Agrana-Chef Marihart

"Haben wieder vernünftige Margen"

Interview | Johanna Ruzicka, 12. Jänner 2012, 19:14
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    foto: apa/neubauer

    Die Zeiten, als es in der EU zu viel Zucker gab, der mit Dumpingmethoden auf den Weltmarkt geworfen wurde, sind vorbei.

Die hohen Zuckerpreise erfreuen nicht die Konsumenten, aber Konzerne wie Agrana - Deren Chef spricht über die Marktregulierungen

Standard: Zucker hat sich massiv verteuert. Und das nach einer EU-Zuckermarktreform, die sechs Milliarden Euro gekostet hat. Wie passt das zusammen?

Marihart: Die Reform wurde gemacht, weil die Welthandelsorganisation WTO den Re-Export von AKP-Zucker (Zucker aus den Ländern Afrikas, der Karibik und des Pazifiks, Anm.) verboten hat. Gleichzeitig sollte die EU für Zuckerimporte der LDC (Least Developed Countries, Anm.) geöffnet werden. Was die EU-Kommission allerdings nicht voraussehen konnte, war, dass der Weltmarktpreis für Zucker so in die Höhe geht.

Standard: Warum der Anstieg?

Marihart: Die Weltmarktpreise für Zucker haben sich, wie beim Getreide auch, verdoppelt. Es gibt eine weltweit gestiegene Nachfrage bei den Schwellenländern: nach Getreide, weil der Fleischkonsum mit steigendem Wohlstand steigt. Und nach Zucker, der, vor allem in Brasilien, in die Bioethanolproduktion geht. Hinzu kamen noch Witterungsextreme, die sich auf Ernten auswirkten.

Standard: Das heißt, seitdem man mit Zucker Geld machen kann, produziert die EU nicht mehr genug. Gibt es in der EU Engpässe?

Marihart: Nicht mehr. Kurzfristig ist es dazu gekommen, weil man auf eine solche Situation nicht eingestellt war. Schließlich produziert die EU seit der Reform nur mehr 85 Prozent des Eigenbedarfs; der Rest muss am Weltmarkt zugekauft werden. Nun ist das Preisniveau in der EU zwar niedriger als am Weltmarkt - aber die Annahme, dass Entwicklungsländer zu billigen Preisen in die EU importieren würden und nicht auf den Weltmarkt ausweichen, wo sie höhere Preise erzielen können, war natürlich unrealistsch. Die Entwicklungsländer sind auf andere Märkte ausgewichen, die oft näher liegen und gleiches Preisniveau wie die EU garantieren.

Standard: Aber könnte man das System nicht wieder hochfahren?

Marihart: Das geht nicht. Kommissionsvorgabe bei der Zuckermarktreform war, dass entsprechend viele Zuckerfabriken komplett abgebaut, "dismantled" werden. Von den ehemals 150 Zuckerfabriken in der EU sind nur hundert übrig geblieben.

Standard: Zumindest profitieren Zuckerverarbeiter wie die Agrana von der Situation.

Marihart: Ja, das ist richtig. Mit dem höheren Preisniveau haben Rübenbauern und wir vernünftige Margen. Wir sind jetzt auf einem Niveau, wo man beim Zucker wieder reinvestieren kann.

Standard: Nun ist das System in Europa aber noch immer reglementiert. Die Quoten, die genau vorgeben, wie viele Zuckerrüben angebaut werden dürfen, sollen bis 2015 ganz auslaufen. Vernünftig?

Marihart: Meiner Meinung nach nicht. Die EU würde sich mit einem Auslaufen des Quotensystems völlig dem Weltmarkt aussetzen. Da geht es dann nicht mehr um den hohen Preis; das kann dann wirklich zu einer Frage der Verfügbarkeit werden.

Standard: Ist der pflanzliche Süßstoff Stevia, der nun in der EU zugelassen wurde, eine Konkurrenz?

Marihart: Ich denke nicht. Stevia wird eher eine Konkurrenz für künstliche Süßstoffe, nicht für den Zucker. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 13.1.2012)

JOHANN MARIHART (61) ist Vorstandsvorsitzender des zu Raiffeisen gehörenden Zucker-, Frucht- und Stärkekonzerns Agrana. Der Niederösterreicher ist Chef des Europäischen Zuckerverbandes.

