Ruhestand

Abschied mit Ehrentitel

12. Jänner 2012, 17:08
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    foto: standard/hendrich

    Michael Frank führte Abwehrkämpfe gegen Verhaberung.

Michael Frank, langjähriger Korrespondent der "Süddeutschen Zeitung", räumt sein Wiener Büro - In 14 Jahren beobachtete er in Österreich Verzweiflung, Größenwahn und einen Selbstbewusstseinsschub

Wien - "Korrespondent gegen Österreich" nannte ihn einst die "Krone". Michael Frank war diese Beschreibung eine Auszeichnung: nicht mehr, nicht weniger und genau richtig, um den Satz auf ein T-Shirt drucken zu lassen.

Dieses trug der langjährige Korrespondent der "Süddeutschen Zeitung" in Wien beim Abschiedsinterview im STANDARD mit Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid und Susanne Glass, ARD-Korrespondentin in Wien, auf Einladung des Presseclubs Concordia und des Verbands der Auslandspresse. "Der höchste Ehrentitel, den ich in dieser Republik erringen konnte", sagte Frank schmunzelnd.

Nach 42-jähriger journalistischer Laufbahn und 25 Jahren als Auslandskorrespondent verlässt der 65-Jährige Ende des Monats Österreich. Als Journalist war für ihn Distanz wichtig: "Der Korrespondent darf sich in den Ländern, über die er berichtet, nicht beheimaten, weil er den Blick auf das Exotische verliert." Exotik? In Österreich? Frank: "Der Duft der Kultur ist das Interessante." Oder, bodenständiger: "Was glaubt ihr, wieso euch so viele im Urlaub besuchen? "

Ebendiese Distanz zu wahren sei nicht immer leicht gewesen. Als politischen Menschen hätten ihn mehrmals "Wut" und "Trauer" über "die Konstrukte dieses Landes" gepackt, erzählte Frank. Unerfahren sei er 1986 in die Waldheim-Affäre gestolpert. Staunend erlebte er eine Debatte über Formen, nie über Inhalte: "Ständiges Schwanken zwischen totaler Verzagtheit und Größenwahn."

Das Wien-Büro der "SZ" verließ Frank für sieben Jahre, als er von Prag aus berichtetete. Auf die Frage, wie sich Österreich in dieser Zeit verändert habe, überrascht der kritische Zeitungsmann: "Österreich hat einen unglaublichen Selbstbewusstseinsschub gemacht." Entscheidend war der EU-Beitritt: "An die EU konnte man sich ohne chauvinistisches Gehabe anlehnen."

"Unverfrorenheit", wie sie in Deutschland "nahezu unmöglich" sei, beobachtet er heute, etwa bei parteipolitisch beeinflussten ORF-Postenvergaben. Wie sich der Kanzler raushalte, sei "ausgschamt". Für nicht minder fragwürdig hält er die Verhaberung zwischen Politikern und Journalisten: "Gegen das Du-Wort habe ich einen regelrechten Abwehrkampf geführt." Die schlimmste Form der Korruption im Journalismus seien Vertraulichkeiten.

Er gehe als "höflicherer Mensch", sagte Frank, wobei es mit der Höflichkeit wiederum eine eigene Bewandtnis habe: Sie trete hierzulande "in viele Facetten" auf, beinhalte auch "unglaubliche Scheißfreundlichkeit", auf der man allzu gern "ausgleitet". (prie, DER STANDARD, Printausgabe, 13.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 59
1 2
Gut Bei
00
18.1.2012, 14:04
ich glaube nicht

dass es seinesgleichen wieder geben wird.

Die Aufklärung
 
74
13.1.2012, 18:35
Inkompetent

Na ja, als Leser der Süddeutschen Zeitung über Jahre kann ich bei diesen elogen über den Herrn Frank nur müde lächeln. Der Mann hat fast immer Recherche und Fachwissen ausgelassen und Geschimpfe mit Kritik verwechselt.

Nein, er war kein Schreiber gegen Österreich, dazu hat er viel zu wenig verstanden, er war ein Schreiber ohne Österreich, das hat in seinen Zeilenschindereien nicht stattgefunden.

Er war kein guter Journalist, weil ungenau und schablonenhaft.

Just N. Opinion
 
04
15.1.2012, 15:50
Inkompetent

ist vielmehr diese Kritik an Frank. Gerade er hat nie geschimpft und stattdessen Sachlichkeit vor Emotionen gestellt.

Adolf Ogi
00
13.1.2012, 17:31
schade

auch wenn mir nicht jede einzelne Aussage von ihm gefallen hat, so war er doch immer eine hochinteressante Stimme mit viel Hintergrundwissen. Leider kommen auf die pensionierten deutschen Korrespondenten in Wien keine vergleichbaren Persönlichkeiten nach.

Zum Abschied ein aktueller Link, Herr Frank im Gespräch über die politische Situation in Ungarn (sehr sachlich und informiert, im Gegensatz zu manchen heimischen Printartikeln): http://www.ardmediathek.de/ard/servl... Id=9221468

ichFrieder
00
13.1.2012, 17:26
Danke !

