Europakt

Fiskalpakt ganz nach deutsch-französischer Handschrift

Thomas Mayer aus Brüssel, 12. Jänner 2012, 17:20

Generalstreik in Belgien irritiert Spardiktate der EU-Regierungschefs - Euro-Pakt soll im März stehen

Zum ersten Mal seit Jahren werden die Staats- und Regierungschefs der Union bei ihrem nächsten EU-Gipfel in Brüssel die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise am eigenen Leib verspüren. Das Treffen sollte am Montag, 30. Jänner, stattfinden. An diesem Tag jedoch wird es in der EU-Hauptstadt eher ungemütlich sein - wegen eines Generalstreiks gegen all die schmerzhaften Spar- und Steuermaßnahmen, die die neue belgische Regierung soeben beschlossen hat.

Premier Elio di Rupo, der im Dezember erstmals an einem EU-Gipfel teilnahm und dabei gleich den neuen Euro-Fiskalpakt mitbeschloss, hat ganze Arbeit geleistet, um den rigorosen Schuldenabbau anzugehen, gegen den seine Landsleute jetzt protestieren. Die Staats- und Regierungschefs der EU treten nun im Sinn des Wortes eine Flucht nach vorne an: Der Gipfel wurde um einen Tag nach vorne verlegt; auf Sonntag, wenn die Belgier ihren Familientag haben.

Hauptthema wird die Krise der Eurozone sein, der Stand der Umsetzung der Notmaßnahmen zur Stabilisierung der Gemeinschaftswährung. Im Zentrum steht aber vor allem der neue Fiskalpakt, den einige Eurostaaten auf bilateraler Ebene so rasch wie möglich abschließen wollen. Dieser wird anstelle einer echten Reform des EU-Vertrages stehen, die wegen des britischen Vetos ausgefallen ist. EU-Länder, die nicht dem Euroraum angehören, sollen aber, wie berichtet, freiwillig mitmachen können. Bei der zweiten Verhandlungsrunde über den Pakt hielt sich die Begeisterung am Donnerstag in engen Grenzen.

Wie von Deutschland und Frankreich im Dezember vorgegeben, sieht der unter Ratspräsident Herman Van Rompuy erarbeitete Entwurf wenig Mitsprache für EU-Institutionen vor. Grundsätzlich ist geplant, dass die Staaten in ihren Verfassungen Schuldenlimits (eine "Bremse") einbauen; und dass eine Klagemöglichkeit beim Europäischen Gerichtshof geschaffen wird, sollte ein Land gegen Auflagen verstoßen. Der bilaterale Fiskalpakt würde die Regeln im EU-Vertrag nur ergänzen.

Auf beiden Feldern dürfte eine juristisch eher vorsichtige Formulierung übrigbleiben: Zum einen wäre die verfassungsmäßige Verankerung nicht Pflicht. Zwingend soll nur eine "ähnlich bindende" Lösung sein. So sollen Volksabstimmungen über eine Verfassungsänderung in Irland oder Dänemark umgangen werden.

Und es dürften nur Staaten, nicht aber die Kommission als EU-Zentralbehörde die Möglichkeit erhalten, sich an das EU-Höchstgericht zu wenden.

Staaten im Alleingang

Überraschend sei das nicht, sagt ein in die Verhandlungen involvierter EU-Abgeordneter, "Staaten können untereinander vereinbaren, was sie wollen". Das Parlament nimmt wie die Kommission eine skeptische Haltung ein und verlangt, dass der Pakt nach fünf Jahren automatisch in EU-Recht und -Kompetenz übergeht. Aber Paris und Berlin sind entschlossen, die neuen Regeln noch im Frühjahr über die Bühne zu bringen.(Thomas Mayer aus Brüssel, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 13.1.2012)

öl - ölölö
02
13.1.2012, 08:42
alles nutzlos

was helfen würde: per volksabstimmung entscheiden die länder einzelnen, ob sie sich mit neuer verfassung unter eine gemeinsame regierung mit gemeinsamer wirtschaftspolitik und gemeinsamer währung stellen, oder nicht. wer das nicht will, kehrt zu seiner nationalwährung zurück. das ist die einzige möglichkeit, wie eine eurozone funktionieren würde.

aber dieses polit-gequatsche und herumgeeiere bringt niemandem etwas und wird auch die märkte nicht beruhigen.

cookieberlin
20
13.1.2012, 10:18
Nationalwährung?

Die höchste Steigerung des BIP (mehr als 7%) im Euroraum und damit den umfangreichsten Profit seit (und an) der Einführung des Euro hatte mit etwas Abstand vor Deutschland...Österreich.
Vielleicht sollte man das Positive auch mal würdigen und sich mit selbstzerstörerischem Gequake zurückhalten.

öl - ölölö
01
13.1.2012, 12:00

lesen sie genauer. ich habe doch nicht geschrieben, dass wir aus der eurozone austreten sollen. ganz im gegenteil, ich würde bei einer abstimmung über währungsunion mit gemeinsamer regierung mit "ja" stimmen. nur so so, wie es jetzt läuft, wo jeder im prinzp machen kann was er will, aber wir trotzdem eine gemeinsame währung ghaben, geht das eben NICHT! dass es eine zeit lang gut gegangen ist, ist richtig, die probleme kommen halt bei so einer fehlkonstruktion erst nach ein paar jahren. das gerede der politiker, die nur auf zeit spielen und keine nachhaltigen lösungen suchen, das ist selbstzerstörerisches gequake.

cookieberlin
00
13.1.2012, 13:46

Volksabstimmungen setzen politische Reife und befriedigenden Informatsionsstand zur Sache voraus.
Ließe man das griechische Volk derzeit über den Verbleib im Euro abstimmen, wäre ich über den Ausgang nicht sehr sicher...denn die Schuld an der Misere wird, wie zu lesen war, bei den europäischen Partnern, insbesondere Deutschland, gesucht.
Deutschland, Österreich, Niederlande und andere Stabilitätsanker sind dabei in wichtigen Entscheidungsgremien der Eurozone, EZB und IWF bemerkenswert wenig bis gar nicht vertreten.
Unsere finanziellen Geschicke werden im Gegenteil ausgerechnet von Italienern, Portugiesen, Belgiern und Franzosen geleitet.

öl - ölölö
00
13.1.2012, 17:50

dass viele in der bevölkerung sehr mangelhaft informiert sind, ist sicher richtig. was trotzdem für volksabstimmungen spricht, ist, dass eine auf diese weise getroffene entscheidung von den menschen mitgetragen wird.

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