Alternative zu gängigen Ink-Jet-Tinten gesucht - für Lebensmittelindustrie und Medizintechnik
Graz - Herkömmliche Druckertinten bestehen zum Teil aus flüchtigen
Lösungsmitteln und gelten als gesundheitlich bedenklich. An einem neuen Christian-Doppler-Labor an der Montanuniversität Leoben
forschen Wissenschafter nun an weniger schädlichen Alternativen. Mittelfristig gehe es auch um ihren Einsatz für den 3D-Druck, bei dem
mittlerweile ganze Gegenstände ausgedruckt werden. In der Medizin könnten sie
dann für neuartige Knochenimplantate oder Arterienprothesen zum Einsatz kommen,
so Labor-Leiter Thomas Griesser.
"In gegenwärtig gängigen Druckverfahren werden Druckertinten verwendet, die
reizende oder gesundheitsbedenkliche Stoffe beinhalten. So finden sich darin
sogenannte Acrylat/Methacrylat Monomere und niedermolekulare Photoinitiatoren,
die über die Atemwege und die Haut in den Körper gelangen und dort Reizungen
hervorrufen können", erklärte der Leiter des neuen Leobener Labors. "Das spielt eine Rolle für die Menschen, die an den Druckern
arbeiten aber auch für die Objekte, bei denen die Druckertinte zum Einsatz
kommt."
Im Großformatdruck wird beispielsweise sogenannte UV-Tinte verwendet, die
erst durch die Bestrahlung mit UV-Licht aushärtet. Dafür dringt sie nicht
vollständig in das Material ein, sondern liegt auf dem zu bedruckenden Material
auf, wodurch nahezu alle Materialien bedruckt werden können. "Es gibt allerdings
beispielsweise bis dato keine UV-härtbare Industrietinte, die für den Druck auf
Lebensmittelverpackungen zugelassen ist", erläutert Griesser. Nicht gehärtete
Teile würden immer wieder ins Lebensmittel migrieren, was gesundheitlich
bedenklich ist. In Leoben will man in einem ersten Schritt Strategien zur
Vermeidung dieser chemischen Reaktionen im Hintergrund des eigentlichen
Prozesses untersuchen, so der Chemiker am Departement für Kunststofftechnik.
Biokompatible Druckertinte
Konkret will man verschiedene Verfahren, die auf UV-reaktive Systeme
zurückgreifen und die Verwendung von funktionalisierten Nanopartikeln und
wasserbasierten Polymerdispersionen überprüfen. "Sowohl die Zusammensetzung aus
bio- und umweltverträglichen Bestandteilen als auch phototechnische Verfahren,
die ohne die irritierenden Prozesschemikalien auskommen, eröffnen neue
Einsatzmöglichkeiten", ist der Experte überzeugt. Der 3D-Mehrschichtdruck auf
Basis sogenannter biokompatibler Druckertinte ermögliche letztlich
dreidimensionale Objekte, die im medizinitechnischen Bereich u.a. bei der
Knochenheilung oder als Arterienprothese eingesetzt werden könnten. (APA, red)