Schade um diese Stimme...

byron sully
02
13.1.2012, 17:12

alles gute für den ruhestand! seine statements waren immer eine bereicherung und eine wohltuende außensicht von unerträglichen zuständen in diesem land. danke für die langjährige berichterstattung!

salvator911
20
13.1.2012, 16:22
Teilweise hat er recht.

Als Bayer braucht er aber nicht so tun, als wäre das alles sooo fremd und anders.

hurchzua
24
13.1.2012, 10:56
"Ständiges Schwanken zwischen totaler Verzagtheit und Größenwahn"

Traurig aber wahr - das beschreibt die Gefühlslage ziemlich gut.

Und das in fast allen Bereichen - vom Sport über die Kultur bis zu Politik.

Filippos B€zahlnixos
33
13.1.2012, 11:39
....Pauschalisierungen

wie: im Süddeutschen Raum tragen alle Lederhosen... wird schon stimmen.

hurchzua
31
13.1.2012, 11:52
weil es Ausnahmen gibt,

wird eine allgemeine Beobachtung nicht falsch.

Filippos B€zahlnixos
22
13.1.2012, 13:15

besonders wenn man immer im selben einschlägigen Saft schmort, dann stimmt die "allgemeine Beobachtung": überall Saft ;-)

Der Waehlerwille
 
00
13.1.2012, 10:30
Schad. Schickts bitte wieder einen Guten.

altbürgermeister
03
13.1.2012, 10:25
Ein großartiger Journalist

Seine SZ-Artikel werden mir fehlen. Ebenso seine Auftritte bei Diskussionen. Leider ist man so scharfsinnigen und hintergründigen Journalismus heute nicht mehr gewöhnt. Habe mich oft gewundert, wie klar und verständlich, er innenpolitische Themen umrissen hat und den Kern hinter all den Fakten, die österr. Medien wochenlang undiffernziert gewälzt haben, freilegen konnte.

Kleiner Tipp abseits des Politische: Zwei wunderbare Bücher über Geschichte und Anekdoten aus Wien (Alles Wien) und Prag im Picus-Verlag!!!

DerSchwarzeWolf
30
13.1.2012, 09:44

"Korrespondent gegen Österreich". diesem natsi-drecksblatt ist wirklich nichts zu blöd und dämlich.

Mutantenwastl
00
13.1.2012, 05:48

Von dem haetten wir noch viel lernen koennen!

Ravenspower
113
12.1.2012, 23:50
Immer wieder überraschend...

...mit was menschen geld verdienen und ihr auslangen finden.

auf der anderen seite stehen nach wie vor die arbeiter.

wiedaschaun!
kommens halt weiterhin aus urlaub zu uns.

byron sully
00
13.1.2012, 17:12

hä???

Stephen Morrissey
00
13.1.2012, 14:19

q.e.d.

Der Waehlerwille
 
00
13.1.2012, 10:18
Danke dass sie so perfekt die in obigem Interview dargelegten Beobachtungen inkorporieren.

michikklas
11
13.1.2012, 07:46

Danke, man liest selten so dumme Postings! :-(

SterzinOz
13
12.1.2012, 23:49
Zwei Sachen hat er offenbar in 14 Jahren Österreich nicht gelernt;

wahrscheinlich aufgrund seiner Weigerung, sich im "exotischen" Österreich zu "beheimaten" (offenbar kann auch ein Bayer ein echter Piefke sein): erstens, dass das Wort "Abwehrkampf" hier ganz bestimmte Konnotationen hat, die mit Duzen aber auch schon gar nichts zu tun haben, und zweitens, dass die Grenze zwischen "du" und "Sie" in Österreich anders verläuft als in Deutschland, dass z.B. im beruflichen Bereich duzen hier viel weiter verbreitet ist als dort, und dass Verhaberung sich meist auf ganz andere Weise als durch das Duwort ausdrückt. Ob er zum Abschied wohl auch leise "tschüss" zu all den Ösis gesagt hat, mit denen er sich siezt?

17+4
02
13.1.2012, 10:37
gut, dass sie das anführen:

das mit dem Du in Ö ist ähnlich wie das ansprechen mit dem Vornamen im englischsprachigem Raum, da wird dann oft das persönliche mit einem Sir distanziert, um den gebührenden Abstand darzustellen, in Ö ist es halt anders, aber im Prinzip auch so.
Aber wie das im englischen Raum für Nichtengländer schwer zu verstehen ist, so halt für NichtÖ in Ö

axe 1
02
17.1.2012, 09:20
Piefkonien

erstreckt sich von Freilassing bis nach Flensburg

Der Waehlerwille
 
00
17.1.2012, 09:29
nein. Piefkonien beginnt jenseits der Bayern .. irgendwo im nichtexistenten Bundesland der Franken.

allerdings darf Münschen hier als nichtbayrische Preussenexklave gelten ...

Der Waehlerwille
 
00
13.1.2012, 14:56
es gibt in Ö auch interessante zwischenformen wie zb "Du Herr Ingenieur"

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