigens sogar kostenlos (weil nicht mehr unter Copyright), zb. von hier: http://www.manybooks.net/

Den Kindle an den PC anschließen und die Bücher auf den Kindle schieben, zb. via Calibre (siehe dazu http://de.wikipedia.org/wiki/Calibre)

Es gibt Bücher, die ich nicht auf dem Kindle lesen würde (zb. Kunstbücher, allgemein Bildbände, eben alle Bücher, in denen Abbildungen zur Essenz des Buches zählen); aber Literatur lässt sich auf dem Kindle so lesen wie mit einem ganz normalen Buch.

Enrico Furioso
00
16.1.2012, 00:11
astemp79
03
12.1.2012, 21:22
Kurzlebig?

"Gedruckte Bücher vergleicht er angesichts ihrer Kurzlebigkeit mit Lebensmitteln"

Das ist natürlich Unsinn.
Kurzlebige Bücher (Belletristik & Co) werden sicher in Zukunft immer öfter elektronisch verlangt werden, das stimmt.
Aber Sachbücher, Nachschlage- und Studienwerke sowie Bildbände wird es immer auf Papier geben.

servierwagen
00
25.1.2012, 19:42
Ähem.

Romane halte ich ja wohl doch für langlebiger als Sachbücher!

Gerade Nachschlagewerke werden ja schneller aktualisiert, als man sie nachdrucken kann - und werden sowieso von Wikipedia und Co verdrängt.

Geschichten dagegen sind zeitlos.

Enrico Furioso
00
15.1.2012, 23:50

Literatur und Belletristik aber stellen den weitaus größten Teil aller gedruckten Bücher, wohl deutlich über 90% von allem, was zwischen 2 Buchdeckel gepresst wird. Bei Amazon USA sind mittlerweile mehr als die Hälfte aller verkauften Bücher e-Books.

HVA
01
12.1.2012, 18:10
... Buchverkauf übers Internet

-> Dem wachsenden Buchverkauf übers Internet seien Grenzen gesetzt.

@management:
Ja, durch richtige Konfiguration der Firewalls.

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