"Der Tod fällt hier vom Himmel"

Blog | Rubina Möhring, 12. Jänner 2012, 18:41
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    foto: reuters//france televisions/handout

    Der erfahrene Kriegsreporter Gilles Jacquier wurde in Syrien bei einem Granatenanschlag getötet.

Syrien wird wieder ein weißer Fleck auf der Informationslandkarte werden

"Der Tod fällt hier vom Himmel" - das Entsetzen ist dem führenden belgischen Kriegsreporter Rudi Franckx ins Gesicht geschrieben, als er Mittwoch Abend in den Nachrichten des flämisch-sprachigen öffentlich-rechtlichen Fernsehens seines Landes über den gewaltsamen Tod des französischen Kollegen Gilles Jacquier berichtet. Die kleinkalibrige Granate hätte auch ihn selbst treffen können. Francks blieb per Zufall verschont, der dänische Fotoreporter Steven Wassenaar erlitt eine Augenverletzung. In seinem Beitrag zeigt Franckx, wie der tödlich getroffene Gilles und andere schwer verletzte Männer vom Boden aufgehoben und in Taxis gehoben werden. Er berichtet aus nächster Nähe. Selten sieht man in öffentlich-rechtlichen Nachrichten so ergreifende Szenen. Die Menschen stehen unter Schock.

Seit geraumer Zeit war Syrien für ausländische JournalistInnen absolute Sperrzone. Nun hatte die Regierung eine mehrköpfige ausländische Journalistengruppe eingeladen, sich vor Ort selbst ein Bild zu machen. Dass dieser, von offizieller, syrischer Seite sicherlich sorgsam vorbereitete Besuch derart enden würde, hatte niemand erwartet, schon gar nicht die Regierung Assad. Sie hatte die Journalistengruppe in dieses Viertel von Homs geleitet, wohl auch, um den ausländischen Gästen das so genannte normale, alltägliche "Unrechtverhalten" der Regierungsfeinde vor Augen zu führen. Der tödliche Vorfall jedoch demonstrierte etwas ganz anderes: den offensichtlichen Kontrollverlust sowie die Ohnmacht von Staatschef Assad und den ihm verbliebenen Getreuen.

Zunächst kommen Mittwoch Abend via Youtube die ersten Bilder von dem Chaos rund um die getroffenen Journalisten. Ungeschnittene Momentaufnahmen und damit umso bedrückender. Die BBC berichtet auf ihrer Website noch mitten in der Nacht mit einem Filmbeitrag. In London erklärt die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, in der so genannten Rebellenhochburg Homs seien mehrere Granaten zwischen den beiden Stadtvierteln Akrama und Al-Nuzha eingeschlagen, als sich dort die Journalisten-Gruppe ein eigenes Bild von der Situation machen wollte. Neben Gilles Jacquier seien auch sechs Syrer getötet und mehrere Menschen verletzt worden.

Wie Rudi Vranckx war auch Gilles Jacquier ein Topjournalist und erfahrener Kriegsreporter. Seit Jahren berichtete er für den Fernsehsender France 2 aus Krisengebieten, aus Afghanistan ebenso wie aus dem Irak. Kein Hasardeur kam in Homs mit ihm zu Tode, auch kein journalistischer Handelsreisender sondern ein seriöser, bedachter Journalist im Dienst medialer Informationspflicht. Rudi Vranckx hat angesichts des Mordes an seinem langjährigen Kollegen Gilles Jacquier die Abreise beschlossen.

Nicht nur er, auch der algerische Beobachter der Arabischen Liga zieht sich zurück. Gegenüber dem Fernsehsender Al-Jazeera erklärt dieser, die syrische Regierung verübe "nicht nur ein Kriegsverbrechen, sondern eine Vielzahl von Verbrechen gegen das Volk". Kein Punkt jenes Planes der Arabischen Liga, der den Konflikt beenden sollte, sei bisher eingehalten worden.

