Proporz in Niederösterreich

Von der "Trägerrakete" zum Rohrkrepierer

Analyse | 12. Jänner 2012, 18:40

Proporzabschaffung in Niederösterreich: Wie die ÖVP die SPÖ als Verhinderer abstempelt

St. Pölten - Auch wenn sich bei der gestrigen Sonder-Landtagssitzung keine Mehrheit für ein Aus für den Proporz fand - in einer Hinsicht war die Sitzung historisch: Erstmals stimmte die VP einem Antrag der Grünen auf eine Sondersitzung zu und ermöglichte somit eine Debatte über die Abschaffung jenes Regierungssystems, das bewirkt, dass alle Parteien ab etwa zehn Prozent der Stimmen in der Landesregierung vertreten sind.

Seit 2009 machen die Grünen, die keinen Landesrat stellen, und die mit einer absoluten Mehrheit ausgestattete VP in Sachen Proporzabschaffung gemeinsame Sache. Das Unterfangen schien mangels Zweidrittelmehrheit aussichtslos, bis SP-Chef Josef Leitner im Sommer vergangenen Jahres plötzlich verkündete, er könne sich unter gewissen Bedingungen eine "echte" Mehrheitsregierung in Niederösterreich vorstellen.

Die Verhandlungen scheiterten kurz vor Weihnachten, obwohl die VP auf zwölf von 13 rote demokratiepolitische Forderungen "vorbehaltlos" eingegangen sei, wie Klubobmann Klaus Schneeberger bei der Landtagssitzung sagte. Sein SP-Pendant Günther Leichtfried konterte, über eine Änderung der Geschäftsordnung des Landtages hätte die VP erst in der nächsten Legislaturperiode reden wollen.

Schneeberger und Grünen-Klubobfrau Madeleine Petrovic betonten die historische Dimension der möglichen Proporzabschaffung: "Sie verhindern die wahrscheinlich größte demokratiepolitische Reform seit 1945", sagte Petrovic in Richtung Leitner. Die Freiheitlichen, die am derzeitigen System festhalten wollen, werteten die schwarz-grüne Einigkeit als Vorzeichen für eine mögliche Koalition.

Das Thema Proporz "reißt die Bürger nicht vom Sessel", räumte Schneeberger ein; dass die VP die Debatte dennoch so hochkocht, darf als Wahl-Vorgeplänkel gewertet werden. Im Frühjahr 2013 stehen Landtagwahlen an, und die Schwarzen sind bemüht, die Roten als streitsüchtige Arbeitsverweigerer darzustellen. Schneeberger mutmaßte in der Sondersitzung, Leitner fehle der Rückhalt im Klub oder er habe seine Ankündigung im Sommer nicht ernst gemeint. So oder so hat die VP, die den Proporz früher stets befürwortete, den Spieß geschickt umgedreht - und die SP in die Verhindererrolle gedrängt, während sich die ansonsten nicht macht-scheuen Schwarzen selbst als minderheitenfreundliche Demokratiereformer darstellen. Als "Trägerrakete für den Landtagswahlkampf" hatte Leitner eine Demokratiereform im Sommer 2011 bezeichnet; für die SP ist daraus ein Rohrkrepierer geworden. (Andrea Heigl, DER STANDARD; Printausgabe, 13.1.2012)

JosyH1
00
13.1.2012, 13:47
Das mit Demokraten nehmen die Sozial - Demokraten eben schon lange nimmer so ernst

Apparatschicks sinds geworden die werten Genossen - schade :(

J. Reichhart
00
13.1.2012, 08:38
spö

sozialdemokratie besteht nur mehr aus sesselkleben, opportunismus und freunderlwirtschaft.

von der vp und den neo-faschierten ist eh nix anderes zu erwarten.

Doc Steel
38
13.1.2012, 08:18
die övp zieht die spö an der nase durch den ring,

die grünen klatschen begeistert und die blauen schauen weg.

die sp wurde komplett entmachtet, die vp lebt ihren größenwahn, die grünen werden auch noch draufkommen, dass sie sich die falschen freunde anlachen und über die blauen soll man gar kein wort verlieren.

nö, das nordkorea österreichs.

nö, hat mehr schulden als kärnten.

nö verspekuliert einfach wohnbaugelder.

eine richtige "erfolgsstory"

alles was nicht schwarz ist, wird systematisch lächerlich gemacht und ausgehungert.

Cronos
00
13.1.2012, 17:15

Hm, war da gestern nicht ein Bericht im Standard wo i Wien bei einer Beteiligungsgesellschaft etliches an Wert in der Stifung fehlt?
Häupl und Pröll verstehen sich ja ganz gut - haben wohl eine ähnliche Konstellation in ihren Bundesländern.

wurm83
 
00
13.1.2012, 11:42
ws soll man da noch sagen ...ausser:

land der bauern, land der beamten vielgerühmtes österreich?

anders and
 
13
13.1.2012, 09:20

wenn die SPÖ umfällt sind die Grünen schuld, nicht wahr?

und die SPÖ Niederösterreich macht sich schon selbst lächerlich, die braucht dafür wirklich keine Hilfe (obwohl Faymann da ein paar exzellente Ratschläge bieten könnte).

Johannes99
13
13.1.2012, 07:05
und die Partei der Ehrlichen und Anständigen schwimmt mit

die SPÖ-Strategie war halt ein Desaster, der Abbruch der Verhandlungen argumentativ blamabel. Sei's drum, die Roten in NÖ sind halt so desaströs. Bemerkenswert aber die FPÖ im Landtag, die ja sonst so gegen die Bonzokratie auftritt: Proporz in der Regierung ist gut. Klar, wenn man selber eine Landesrätin hat ...

anders and
 
22
13.1.2012, 08:03
das verstehe ich jetzt nicht:

die SPÖ-Niederösterreich soll man nicht beschimpfen, weil man sich über Behinderte nicht lustig macht,

aber von der FPÖ Niederösterreich hätte man sich Stil, Ehrlichkeit und Konsequenz erwartet, und darf jetzt enttäuscht und wütend sein?

Meinen Sie das wirklich so?

Auch wenn's wirklich schon fad ist - mich ärgert die Unfähigkeit der SPÖ in NÖ noch immer.

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