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12 Postings
fischkopp
00
13.1.2012, 11:57

Was für eine sympathische Visage...

Gobi Todic
00
13.1.2012, 10:41
Pro Stevia

Anti Zuckerkartell!

http://www.youtube.com/watch?v=q0LTLuzOTjM

Pepi hat da so gut hingepasst.

blackbeauty3
00
13.1.2012, 08:31

Man muss sich folgendes überlegen: Wir, die Bürger der EU stützen die bauernpreise für Ihre Produkte mit subventionen, das erstemal zahlen wir, dann zahlen wir ein zweitesmal für die Grundrohstoffe wie Getreide, Zucker etc beim Kauf der daraus hergestellten Produkte höhere Preise (da past man sich dem Weltmarkt an aber nicht bei den Produktionskosten), und dürfen uns schlussendlich über satte Margen der Agrarindustrie freuen......

blackbeauty3
00
13.1.2012, 08:13

Marihart hat das Problem schon angedeutet. Die Bioethanolproduktion ist eine einzige Katastrophe. Die Preise für Lebensmittel werden nach oben getrieben, die ärmsten kommen dann als erstes unter Druck. Abgesehen davon das kein einziges Bioethanolwerk in der CO2 Bilanz das hält was versprochen wurde. Auch in Österreich wurde ein Werk errichtet das ein einziger Betrug ist, für die CO2 Bilanz bringts garnichts es ist einfach eine ethische Sauerei Getreide zu verspriten während wo anders Menschen verhungern und dann kommens noch mit optimalen Margen- pervers

Wolfgang Ullram
10
13.1.2012, 07:13
ahja

die eu mit freiem markt und so rühmt sich, dass sie nur mehr 85% des bedarfes produziert.
ganz super

damit der profit bei den fabriken stimmt.

das ist der sinn der eu?

das hat sie uns als vorteil gebracht?

das ist der freie handel, markt?

oder gehts in der eu nun schon so unverblümt ausschließlich um die interessen der lobbyisten?

es scheint so.

und die arroganz mit der dieser manager, der sich am freien markt nicht durchsetzen konnte, der nur dann profitabel arbeitet, wenn er in einer geschützten werkstatt ist, hat auch keine berechtigung auch nur ein würschtlstandl zu betreiben.

aber eine monopolfirma...ja....das kann er... ist auch sooooo anstrengend...unterm eu schirm.

mit der entsprechenden lobby geht eben alles.

O5
00
13.1.2012, 02:18

Zeigt wie teuer und wie unnütz der ganze Subventions- und Regulierungswahnsinn im landwirtschaftlichen Bereich ist. Freie Marktwirtschaft, mit freien Im- und Exporten und freier Preisbildung, ohne Subventionen, dann sind solche Absurditäten endlich ein Ding der Vergangenheit.

der unverbesserwisserliche
00
13.1.2012, 00:33
Foto:

Brust oder Keule?

TaddyX
00
12.1.2012, 23:54
Er ähnelt immer mehr ...

Luis de Funes - zumindest auf diesem Bild.

wizenstain
00
12.1.2012, 21:44
Haben wieder vernünftige Margen

na das freut mich,
ich wünschte ich hätte auch einen vernünftigen magen

ict log
31
12.1.2012, 19:05
also zucker wird/ist teuer ...

... derzeit. das ist eigentlich sehr ok. zum einen essen wir sowieso zu viele dinge, die viel zucker enthalten, zum anderen ist m.E. der Zuckeranteil in vielen Lebensmitteln zu hoch. eigentlich sehr o.k. wenn infolge des höheren grundpreises für zucker solche angebote teurer werden. also leute esst mehr gemüse beispielsweise.

Auge des Osiris
12
12.1.2012, 22:33

Es soll alles im Preis erhöht werden, was Sie persönlich für unvernünftig / unnötig erachten?

Sie sind asozial.

Stephen Ferrando
11
12.1.2012, 22:28

der zucker wird teuer weil die eu die menge künstlich beschränkt und in österreich ein anbieter den markt als monopolist kontrolliert.

ich habe kein problem mit einen hohen zuckerpreis - aber nicht wenn er irgendwelchen konzernen und millionären zufließt.
besser wäre es zucker zu besteuern, da fließt zumindest das geld dem staate zu und nicht irgendwelchen raffgierigen konzernen.

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