Die Folge: Syrien wird durch diesen Vorfall wieder ein weißer Fleck auf der Informationslandkarte werden. Niemand wird weiterhin wissen, was tatsächlich geschieht. Frankreich protestiert scharf und verlangt die Aufklärung des Mordes an Gilles Jacquier. Ebenso Catherine Ashton als erste Vizepräsidentin und Hohe Vertreterin für Außen- und Sicherheitspolitik der EU-Kommission. Nach wie vor ist unbekannt, wer für den Anschlag auf die Journalistengruppe tatsächlich die Verantwortung trägt.

Doch wer wird die Untersuchungen führen und wie glaubhaft werden deren Ergebnisse sein? Welche internationalen Journalisten werden noch vor Ort recherchieren wollen und welche syrischen Journalisten werden recherchieren dürfen? Erst vor knapp zwei Wochen wurde in der Hauptstadt Damaskus der Radiojournalist Shukri Ahmed Ratib Abu Burghul auf dem Heimweg durch einen Kopfschuss getötet.

Präsident Assad hat angesichts des gewaltsamen Todes von Gilles Jacquier seine eigene Sicht der Dinge: "Wir werden die Verschwörung zweifellos besiegen. Ihre Verschwörung nähert sich dem Ende, und es wird auch ihr Ende sein", erklärt er vor zehntausenden Getreuen in Damaskus. Wer sonst im ganzen Land hört ihm noch ebenso gläubig und Beifall klatschend zu?

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consul
00
13.1.2012, 14:00

schön dass soviele linke sympatisanten des syr. regimes die augen vor dem massiven unrecht verschliessen können. das zeigt wiedermal dass diesen leuten idiologie wichtiger ist als menschenleben.

dr mike
00
13.1.2012, 17:20

Idiologie !! schreibt der Ideot

Franz Brannt-Wein
01
13.1.2012, 13:08
"Der Tod fällt hier vom Himmel"

Aber nein, das kommt erst so richtig mit einer NATO-Flugverbotszone.

Das wird aber wiederum die in London ansässige "syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" tunlichst verschweigen.

Animation
 
00
13.1.2012, 03:20
Rudi Vranckx hat angesichts des Mordes an seinem langjährigen Kollegen Gilles Jacquier die Abreise beschlossen.

MORD? also sind soldaten mörder?
ist dass das statement vom standard?

so humanistisch erkenne ich die zeitschrift ja kaum wieder...

Markus2001
01
13.1.2012, 00:53
Zuerst "Rudi Franckx", dann "Rudi Vranckx". So oder so ein seltsamer Name. Ich weiß, darauf kommt es nicht an. Oder vielleicht doch, wenn man sich fragt, wie verläßlich die Informationen eines Blogs sind und wie sehr man ihm trauen kann, wenn er

offenbar so schnell hingefetzt wurde, dass sich sogar die Schreibweise widerspricht.

Nicht dass ich irgendwas am Regime in Syrien verteidigen will. Aber die (Selbst-)beweihräucherung der (westlichen) Journalisten nervt auch.

"Syrien wird durch diesen Vorfall wieder ein weißer Fleck auf der Informationslandkarte werden. Niemand wird weiterhin wissen, was tatsächlich geschieht."

Gekoppelt damit, dass der getötete Journalist auch über Afghanistan und Irak berichtet habe.

Haben wir denn wirklich von solchen Journalisten erfahren, was dort "tatsächlich geschieht"?

Oder nicht eher von Wikileaks und anderen Löchern?

consul
00
13.1.2012, 14:08

was haben sie denn von wikileaks erfahren, dass nicht schon vorher bekannt gewesen wäre ?

Harry Meier
 
11
13.1.2012, 08:40
Bis 1945 haben auch noch viele an den Endsieg ...

geglaubt, wie es ihnen die Regierungspropaganda staendig vorgekaut hat, waehrend Stadt fuer Stadt in Schutt und Asche gefallen ist. Und heute glauben auch wieder viele an Assads verlogene Regimepropaganda. Die Zeiten aendern sich aber regimetreue propagandahoerige Menschen wird es immer geben.

Esteban Escobar
 
01
13.1.2012, 06:30
möchtest du so sein wie Hans?

http://tinyurl.com/7rmvdze

Markus2001
01
13.1.2012, 09:01

Immer noch lieber als ein in der Pubertät steckengebliebener Pöbel wie Sie.

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